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Suche nach der Steinzeit-Siedlung: In Ostrau baggern die Archäologen

Penny-Markt-Gelände Suche nach der Steinzeit-Siedlung: In Ostrau baggern die Archäologen

Zwei Tage lang lässt Michael Strobel vom Landesamt für Archäologie das Baugelände für den neuen Penny-Markt in Ostrau aufgraben. Bei Halbzeit ist er noch nicht fündig geworden, doch das kann sich mit jedem Baggeraushub auf dem Fußballfeld großen Gelände ändern. Doch selbst ohne Fund wäre Strobel zufrieden.

Thomas Petzold hat Erfahrung mit archäologischen Grabungen und führt seinen Bagger mit Vorsicht und punktgenau in den Feldboden, um einen ebenen Graben zu ziehen und keine Funde zu zerstören.

Quelle: Sven Bartsch

Ostrau. Mit einer kleinen Handhacke hockt ein Mann in gelben Gummistiefeln und gelber Sturmjacke in dem vier Meter breiten und rund 65 Meter langen Graben auf dem Feld gegenüber des Ostrauer Sportplatzes. Schmale Rinnen kratzt er ins braune Erdreich und schaut sich hier und da eine Stelle genauer an. Der im böigen Februar-Wind am Mittwochnachmittag stundenlang das Gelände untersucht, ist Dr. Michael Strobel vom Landesamt für Archäologie Dresden (LfA). Er steht gerade im zweiten von fünf geplanten Gräben, mit denen das gesamte Areal durchzogen werden soll auf der Suche nach Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. „Wir nehmen den Mutterboden heraus, bis wir auf gelben Lößlehm stoßen“, erklärt Strobel, der genau weiß, worauf er achten muss. „Finden wir schwarz-braune, sehr dunkle Ablagerungen, deutet das auf frühe oder mittlere Jungsteinzeit hin. Graue, hell ausgeblichene Erde steht eher für die Metallzeitalter“, erklärt er.

Hier und da sind kleine Stellen in solchen Färbungen zu sehen, doch das ist Zufall, kein Hinweis auf eine Entdeckung bislang. Dass Strobel überhaupt hier graben lässt, liegt an Oberflächenfunden aus dem Jahr 1998. „Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Gisela Scherfke hat sich damals alle Felder zwischen Zehren und Ostrau und noch weiter nach Westen angesehen. Damals ging die Feldbestellung noch tiefgreifender vonstatten. Die gefundenen Scherben deuteten auf jungsteinzeitliche Herkunft hin“, sagt Strobel.

Behutsam beginnt Baggerführer Thomas Petzold von der Salbitzer Firma Voigt Abbrucharbeiten mit dem Aushub des dritten Grabens. Eben wie eine asphaltierte Straße hebt er rund 40 Zentimeter tief Erde aus dem Boden. „Diese Erfahrung ist wichtig für uns. Von manchen Baggerfahrern bekommen wir ein Wellental ausgehoben. Hier muss man dagegen überhaupt nicht nachhobeln“, schwärmt Strobel. Tiefer zu graben mache bei der Suche wenig Sinn, sagt er. Funde zeigen sich auch schon bei 40 Zentimetern. Geht es tiefer, besteht das Risiko, Überreste von Siedlungen oder Gräbern zu zerstören.

Bei Halbzeit haben Petzold und Strobel am Mittwoch noch nichts gefunden. Am Donnerstag sollen die fünf Streifen vollständig ausgehoben sein. Die Wahrscheinlichkeit eine große Siedlung zu finden, die bis zu 20 Hektar umfassen konnte, schwindet mit jedem Aushub. Möglich sind allerdings auch die Grundrisse kleinerer Hütten mit 50 bis 100 Quadratmetern, wie sie später anstelle der großen Dorfhütten errichtet wurden. Doch auch ohne Fund wäre der Archäologe zufrieden: „Wir gewinnen immer einen Einblick. Auch Nichts ist eine Erkenntnis, die uns weiterhilft. Puzzlestein für Puzzlestein erschließt man die Landschaft“, sagt Strobel.

Von Sebastian Fink

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