Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Surrende Rotoren in Döbelns Sporthalle
Region Döbeln Surrende Rotoren in Döbelns Sporthalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:02 10.02.2019
Waldheim Schnuppertag an der Oberschule Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Wer freitags gegen 15 Uhr einen Blick in die Stadtsporthalle Döbeln riskiert, der wird Erstaunliches zu Gesicht bekommen: Ein oder gar zwei Modellflugzeuge gleichzeitig surren durch die Halle, drehen Pirouetten und Loopings, bleiben regungslos senkrecht in der Luft stehen oder fliegen ein ballettartiges Duett.

Gesteuert werden sie von Schülern der fünften bis elften Klasse des Lessing-Gymnasiums, die sich in der AG Modellflug von Thomas Hohlfeld zusammengetan haben. Er leitet die Gruppe in seiner Freizeit, hat sie von Vater und Physiklehrer Hans-Ulrich Hohlfeld übernommen, der die AG vor zehn Jahren gründete. „Ich bin selber schon lange im Modellbau und es war mir ein Anliegen, so etwas zu ermöglichen – auch um den Nachwuchs zu fördern“, sagt Hohlfeld, der nur noch gelegentlich mal in der AG vorbeischaut.

Mehr als nur Fliegen

Das Fliegen ist dabei nur der letzte Schritt. „Das Ziel ist, den Umgang mit Werkzeugen und Material zu lernen als Zugabe zum Fachtechnikunterricht“, betont der Lehrer. Und so verbringen die Schüler einen Großteil ihrer 90-minütigen AG-Zeit in der Werkstatt im Schulkeller. Hier stehen die Leichtflieger aus Depron aufgereiht im Regal. In kleinen Kisten sind Werkzeuge und Ersatzteile sortiert. Die Flieger wiegen nur ein paar hundert Gramm, sollen in der Turnhalle nichts kaputt machen.

Depron – günstiger Alleskönner-Werkstoff

Depron ist der ideale Werkstoff zum Bau von Leichtflugmodellen. Es ist leicht wie Styropor, aber elastischer und damit weniger bruchanfällig und flexibler zu verarbeiten. Dennoch weist es genug Steifigkeit auf, um dem Modellflieger eine gute Luftlage zu verschaffen. Dennoch bricht das Material bei heftigen Abstürzen oder Aufprallen. Oftmals lässt sich der Schaden allerdings mit Kleber oder Klebeband beheben. Ein bis zwei Jahre beträgt die durchschnittliche Lebensdauer eines Depron-Modells. Bei Quadratmeterkosten von vier bis sechs Euro lässt sich dies allerdings leicht verschmerzen. Der Werkstoff wurde ursprünglich nicht für den Modellbau entwickelt, sondern findet sich als Trittschalldämmung unter Laminatböden oder wird zur Wärmedämmung in Häusern eingesetzt. Allerdings sollte Depron für den Modellbau von darauf spezialisierten Händlern erworben werden, da es im Baumarkt meist mit einer Haftbrücke versehen ist.

Das schwerste sind die kleinen Brushless-Motoren (Gleichstrom-Elektromotoren). Dazu kommen Servopumpen zur Steuerung der Ruder und die kleinen Akkus, die jeweils nur rund fünf Minuten Flugzeit erlauben und daher in großer Zahl mit in die Halle genommen werden müssen. Rund 100 Euro kostet ein Bausatz, den die Schule zur Verfügung stellt. Auch privat ist das Hobby damit erschwinglich. Hier hilft es, dass das Depron sehr kostengünstig ist. Nur rund vier bis sechs Euro kostet ein Quadratmeter. „Da kriegen wir zwei Flugzeuge rausgeschnitten. Dazu kommt noch die Ladetechnik für die Akkus und die Fernbedienung, die zwischen 50 und mehreren Tausend Euro kosten kann“, erklärt Thomas Hohlfeld.

Die Gruppe wächst

Auch in diesem Schuljahr sind mit Hannes John und Tom Keiper wieder zwei Neulinge aus der fünften Klasse dazugekommen. Zu elft ist die Gruppe nun insgesamt. Toms großer Bruder Kenny hat ihn in die AG gebracht. Er kann schon „ein bisschen unfallfrei“ fliegen, wie er sagt. Der kleine Bruder muss dagegen noch am Simulator üben.

Die Mitglieder der AG fliegen nicht nur, sondern lernen auch, mit Werkzeug und Materialien umzugehen. Quelle: Sven Bartsch

Das Computerprogramm ist für alle der erste Schritt zum Modellfliegen. „Das ist die Vorstufe. Dann machen sie die ersten Versuche in der Halle nach dem Lehrer-Schüler-Prinzip. Ein erfahrener Pilot fliegt mit einem Anfänger zusammen“, erklärt Hans-Ulrich Hohlfeld. Droht ein Flugzeug abzustürzen, kann der Lehrer helfend eingreifen. Das ist bei den fragilen Leichtfliegern oft die einzige Rettung. „Das ist der Nachteil an dem leichten Werkstoff: Wenn ich gegen die Wand fliege, habe ich gleich einen massiven Schaden“, sagt Hans-Ulrich Hohlfeld. Da spart der richtige Kniff des Lehrers im besten Falle viele Reparaturstunden.

Jahrelanges Hobby

Nico Naumann ist so ein erfahrener Pilot, der anderen Mitschülern schon mehrere Flugzeuge gerettet hat. „Das ist eine ziemliche Umstellung. Man denkt, wie man selbst fliegen würde, aber es kommt dann doch ganz anders, wenn es jemand anderes macht“, erzählt er. Der Elftklässler ist mit seinen 17 Jahren schon ein alter Hase in der Modellflug AG. Seit der fünften Klasse kommt er hierher. „Modellbau fand ich schon immer interessant. Die AG wurde damals in der Klasse vorgestellt und ich bin dann zur Schnupperstunde gegangen“, berichtet er von den Anfängen.

Inzwischen ist er selbst ein Meister seines Fachs, lässt seinen Flieger scheinbar mühelos durch die Halle gleiten und kann entscheiden, ob er ihn sanft auf dem Hallenboden aufsetzen lassen oder ihn aus einer senkrechten Ruhehaltung direkt aus der Luft pflücken will. Doch das klappt nur dank jahrelangem Training. Seit drei Jahren fliegt Nico Naumann auch privat mit größeren Leichtflugmodellen. In der Nähe seines Zuhauses darf er mit Einwilligung des Landwirts auf dessen Feld üben. Zudem baut er Bootsmodelle, die er mit dem Vater auf dem nahegelegenen Teich fahren lässt.

Unbeschwertes Fliegen mit den Modellen erfordert viel Übung. Quelle: Sven Bartsch

In der platzmäßig beschränkten Halle macht sich das bezahlt. Denn neben den harten Wänden und Tribünen, gegen die die zerbrechlichen Flugzeuge prallen können, gibt es eine weitere Gefahrenquelle: „Wer über die Brandmeldeanlage fliegt, der löst den Feueralarm aus“, sagt Thomas Hohlfeld und zeigt auf die kleinen Kästen, die glücklicherweise oberhalb der stählernen Dachkonstruktion liegen, so dass dieser Fall relativ unwahrscheinlich ist. Tunlichst vermeiden sollten die Jungpiloten auch, mit der Nase ihrer Flieger in einem der schulterhohen Alarmknöpfe zu landen. Passiert ist bisher jedoch noch nie etwas.

Modellflug auch in Vereinen möglich

Wem eine Stunde Fliegen in der Halle pro Woche zu wenig ist und wer kein Übungsfeld hinterm Haus hat, der kann das Hobby im Verein ausbauen, rät Hans-Ulrich Hohlfeld. Er und Sohn Thomas gehören zur Sektion Modellbau beim Gleitschirmfliegerverein Ostrau. Auch der MFSC Roßwein bietet Fliegerei auf einem Flugplatz bei Etzdorf an. Zum Einstieg sind aber weiterhin Mitglieder in der Schul-AG willkommen. Wer etwas technisches Verständnis und Feingefühl hat, ist freitags von 14.30 Uhr bis 16 Uhr willkommen.

Von Sebastian Fink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach einem Gebäudebrand in der Freiberger Altstadt hat die Polizei in der Brandruine eine Leiche entdeckt. Noch geklärt werden muss, ob es sich dabei um die vermisste Bewohnerin des Hauses handelt.

10.02.2019

Die Roßweiner Elektroanlagen GmbH baut in Leipzig eine neue Niederlassung. Der Spatenstich soll im Mai gesetzt werden. Auch für die Standortzentrale in Roßwein gibt es Pläne.

10.02.2019

Der Radweg über die ehemalige Bahntrasse zwischen Waldheim und Rochlitz nimmt Stück für Stück Gestalt an. Nun kommt der Naturschutz dem geplanten Abschnitt durch die Fröhne in die Quere. Mit dem Bauherrn gibt es deshalb die Einigung auf eine Alternativroute – die höhere Kosten mit sich bringt.

10.02.2019