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Döbeln Traditionshandwerk in zarten Händen
Region Döbeln Traditionshandwerk in zarten Händen
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15:57 21.10.2018
Die 20-jährige Emiliy Schirmer arbeitet bei der Just Naturstein GmbH im sächsischen Hartha. Quelle: Steffi Robak
Hartha

Ein Grabstein kann vieles sein: Simple Kennzeichnung der Stelle, wo jemand seine letzte Ruhestätte fand. Letzter Gruß der Hinterbliebenen und deren Trauerort. Oder ein Objekt, das mit einer individuellen Symbolik für das Leben steht, welches der Verstorbene führte. Für Emily Schirmer sind Grabsteine tief verwurzeltes europäisches Kulturgut sowie Zeitzeugen eines traditionsreichen Handwerks. Die 20-Jährige erlernte den Beruf des Steinmetzes.

Beruf liegt in der Familie

Sie arbeitet bei der Firma Just Naturstein im Gewerbegebiet von Hartha im Landkreis Mittelsachsen. Wer sich unter der Berufsbezeichnung Steinmetz nur einen vierschrötigen Handwerker mit riesigen Pranken vorstellen kann, wird sich wundern.

Die 20-Jährige aus Narsdorf bei Rochlitz ist nicht einmal 1,60 Meter groß und zudem zierlich. Sie sagt: „Dieser Beruf ist körperlich nicht anstrengend. Zum Heben und Transportieren gibt es die entsprechende Technik.“ Sie liebt ihren Beruf. Auch der Großvater und der Vater übten ihn aus. Letzterer arbeitete im Rochlitzer Porphyrwerk.

Gedenkstein – facettenreiches Kulturgut

Der 20. Oktober ist der Tag des Grabsteins. Erstmals steht im Jahr 2018 der Gedenkstein, wie der Grabstein offiziell genannt wird, im Mittelpunkt. Ein Steinmetz hat diesen Tag ins Leben gerufen. Steinmetzmeisterin Karla Just hält dieses neue, besondere Augenmerk auf den Gedenkstein schon deshalb für wichtig, weil sich der Umgang der Menschen miteinander im Kulturgut Namens Gedenkstein facettenreich widerspiegelt. „Momentan ist dabei so vieles im Umbruch, unter anderem, weil viele Menschen nicht mehr religiös leben“, stellte sie fest.

Sterben und Tod aus Lebensalltag verbannt

Während Sterben und Tod weitestgehend aus dem Lebensalltag verbannt sind, müssten sich die Angehörigen spätestens nach einem Todesfall mit dem Thema Gedenkstein befassen. „Mit dem Entscheiden für die endgültige Steingestaltung sollten sich Angehörige Zeit lassen. Die benötigt man in dieser Trauersituation“, so Justs Erfahrung. Auch der Steinmetz werde sich diese notwendige Zeit für den Kunden nehmen.

Jeder Steinmetz mit eigenem Stil

Die moderne Steinbearbeitung ermögliche eine Vielzahl gestalterischer Möglichkeiten – ein Argument, junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen. „In der Kombination von Kreativität und individuellem Umgang mit der Technik entwickeln Steinmetze ihren unverwechselbaren, man kann sagen: künstlerischen Stil“, so Karla Just.

Blumen, Federn, ein Wasserfall und ein Segelboot

So finden sich auf den Steinen auf den Ausstellungsflächen der Firma Just Blumen-, Feder- oder auch Sternenmotive. Ein Segelboot ziert einen Stein, nach Wunsch der Angehörigen übernommen von einem Foto. In einer dreidimensionalen Darstellung stürzt ein Wasserfall im Gebirge über die Kante des glatten Granits.

Individualität und Tradition

Mittlerweile würden sich die Bestimmungen auf den Friedhöfen lockern, was einerseits moderne, anderseits individuelle Objekte ermöglicht. Emily Schirmer, seit vier Jahren in dem Harthaer Unternehmen, schätzt die vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten. Für Steinmetzmeisterin Karla Just war sie der erste von ihr selbst ausgebildete Lehrling. Just steht heute selbst noch an der Steinschneidemaschine, bildet Lehrlinge aus. Beide Frauen mögen bei der Grabsteingestaltung traditionelle Steine, Formen und Schriften.

Naturstein aus über zwanzig Ländern

Neben dem Großhandel fertigt die Just Naturstein GmbH, mittlerweile weltweit in 22 Ländern operierender Naturstein-Importeur, Steinmetz-Arbeiten wie schon Karla Justs Großvater Heinrich. 1956 gründete er das Unternehmen an der Harthaer Sonnenstraße. Vom Steine-Stellen über das Reinigen bis hin zum Beseitigen von Grabsteinen, sofern das von den Angehörigen gewünscht ist, wird alles in enger Zusammenarbeit mit den Friedhofsverwaltern erledigt.

Beruf für kreative Gestalter

Dazu gehören auch Nachschriften auf bereits vorhandenen Steinen. Diese Arbeit mag Emily Schirmer sehr: Das Hauen alter Schriften, Grundieren, Vergolden – Das traditionelle Bearbeiten eines Steins. „Wer gern zeichnet und kreativ gestaltet, dem kann ich diesen Beruf wirklich empfehlen“, sagt sie.

Von Steffi Robak

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