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Taifun fegt durchs Volkshaus

Taifun fegt durchs Volkshaus

Ihre Augen strahlen wie die von großen Jungs, obwohl sie mittlerweile gestandene, reife Männer mit schütterem Haar sind: Werner Busch, Christian Unger und Klaus Handschack verkörpern drei der vier Generationen der Döbelner Kultband "Taifun".

Döbeln/Oschatz/Mügeln.

 

 

 

 

Von Thomas Sparrer

Im Tonstudio von Klaus Handschack in Döbeln blättern die drei Herren in alten Fotoalben und erzählen begeistert ihre ganz persönliche "Taifun-Story". Klaus Handschack ist sein Leben lang Berufsmusiker geblieben, streichelt jeden Tag seine Gitarren, spielt mal hier mal da und gibt Unterricht. Auch andere haben die Instrumente nicht ganz beiseite gelegt. Doch im Hauptberuf verdienen sie ihr Geld nicht mehr mit der Musik.

Aus zwei unabhängigen Amateurbands wurde 1962 Taifun gegründet. Dieter Stopp, Hans-Tilo Erler, Götz Schröder und Uwe Lidel spielten als Dikalo's zusammen. Schüler-Band nannten sich Roland Schüler, Karl-Heinz Börner, Heinrich Sammeth und Klaus Dehnert. "Weil die Jungs mit 15, 16 und im Lehrlingsalter Twist und Rock 'n' Roll in größerer Besetzung spielen wollten, taten sie sich zusammen. Ich stieß als 2. Saxofonist dazu", erinnert sich Werner Busch. Die Rock 'n' Roll- und Twist-Titel nahmen die Jungen mit dem Tonband im Westradio auf. Alle hatten sie ihre Instrumente an der Musikschule oder im Privatunterricht gelernt. Eine damalige Spezialität der Taifun-Musiker war es, Volkslieder zu vertwisten. Freitag, Sonnabend, Sonntag spielten die Jungs vor ausverkauften Häusern in der Region - auch im Thomas-Müntzer-Haus Oschatz und im Roten Hirsch Mügeln.

25 Mark am Abend gab es als Gage, damals recht viel Geld. "Davon haben wir zusammengelegt für ein Mikrofon und eine 25-Watt-Verstärkeranlage", erinnert sich Werner Busch. Sein Saxofon kostete 855 DDR-Mark. Dafür musste der Elektrikerlehrling einen Sparvertrag bei der Sparkasse abschließen.

Die erste Ära der Band endete 1964, als eine Beatles-Welle durchs Land schwappte. Die "Butlers" aus Leipzig bedienten als erste dieses Genre. Walter Ulbricht schimpfte über dieses neumodische "Yeah, Yeah, Yeah". Doch die Jugend wollte sich von dem alten DDR-Staatsratsvorsitzenden nicht auch noch den Musikgeschmack vorschreiben lassen. Nach einem Fußballländerspiel im Herbst 1965 hatten die "Butlers" in Leipzig zu einer Demonstration gegen staatliche Bevormundung und für Reisefreiheit aufgerufen. Die Staatsmacht reagierte heftig. Es gab Auftrittsverbote für alle Kapellen in der DDR. Englische Bandnamen waren verpönt. Auf Druck des Rates des Kreises Döbeln nannte sich Taifun in "Kosmos 66" um. Als Bassgitarrist stieg Christian Unger 1972 bei Kosmos ein. Dieter Winkler, der bis dato am Bass spielte, wurde zur Armee eingezogen. Weiter waren Wolfgang Knoff, Rainer Frake, Volker Herzog und Heinz Winkler in der Band. Seinen tschechischen Bass für 320 Mark hält Christian Unger noch heute in Ehren. Gute Saiten ließ er sich von der Westverwandtschaft schicken. Ähnlich war es mit den Tonabnehmern. "In der DDR wurden gute Instrumente hergestellt. Doch alles ging als Lizenzfertigung für Devisen in den Westen", erinnert sich Klaus Handschack. Er war der Gitarrenbauer der Band und schuf die begehrtesten "Klanghölzer" und Effektgeräte. "Ich habe schon als 15-Jähriger an meiner ersten E-Gitarre herumgebastelt, bis sie klang, wie ich es wollte", lacht er. Er spielte in der nächsten Band-Generation Melodiegitarre. Nach dem tragischen Unfalltod von Heinz Winkler übernahm Holger Knauer die Tasteninstrumente. Bernd Käseberg (heute Katzer) spielte ebenfalls Gitarre. Bis 1982 rockte diese Besetzung die Tanzsäle mit Deep Purple, Led Zeppelin, Santana, Emerson Lake & Palmer, Jethro Tull und Pink Floyd sowie eigenen Titeln. Mit der höchsten Einstufung für Amateurbands, der "Sonderklasse", gab es 8,50 Mark die Stunde. Jedes Wochenende wurde zwei- bis dreimal gespielt, manchmal noch mittwochs in Leipziger, Chemnitzer, Dresdener und Freiberger Studentenclubs. Mit dem Tod Ulbrichts und Honeckers Machtantritt gab es 1973 Lockerungen. Aus Kosmos wurde wieder Taifun. Die Band reiste durch die DDR, spielte im Sommer an der Ostsee auf der Seebrücke in Ahlbeck. Einige Musiker gingen nur noch halbtags arbeiten, nahmen unbezahlten Urlaub. Man war gut im Geschäft. Bis Anfang der 80er Jahre die Zeit der Discos und Schallplattenunterhalter anbrach. Die Auftritte wurden seltener. Dafür wurde der Kostenaufwand für Instrumente und Elektronik extrem größer. Christian Unger stieg aus. Für Holger Knauer kam Andreas Mann an die Tasten, Klaus Handschack, Bernd Käseberg und Gunter Schulze spielten weiter. Andreas Potschin und Wolf Junghanns kamen zur vierten Generation der Band. Andreas Mann verkaufte seinen Trabi samt Garage für ein neues Keyboard. Es soll zu der Zeit Musiker gegeben haben, die verscherbelten ihr Schlafzimmer für neue Instrumente. Mit der Wende, als Livebands plötzlich nicht mehr gefragt waren, löste sich Taifun auf. Ab und an gab es noch kleinere Auftritte in verschiedenen Besetzungen.

Seit vergangenem Jahr wird daran gearbeitet, zum 50. Bandjubiläum alle wieder auf die Bühne zu bringen. In ganz Deutschland wurden die Mitglieder ausfindig gemacht. Einige haben ihr Instrument an den Nagel gehängt. Andere, wie Werner Busch, entstaubten ihr Saxofon und üben wieder fleißig. Denn am heutigen 20. Oktober, 20 Uhr, wollen alle Bandgenerationen auf der Bühne stehen und die besten Titel ihrer Zeit spielen. Dank der von Werner Busch aufgetriebenen Sponsoren gibt es das Taifun-Revival im Döbelner Volkshaus für zwei Euro Eintritt.

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