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Döbeln Tankstellenräuber sind gefasst
Region Döbeln Tankstellenräuber sind gefasst
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23:00 04.09.2012
Grafik: Wolfgang Sens

Vier Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Dem Hauptverdächtigen, der aus Döbeln stammt, wird ein ganzes Dutzend bewaffneter Überfälle auf Tankstellen und Verkaufseinrichtungen zur Last gelegt. Zudem wurde während der Festnahme und vorangegangenen Ermittlungen bekannt, dass sich das kriminelle Quintett auch mit Rauschgiftdelikten strafbar gemacht hat.

Wie berichtet, fanden am Wochenende Hausdurchsuchungen in Döbeln, unter anderem in der Straße des Friedens statt. Gestern bestätigte die Leipziger Ermittlungsbehörde, dass es am Wochenende weitere Razzien gegeben hat, bei denen die Wohnungen weiterer vier Tatverdächtiger aus Döbeln, Roßwein und Colditz durchsucht wurden. "Die Gruppe wird seit geraumer Zeit durch uns beobachtet. Im Laufe der Ermittlungen wurde die operative Maßnahme am Wochenende notwendig", erklärte der Leipziger Oberstaatsanwalt Ralf Korth gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Wann die Truppe ins Visier der Ermittler rückten, wurde aus taktischen Gründen nicht erläutert. Fakt sei aber, so Korth, dass dem Hauptverdächtigen zwölf Überfälle und seinen Komplizen die Beteiligung an einzelnen Taten vorgeworfen werden können. Korth: "Die Festgenommenen haben sich teilweise zu den Vorwürfen eingelassen, teilweise vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht." Das Amtsgericht Leipzig hatte die Haftbefehle erlassen.

Beim Einsatz der Spezialkräfte des Sondereinheitskommandos (SEK) kam es dem Vernehmen nach zu einer Verfolgungsjagd mit dem Kopf der Bande, in dessen Garage sich zudem mehrere gestohlene Fahrzeuge gefunden haben sollen, was die Staatsanwaltschaft nicht bestätigte, aber auch nicht dementierte. Aber: "Als der Mann auf der Autobahn 14 durch die Spezialkräfte festgenommen werden konnte, fanden die Beamten in seinem Wagen Mengen des Methylamphetamins Crystal." Bereits während der Vorermittlungen ergaben sich den Behörden Hinweise auf Drogenbesitz und -handel gegen alle mutmaßlich Tatbeteiligten. "Das gab letztlich den Ausschlag für die Durchsuchungen und erklärt, warum sich sowohl die Staatsanwaltschaft Leipzig als auch die Kollegen in Chemnitz mit der Tätergruppe befassen", so Korth. Leipzig behandelt zuständigkeitshalber die Raubdelikte. Chemnitz übernimmt die Verfahren wegen der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Zwischen dem 13. April und 7. Juli dieses Jahres wurden zwölf Überfälle auf Tankstellen beziehungsweise Verkaufsmärkte in Döbeln, Leisnig Roßwein, Waldheim, Nossen, Bad Lausick und Trebsen (beide Landkreis Leipzig) bekannt. Oberstaatsanwalt Korth: "Zwölf Raubdelikte an diesen Orten werden dem Hauptverdächtigen angelastet." Zu seinen Komplizen gehören drei männliche Personen und eine Frau. Neben dem Haupttäter hat ein weiterer die Volljährigkeit erreicht, zwei sind zwischen 18 und 21 Jahre, der fünfte unter 18 Jahre alt. Außer der Frau sitzen nach Führung vor den Haftrichter alle in verschiedenen sächsischen Vollzugsanstalten in Untersuchungshaft so Korth, der ergänzte: "Gegen die Frau aus Döbeln liegen derzeit keine dringenden Haftgründe vor."

Die Polizeidirektionen Westsachsen und Oberes Elbtal-Osterzgebirge ermittelten seit April teilweise parallel und miteinander. Anfang Mai - nach den ersten fünf Tankstellenüberfällen - hatte sich ein 20-Jähriger aus der Region Döbeln der Polizei gestellt, nachdem er offenbar gemerkt hatte, dass gegen ihn ermittelt wird. Er schwieg aber zu den Taten und wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wann gegen die Inhaftierten Anklage erhoben wird, ließ die Staatsanwaltschaft Leipzig noch offen. Ralf Korth: "Da es sich nicht bloß um einen Tatort handelt und mehrere Personen unterschiedlich belastet werden, wird die weitere Ermittlung noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind bei Haftsachen immer bemüht, schleunigst zu einem Abschluss zu kommen. Wann das ist, kann im Moment nicht abgeschätzt werden."

Zwei maskierte Täter verüben einen bewaffneten Raubüberfall auf die Tankstelle in der Chemnitzer Straße in Leisnig. Die Räuber betraten den Verkaufsraum der Zapfstation gegen 22 Uhr und bedrohten die Angestellten mit Pistolen.

Am Abend wird die Tankstelle am Ortsausgang der Muldestadt in Richtung Haßlau überfallen.

Die Zapfstation in der Nossener Fabrikstraße wird am Abend das Ziel von Kriminellen. Innerhalb von elf Tagen ist das der dritte Tankstellen-Überfall in einem Radius von nur 25 Kilometern.

Die Roßweiner Total-Tankstelle wurde zum zweiten Mal Ziel eines Überfalls. Kurz darauf wurde am gleichen Abend die Esso-Tankstelle auf dem Autohof Nossen-Nord ausgeraubt.

Im Ortsteil Eule fordert ein schwarz gekleideter und maskierter Mann (etwa 20 Jahre alt) am Abend die Herausgabe der Tageseinnahmen der Tankstelle. Er flüchtet ohne Beute, nachdem er mit der Pistole einen Bockwurstwärmer zerschlug.

Zum zweiten Mal erwischt es die Esso-Station in Bodenbach an der Autobahn-Anschlussstelle Nossen-Nord. Der Täter forderte dort mit vorgehaltener Pistole die Herausgabe von Bargeld.

Der Edeka-Supermarkt in der Bad Lausicker Lessingstraße wird überfallen. Einer von zwei maskierten Männern bedroht eine Angestellte im Kassenbereich mit vorgehaltener Waffe und fordert von ihr die Herausgabe des Geldes. Anderthalb Stunden nach dem Überfall auf den Bad Lausicker Supermarkt wurde eine Tankstelle in Trebsen ausgeraubt.

Der Netto-Markt in der Unnaer Straße in Döbeln wird in ähnlichem Tatmuster überfallen.

Der Waldheimer Penny-Markt in der Steinstraße wird Ziel eines Räuber-Duos.

Der Waldheimer Bau- und Gartenmarkt der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft im Mendener Weg ist das Ziel der Täter. Zwei maskierte Personen forderten vom Verkäufer mit vorgehaltenen Waffen die Herausgabe von Bargeld.

Thomas Lieb

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"Auf die Räder!" heißt es am Sonnabend wieder, wenn Welwel und Döbelner Allgemeine Zeitung gemeinsam mit Ihnen, liebe Leser, in die Pedale treten wollen.

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