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Tankstellenraub: Fünf von sechs Urteilen

Tankstellenraub: Fünf von sechs Urteilen

Am Tag der Urteilsverkündung im Prozess zu den angeklagten Raubüberfällen auf Tankstellen und Verkaufsmärkte, lief am Donnerstag zuerst alles nach Plan - und schließlich aus dem Ruder.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Leipzig auf sieben Jahre Haft für den Hauptangeklagten David F. plädierte, stellte dessen Verteidiger vor seinem Plädoyer neue Beweisanträge. Mit der Folge, dass das Verfahren gegen F. von den übrigen Anklagen getrennt wurde, später weiter verhandelt wird und mit Haft- und Bewährungsstrafen für die fünf Mitangeklagten vorerst endete.

 

Sie haben 15 Tankstellen und Einkaufsmärkte in Westsachsen mit unterschiedlicher Beteiligung überfallen. Gestehen die Taten alle ein und haben sich bei den Opfern entschuldigt. Sechs Angeklagte zwischen 17 und 38 Jahre erwarteten gestern ihr Urteil am Landgericht Leipzig. Als der Verteidiger des 21-jährigen Haupttäters beantragte, eine weitere Zeugin zu laden, wenn sein Mandant über ein bestimmtes Strafmaß hinaus (drei Jahre) verurteilt würde, war es Essig mit dem schnurgeraden Finale in einem sonst zügigen Verfahren. Martin Göddenhenrich benannte eine Freundin von David F., die "dem Gericht eine eigene Wahrnehmung schildern kann, in welchen Abhängigkeitsverhältnis mein Mandant zu Pierre D. gestanden hat". Der Arbeitskollege von F. war in der Verhandlungsverlauf als ominöser siebenter Mann benannt worden, der die Überfälle geplant und F. dazu angestiftet habe. D. hatte eine Aussage vor Gericht verweigert. Dem Döbelner Rechtsanwalt Göddenhenrich war zudem wichtig, dass die dritte Strafkammer in der Urteilsfindung einbezieht, dass David F. seine Taten reflektiert und verarbeitet sowie sich mit den Opfern auseinandergesetzt hat. Für den Fall, dass das Gericht seinen Mandanten für mehr als vier Jahre Haft hinter Gittern bringt, brachte er eine Reihe Gutachten in die nun gesondert aufzunehmende Beweisführung ein. Göddenhenrich argumentierte, dass mehr als drei Jahre Haft den gewünschten erzieherischen Maßnahmen entgegenwirken würden. "Eine Hospitalisierung ist zur Erziehung ungeeignet", verwies Göddenhenrich auf das Gutachten eines Entwicklungspsychologen, der die Wirkung von Freiheitsentzug auf junge Erwachsene untersucht hat.

 

Kammervorsitzender Norbert Göbel ließ den Verteidiger gar nicht mehr zu seinem Schlussvortrag kommen und unterbrach die Sitzung. "Insbesondere die etwas überraschend ins Gespräch gebrachte neue Zeugin lässt es aus Sicht der Kammer heute nicht zu, dass wir zum Ende kommen", so Göbel. Der zog schließlich die Reißleine und trennte das Verfahren gegen David F. ab.

 

Damit konnten die Verteidiger der übrigen Angeklagten - die mit dem Verlauf des letzten Verhandlungstages alles andere als erfreut waren - schließlich doch noch ihre Plädoyers halten. Bezweifelten zum Teil die rechtliche Wertung der Staatsanwaltschaft, die allen Mitangeklagten eine Mittäterschaft unterstellt hatte und plädierten zum Teil auf Beihilfe oder Begünstigung der Taten.

 

Staatsanwalt Metzger hatte in seinem Plädoyer - da war David F. noch Bestandteil des Verfahrens - mehrjährige Haftstrafen, teils unter Bewährung gefordert. Alle Angeklagten seien der schweren räuberischen Erpressung mit unterschiedlich Beteiligung an den einzelnen Taten schuldig zu sprechen. Allein David F. war an allen Raubüberfällen beteiligt. Dennis W. sollte zu fünf Jahren sowie David S. zu dreieinhalb Jahren nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Beide Angeklagten waren an fünf beziehungsweise sechs der Überfälle beteiligt, bei denen die Opfer teils schwere traumatische Schäden erlitten.

 

Die Kammer blieb bei den Urteilen teils unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Sah aber die Argumente der Verteidigung zu mildernden Umständen nicht gegeben. In allen Fällen waren die Beteiligten Mittäter, nicht nur Gehilfen. Richter Göbel betonte, dass "sie ein schweres Verbrechen und keinen Eierdiebstahl begangen haben." Dennis W. bekam drei Jahre und zehn Monate und wird in eine Entzugsklinik zur Drogenentgiftung verwiesen, genau wie David S., der die beantragten dreieinhalb Jahre Haft erhielt. Die weiteren drei Angeklagten kamen mit Bewährungsstrafen davon. Wann die Verhandlung gegen David F. fortgesetzt wird, ist noch nicht terminiert.

Thomas Lieb

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