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Tatort JVA Waldheim: 38-Jähriger dealt im offenen Vollzug mit Crystal

Justiz Tatort JVA Waldheim: 38-Jähriger dealt im offenen Vollzug mit Crystal

Der offene Strafvollzug ist eigentlich ein großer Vertrauensbeweis an Gefangene. Ein 38-Jähriger hat dieses Vertrauen missbraucht, als er im offenen Strafvollzug der JVA Waldheim saß. In dieser Zeit versorgte er über seinen persönlichen Lieferdienst die Crystal-Kundschaft mit Stoff.

Ein 38-Jähriger hat mit Crystal gehandelt, als er gerade im offenen Vollzug der JVA Waldheim saß.

Quelle: dpa

Waldheim/Chemnitz. Sven D. muss ein guter Gefangener gewesen sein, als er in der JVA Waldheim saß. Er hatte Arbeit in einem Waldheimer Betrieb, war im offenen Vollzug untergebracht. Wegen guter Führung kam er sogar vorzeitig auf Bewährung raus. Ins Waldheimer Gefängnis hatte ihn ein Urteil des Amtsgerichtes Döbeln gebracht: Acht Monate Haft wegen Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Lange Zeit unbemerkt blieb das Doppelleben, das der vorgebliche Musterhäftling im Waldheimer Gefängnis führte. Sven D. dealte nämlich mit Crystal, gab fünfmal jeweils mehrere Gramm der Droge an seinen „Lieferdienst“ weiter. Das tat er, als er im Frühjahr im offenen Vollzug saß. So hat es jetzt das Amtsgericht Chemnitz festgesellt, das die Anklage wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln gegen den 38-Jährigen verhandelte und den Angeklagten schuldig sprach. „Die Vorstrafen sowie die Tatsache, dass die nun angeklagten Taten im offenen Vollzug begangen worden sind, sind erschwerend zu berücksichtigen“, sagte Richterin Cornelia Schönfelder, Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete. Ein Jahr und zehn Monate Haft sieht das als Strafe für den Drogenhandel aus dem Knast heraus vor. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Therapie statt gesiebte Luft

Ein halbes Jahr Haft hat D. schon weg. Solange sitzt der Obdachlose bereits in Untersuchungshaft. Das Urteil des Amtsgerichtes Chemnitz bietet dem 38-Jährigen nun eine Chance, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das Gericht hat festgestellt, dass der Mann die Taten beging, weil er abhängig vom Crystal ist. Damit hat er die Möglichkeit, eine Drogentherapie zu absolvieren. Solange die andauert, muss er nicht in den Knast. Sollte er die Behandlung erfolgreich abschließen, kann eine Strafvollstreckungskammer später die Vollstreckung der Haftstrafe zur Bewährung aussetzen.

Aufgeflogen war die Dealerei aus dem Knast, als die Polizei mit einer mutmaßlichen Drogenschmugglerin ein sprichwörtlich dicker Fisch ins Netz gegangen war. Sie war bestens in der Szene vernetzt und legte bei der Polizei ein umfangreiches Geständnis ab. Darin belastete sie auch einen 26-Jährigen Döbelner, den Komplizen von Sven D. Er hat das Crystal in Waldheim abgepackt abgeholt und dann an die Kunden in der Region Döbeln ausgeliefert. Zu einem Jahr und acht Monaten Haft mit Bewährung hatte ihn das Amtsgerichtes Döbeln im Juni deswegen verurteilt.

Über den Kurznachrichtendienst Whatsapp koordinierten die Dealer das Geschäft. Das fanden die Drogenfahnder heraus. „Wir haben die Wohnung des 26-Jährigen durchsucht, dabei ein Mobiltelefon sichergestellt und den Nachrichtenverkehr ausgewertet. Das war wie ein offenes Buch“, sagte Carsten R., Hauptkommissar beim Drogendezernat der Kripo in Chemnitz. Die Vorsitzende führte die über Whatsapp gesendeten Kurznachrichten in die Hauptverhandlung ein. Recht deutlich kommunizieren D. und sein Fahrer über das Crystal-Geschäft.

Verteidiger zweifelt erst und schwenkt später um

Der 26-Jährige bestätigte als Zeuge im wesentlichen das, wofür ihn das Schöffengericht verurteilt hatte. Rechtsanwalt Thomas H. Fischer, der den 38-Jährigen verteidigte, hielt diese Aussage für wenig glaubhaft. Er betrieb zunächst eine auf Freispruch ausgerichtete Verteidigung. Unklar war für den Anwalt auch, wem das Handy zuzuordnen ist, an das der 26-Jährige die Nachrichten geschrieben hat, die den Drogenhandel dokumentieren. Der Mobilfunkvertrag lief nicht auf Anwalt Fischers Mandanten, sondern auf dessen Onkel aus einem Waldheimer Ortsteil.

Als der Staatsanwalt neue Beweise in Form von weiteren Whatsapp-Nachrichten anschleppte, drohte der Prozess zu platzen. Für Sven D. hätte das bedeutet: Raus aus der U-Haft, irgendwann wieder vor Gericht und dann wieder rein in den Knast. „Er hätte nach der Entlassung alleine auf dem Döbelner Hauptbahnhof gestanden und keine fünf Freunde wären dort gewesen, die ihm dabei helfen, ein straffreies Leben zu führen“, sagte Rechtsanwalt Fischer. Das Gericht hatte mit ihm und dem Staatsanwalt im dritten Anlauf schließlich doch noch eine Verfahrensabsprache getroffen: Sein Mandant räumt fünf von neun Anklagepunkten ein, der Rest wird fallengelassen. Dafür bekommt er eine Strafe von 20 Monaten bis zwei Jahren. Sven D. sagte in seinem Geständnis nichts darüber, woher er das Crystal hatte und nannte auch die Namen derer nicht, bei denen er den Stoff „abgebunkert“ hatte. „Ich kenne halt ein paar Leute in Waldheim.“

Von Dirk Wurzel

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