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Döbeln Schmiererei am Waldheimer Bahnhof: Rache-Graffito hat Nachspiel vor dem Kadi
Region Döbeln Schmiererei am Waldheimer Bahnhof: Rache-Graffito hat Nachspiel vor dem Kadi
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11:38 22.07.2016
Nach Ansicht des Gerichtes stiftete eine erwachsene Frau einen Jugendlichen dazu an, die Scheiben bei ihres Ex-Mann einzuschmeißen und den Namen seiner neuen Freundin auf den Waldheimer Bahnhof zu sprühen.  Quelle: Wolfgang Sens
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Waldheim/Döbeln

 Die Schmierfinken sind ein Ärgernis in der Perle des Zschopautals. Oft erstattet die Stadt Anzeige, meistens erfolglos. Nicht so im Falle eines 17-jährigen. Der ließ sich ganz offenkundig für einen Racheakt missbrauchen, als er den Namen der neuen Freundin eines Mannes samt deren Telefonnummer auf eine Wand des Waldheimer Bahnhofs sprühte. Der Mann ist der Ex seiner mütterlichen Freundin, einer 32-Jährigen aus dem Landkreis Nordsachsen.

„Der hat ganz schön Muffensausen gehabt“, sagte der 35-Jährige. Er war nämlich von dem Racheakt selbst betroffen. Der junge Mann hatte ihm die Fenster eingeschmissen und ihm das dann samt der Sprüherei am Bahnhof gebeichtet. So sagte es der Waldheimer jüngst im Prozess gegen die 32-Jährige aus, die den Jungen für ihre Rache am Ex missbraucht hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte sie der Anstiftung zur Sachbeschädigung angeklagt. Und weil Jugendrichterin Marion Zöllner die Beweise reichten, verurteilte sie die Frau deswegen zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu 25 Euro. „Mit dem Einschlagen der Fensterscheiben wollten sie als betrogene Ehefrau Dampf ablassen und dem Ehemann schaden. Der Zeuge hat hier ohne Belastungseifer ausgesagt und den angeklagten Sachverhalt bestätigt“, begründete die Jugendrichterin das Urteil. Der junge Mann hatte vor Gericht die Frau belastet.

32-Jährige streitet Tatvorwürfe ab

Jugendrichterin Zöllner hatte das Verfahren auf dem Tisch, weil die 32-Jährige und der Jugendliche gemeinsam angeklagt waren. Da die Frau bei der ersten Verhandlung entschuldigt fehlte, trennte Richterin Zöllner das Verfahren gegen den Jugendlichen ab und verhandelte gegen ihn in nichtöffentlicher Sitzung, wie das bei Verfahren üblich ist, in denen die Angeklagten jünger als 18 Jahren sind und kein Heranwachsender beziehungsweise Erwachsener mitangeklagt ist. So regelt es das Jugendgerichtsgesetz.

Die Frau selbst wird wohl das Urteil anfechten. „Ich habe mit der Sache definitiv nichts zu tun“, nahm sie zu den Tatvorwürfen der Anklage Stellung. „Sowas tue ich doch keinem Kind an.“ Das wiederholte sie in ihrem letzten Wort als Angeklagte. „Es würde mir nie einfallen, einen Jugendlichen anzustiften.“ Den 17-Jährigen kenne sie durch ihren Sohn. Sie habe sich ein wenig um ihn gekümmert, sei eine Art mütterliche Freundin gewesen. „Dann ging auch gleich das Gerede los, das wir etwas miteinander hätten. Mensch, der ist 17-Jahre alt“, empörte sich die Frau auf der Anklagebank über den Buschfunk. Sie sagte außerdem, dass man den Jugendlichen zu einer Falschaussage genötigt habe. Das versuchte sie in Fragen an die Zeugen zu erhärten. Ihr Ex-Mann fragte sich indes, wieso kein Stein zu finden war, als man ihm die Fenster eingeschmissen hatte. Seine Erklärung: Die Ex hatte ja noch den Schlüssel.

Sprüher als Waldheimer Dauerärgernis

Darauf kam es Richterin Zöllner nicht mehr an, um die Frau schuldig sprechen zu können. Vom Urteil gegen den Jugendlichen kam in der öffentlichen Hauptverhandlung gegen die 32-Jährige nur soviel zur Sprache, als das ihn Richterin Zöllner verurteilt hat.

Als Sprüher schlägt der junge Mann aus der Art. So ist die Botschaft, ein kompletter Vorname, untypisch für die sonst üblichen Kritzeleien. Und außerdem konnte man ihn, auch dank der Selbstanzeige, zur Rechenschaft ziehen. Trotzdem bleiben die Schmierereien in Waldheim ein Problem. Dabei sah es im vergangenen Jahr mal recht gut – vier Anzeigen weniger als 2014. „Im Jahr 2015 wurden in Waldheim insgesamt zehn Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Graffiti bearbeitet. Dabei sind aber Staatsschutzdelikte (z.B. Hakenkreuz-Schmierereien) nicht erfasst“, teilt Doreen Göhler, Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizeidirektion Chemnitz auf Nachfrage der DAZ mit. „Für das Jahr 2016 ist derzeit eine steigende Tendenz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu sehen“, so Doreen Göhler.

Von Dirk Wurzel

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