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Telefon- und Online-Umfrage: Döbelner lieben die Brötchentaste

DAZ-Aktion Telefon- und Online-Umfrage: Döbelner lieben die Brötchentaste

Die große DAZ-Umfrage zum Thema Parken in Döbeln zeigt eine deutliche Unzufriedenheit unter den Autofahrern mit der Parksituation. Fast 700 Menschen haben ihre Meinung am Telefon oder Online geäußert. Der Auftrag an die Stadtverwaltung ist eindeutig: Brötchentaste belassen und mehr Parkplätze schaffen, vor allem am Biergarten auf dem Obermarkt. Und die Politessen dürfen gern etwas strenger sein.

Nadine Hellmann drückt die Brötchentaste.
 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln.  „Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren. Ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät zu dir mein Schatz. Du sitzt bei Kaffee und Kuchen und ich such‘ hier rum!“. So ähnlich wie in Herbert Grönemeyers 80er-Jahre-Hit „Mambo“ ergeht es oft Autofahrern auf der Parkplatzsuche in der Innenstadt.

Die Döbelner und ihre Gäste sehen sich da offenbar nicht als Ausnahme, wie das Ergebnis der großen DAZ-Umfrage in den vergangenen Wochen zeigt: Zu wenige Parkplätze gibt es – da ist sich die Mehrheit der Befragten einig. 57 Prozent der 393 Teilnehmer am Telefon und sogar 68 Prozent der bis zu 288 Online-Teilnehmer gaben an, mit der Parkplatzsituation insgesamt unzufrieden zu sein.

Auf Nachfrage nach dem Grund für das Unbehagen nannte eine überwältigende Mehrheit in beiden Befragungen die mangelnde Zahl an Parkplätzen in der Innenstadt: 94 Prozent der Online- und 87 Prozent der Telefon-Befragten. Nur sechs beziehungsweise 13 Prozent sagten, dass ihnen die Parkgebühren zu teuer seien. Angesichts der Stundengebühr von nur 50 Cent verwundert dies nicht. Zwischen 9 und 17 Uhr wird überhaupt nur eine Parkgebühr fällig. Wer die gesamte Zeit über in der Innenstadt parken will, zahlt durch die kostenfreie erste Stunden maximal 3,50 Euro.

Auf eben diese freie erste Stunde – in Döbeln auch als Brötchentaste bezeichnet, weil der entsprechende Parkschein per Knopfdruck am Automaten oft gezogen wird, um schnell den Bäcker aufzusuchen – wollen die Autofahrer keinesfalls verzichten. 99 Prozent der Befragten am Telefon sprachen sich für den Erhalt der Freistunde aus, online waren es neun von zehn Befragten.

Man könnte auch sagen, die Döbelner Autofahrer lieben ihre Brötchentaste. Seit 2001 gibt es diesen Service für die ausgezeichneten Parkflächen. Von den rund 5000 Euro pro Jahr für Papier und Wartung in den Automaten geht ein Großteil zu Lasten der Brötchentaste. Doch nicht nur deswegen gibt es auch kritische Stimmen zu dem Thema.

In der Ratssitzung im April entbrannte eine heftige Debatte über die geplanten Mehreinnahmen durch Parkgebühren im Haushalt für 2018. 38.000 Euro plant die Stadt für dieses Jahr. 70.000 Euro sollen es im nächsten Jahr werden. Da hinterfragte Stadtrat Dietmar Damm (Wir für Döbeln) sofort, wie diese Mehreinnahmen zu erzielen seien – solle es mehr Automaten geben, eine erhöhte Parkgebühr oder sogar die Brötchentaste verschwinden?

Tatsächlich könnte die Stadt ohne sie mehr Geld einnehmen. Freiparken in der ersten Stunde gibt es in vergleichbaren Städten nicht. In Grimma beispielsweise, wo allein die Dauer der Gebührenpflicht von 8 bis 18 Uhr zwei Stunden länger ist, kosten die ersten 30 Minuten 30 Cent, jede volle Stunde 50 Cent bis zu einer Tageskarte für 2,50 Euro bei mehr als zwei Stunden Parkdauer. So lange sein Auto abzustellen, ist aber nur auf einem einzigen Parkplatz in der Innenstadt überhaupt möglich.

Für eine Abschaffung der Brötchentaste zumindest vor seinem Hotel Bavaria am Döbelner Obermarkt wäre dessen Inhaber Jürgen Dressel. „Ich bezahle für meine Parkfläche und dann komme ich mit dem Auto voller Ware an und finde trotzdem keinen Platz“, moniert er. „Außerdem sehe ich immer wieder Kinder an den Automaten spielen. Die holen da 20 Zettel heraus und schmeißen sie dann herum.“ Grundsätzlich würde Dressel am Parkplatzkonzept etwas ändern.

„In anderen Städten darf man gar nicht parken. Döbeln hat ein Parkhaus, da muss man die Leute animieren auch hinein zu fahren. Aber bei uns wollen sie ja am besten vor jedes Geschäft fahren können. Vielleicht könnte man im Parkhaus die erste Stunde gratis anbieten“, meint er, wohl wissend, dass dafür erst eine Vereinbarung mit dem privaten Betreiber getroffen werden müsste.

Auch von einer weiteren Frage der DAZ-Umfrage ist Dressel betroffen: „Sollten auf dem Obermarkt entlang des Biergartens (Ratskeller/Bavaria) Kurzzeitparkplätze sein, wie vor der Commerzbank?“, heißt es hier. Die Mehrheit der Befragten ist dafür. 79 Prozent in der Online-Umfrage und 74 Prozent am Telefon wollen gern für 30 Minuten legal dort parken können.

Hier hat Dressel einen Kompromiss-Vorschlag: „Im Winter ja, im Sommer nein. Der Biergarten ist vom 1. Mai bis 30. September geöffnet. In der verbleibenden Zeit wäre mir das egal“, sagt er. Ordnungsamtsleiter Jürgen Müller sieht den Wunsch der Döbelner kritisch. Schon jetzt würden Autofahrer kreuz und quer auf dem Obermarkt stehen, sagt er. Daher solle die alte Regelung beibehalten bleiben.

Was Müller freuen dürfte, ist das Votum der Befragten in Sachen Kontrollhärte von Politessen. Hier hat sich in beiden Umfragen eine Mehrheit für strengere Kontrollen ausgesprochen. In der Online-Umfrage ist das Feld jedoch ausgeglichener: 56 Prozent sind in dieser Frage dafür, während es bei den am Telefon Befragten fast drei Viertel aller Teilnehmer sind.

Die Idee dahinter: Mit schärferen Kontrollen würde höchstwahrscheinlich auch das Ordnungsgeld anwachsen, das die Stadt einnimmt – derzeit rund 23.000 Euro pro Jahr. Damit könnte man das anvisierte Einnahmeplus zumindest ansatzweise auch ohne den Wegfall der Brötchentaste erreichen.

Von daz

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