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Döbeln Tests für ältere Autofahrer? Experten und Einwohner aus Waldheim sind sich uneinig
Region Döbeln Tests für ältere Autofahrer? Experten und Einwohner aus Waldheim sind sich uneinig
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17:52 27.05.2016
Sollte es für Fahrer ab 75 einen Gesundheitstest geben? Quelle: dpa
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Waldheim

Ein 84-Jähriger rast ungebremst in ein Straßencafé in Baden-Württemberg, ein 96-Jähriger rammt bei Königstein frontal ein entgegenkommendes Auto, beide Fahrer werden schwer verletzt, ein 69-Jähriger rollt mit seinem Auto in einen Fluss bei Pirna – er kann nicht mehr rechtzeitig bremsen. Immer wieder verursachen Senioren am Steuer mitunter schwere Unfälle.

Immer wieder sind Senioren Schuld an mitunter schlimmen Unfällen auf sächsischen Straßen. Die Galerie zeigt eine Auswahl von Unfällen – die stets von älteren Autofahrern verursacht wurden.

Schon bald wird ein Drittel der deutschen Autofahrer älter als 60 Jahre alt sein. Studien des Statistischen Bundesamts belegen, dass das Unfallrisiko ab 75 Jahren deutlich ansteigt. Unfallforscher fordern deshalb, verpflichtende Gesundheitstests für ältere Fahrer. Doch was halten Experten und die Menschen aus der Region davon? Das DAZ-Reporter-Mobil hat in Waldheim nachgefragt.

Wozu soll ein Gesundheits-Check gut sein?, fragt Horst Reiche, der mit seinen 83 Jahren noch fast täglich am Steuer sitzt. „Im Auto fühle ich mich am wohlsten“, meint der Senior aus Hartha. „So lange es geht, fahre ich noch.“

Der 83-jährige Horst Reiche fühlt sich noch sicher am Steuer. Quelle: Sven Bartsch

Ähnlich sieht das Peter Hauck. Der Waldheimer Rentner hält nichts von verpflichtenden Gesundheitstest für Ältere. „Klar muss ich mich beim Fahren mehr konzentrieren als früher“, sagt der 77-Jährige. Generell aber sei er am Steuer sicherer unterwegs als viele junge Fahrer. Er trinke keinen Alkohol, habe jahrelange Erfahrung. „Warum soll ich mich bevormunden lassen“, fragt Hauck. „Wenn ich krank bin und nicht mehr fahren kann, höre ich von allein auf.“

Auch der Waldheimer Arzt Ernst Schneider sieht Tests für ältere Fahrer kritisch. „Die meisten schweren Unfälle verursachen jüngere Menschen“, so der Allgemeinmediziner. Rentner fahren eher zurückhaltend, sie könnten ihre Fahrtauglichkeit selbst gut einschätzen. In bestimmten Fällen, nach einem Schlaganfall etwa, empfiehlt Schneider für eine Weile aufs Auto zu verzichten. „Rechtlich kann ich es aber niemandem verbieten.“ Hinzu komme: Gerade in ländlich geprägten Regionen wie Waldheim oder Hartha seien viele Senioren auf das Auto angewiesen, um überhaupt zum nächsten Supermarkt zu kommen. „Warum nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen heruntersetzen?“, schlägt der 57-Jährige stattdessen vor. „Das würde zu weniger Unfällen führen.“

Jüngere finden Gesundheitstest gut

Anders sehen das jüngere Menschen aus der Region. „Ein Test ab 75 wäre nicht verkehrt,“ findet Romy Fontana.

Monika Hildebrand ist für Test schon ab 70 Jahren. Quelle: Sven Bartsch

„Am besten , einmal pro Jahr.“ Die 35-jährige OP-Schwester aus Geringswalde weiß, dass Hör- und Sehsinn im Alter nachlassen. „So mancher steigt ins Auto, obwohl er es lieber lassen sollte.“

Monika Hildebrand wäre sogar dafür, Gesundheits-Checks schon ab 70 Jahren einzuführen. „Das Gedächtnis lässt nach, man kann den Verkehr schlechter einschätzen“, sagt die 66-jährige Krankenschwester. Dass sie sich einem solchen Test dann auch bald selbst unterziehen müsste, stört Hildebrand nicht. „Besser als die Sicherheit anderer zu gefährden.“

Sich einzugestehen, dass man lieber die Hände vom Steuer lassen sollte, das können viele nicht, spricht Andreas Jentzsch aus Erfahrung. Der Döbelner Fahrlehrer

Die 35-jährige OP-Schwester Romy Fontana begrüßt Checks für ältere Autofahrer. Quelle: Sven Bartsch

würde verpflichtende Gesundheitstest für Senioren ab 75 begrüßen. „Für Lkw-Fahrer gibt es ab 50 alle fünf Jahre so eine Überprüfung“, sagt der 35-Jährige. „Warum nicht für alle?“ Immer wieder erlebt es der Fahrlehrer, dass ältere Menschen um Auffrischungsstunden bitten, wenn sie längere Zeit nicht am Steuer saßen. Das sei jedoch eher die Ausnahme. Die meisten würden sich auch im Alter noch für die besten Autofahrer halten, auch wenn das ein Trugschluss sei. Eines räumt Andreas Jentzsch allerdings ein: Der Disko-Unfall mit angetrunkenem jüngerem Fahrer fällt oft schlimmer aus als der Parkplatzrempler von manchem Rentner.

Sie haben eine Frage oder einen Hinweis an die Redaktion? Auf dieser Nummer ist der mobile Reporter zu erreichen: 0175/9361002

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Von Gina Apitz

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