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Döbeln Teurer "Platsch"-Ausflug: Mockritzer bestohlen
Region Döbeln Teurer "Platsch"-Ausflug: Mockritzer bestohlen
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23:57 22.04.2014

Eigentlich sollte es ein tolles Osterwochenende werden. Als Auftakt war am Karfreitag ein Bade- und Sauna-Abend im "Platsch" geplant. Es lief auch alles gut an: "Wir trafen um 17.30 Uhr ein, bezahlten mit unserer EC-Karte den Eintritt, zogen uns um und schlossen alles in unsere Spinde ein, sprich Geldbörse und Klamotten", schildert Annett Voigtländer. Am Spindschlüssel befindet sich ein Chip zum Bezahlen, weshalb Voigtländers keine Geldbörse mit in den Bade- und Saunabereich hineinnehmen mussten. "Mein Mann hatte die Schlüssel die ganze Zeit um den Arm, niemand konnte diese entwenden", beschwört Annett Voigtländer. Nach dem Abendessen im Bad und abschließendem Saunagang dann das böse Erwachen: "Wir kamen zurück zu den Umkleidekabinen, zogen uns an und stellten nach langer Suche fest, dass wir Opfer einer Straftat geworden waren", so Voigtländer. Die Brieftasche ihres Mannes Lars war spurlos verschwunden, samt 110 Euro Bargeld, Geldkarte und Ausweispapieren. An den Spinden gab es keinerlei Aufbruchspuren. Alle waren mit den Nerven fertig, die Polizei wurde gerufen, erst gegen Mitternacht waren Voigtländers Zuhause und erlebten beim Sperren der Geldkarte eine weitere böse Überraschung: von zwei verschiedenen Bankautomaten waren bereits jeweils 500 Euro abgebucht worden. "Wie kann so etwas gehen ohne Pin-Nummer, die wir auf keinen Fall mit uns herumtragen?", fragt nun eine verzweifelte Annett Voigtländer. Sie habe noch im Platsch-Bad festgestellt, dass am gleichen Abend eine weitere Familie in ähnlicher Weise bestohlen worden sei. "Auch bei der anderen Familie wurde sehr großzügig abgebucht, wie wir von der Polizei erfahren haben", sagt Voigtländer.

Noch am Karfreitag hat die Polizei die Ermittlungen im "Platsch" aufgenommen, bestätigte Jan Müller, Revierleiter in Oschatz. Er könne sich nicht vorstellen, wie die Diebe in die Spinde gekommen sind, ohne Einbruchsspuren zu hinterlassen. Nicht bestätigen kann Müller bislang, dass es sich um einen organisierten Diebstahl handelt. Alles müsse erst ermittelt und untersucht werden. Es könne auch sein, dass der oder die Täter gesehen haben, wie das Ehepaar Geld irgendwo an einem Automaten abgehoben hat, wobei die Pin durch Beobachtungen bekannt und die Familie deshalb bis nach Oschatz verfolgt wurde. "Aber noch sind das alles Spekulationen", sagte der Revier-Chef. Auf jeden Fall würden ähnlich gelagerte Fälle, die bekannt sind, mit den aktuellen verglichen.

Die Voigtländers und auch Iris Kübler, Chefin des Oschatzer Platsch-Bades, vermuten indes, dass professionelle und möglicherweise organisierte Kriminelle am Werk waren. "Ich bin jetzt reichlich sieben Jahre hier im Bad. Der Vorfall vom Karfreitag war in dieser Zeit das zweite Mal, dass sich Leute an Spinden vergriffen und Gäste geschädigt haben", erklärt Kübler, die das außerordentlich bedauert. Wie lange der erste Fall her ist und ob es damals Einbruchsspuren am Spind gab, weiß die Bad-Geschäftsführerin nicht mehr genau. Aber: "Es hat eine Anzeige gegeben und die Polizei hat die Täter ermittelt. Ich vertraue auch diesmal darauf, dass die Polizei die Täter fasst", sagt Kübler. Das Spind-System im Platsch-Bad hält sie nach wie vor für sicher: "Das System hat sich bewährt und wir hätten es nicht schon so lange, wenn wir es nicht für grundsätzlich sicher halten würden", sagt Kübler und beruft sich auf das Verhältnis von rund 150 000 Badbesuchern im Jahr und den genannten wenigen Vorfällen. Zudem gebe es noch Wertfächer direkt im Schwimmbadbereich, die ebenfalls von den Gästen genutzt werden könnten. Für den entstandenen Schaden haften müssten nach ihrer Auffassung die Täter - wenn sie gefasst werden.

Daran glauben Voigtländers noch nicht so richtig. Vielmehr haben sie das Gefühl, dass die Schuld auf sie abgewälzt wird, obwohl sie sich keiner Schuld bewusst sind. Eine niedergeschlagene Annett Voigtländer: "Vom Bad heißt es, die Spinde sind sicher. Die Bank sagt, Geld abheben geht nur mit Pin. Keiner will haften und Schwachstellen eingestehen."

Olaf Büchel/Gabi Liebegall

Iris Kübler, Platsch-Bad Oschatz

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