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Thomas Gatzemeier hat wieder einen Roman geschrieben

Thomas Gatzemeier hat wieder einen Roman geschrieben

Was für Söhne! Döbeln hat Heckel, Döbeln hat Kretzschmar, Döbeln hat Gatzemeier - Maler von mindestens nationalem Ruf. Letzterer, der einzige noch lebende der Drei, versucht sich seit einiger Zeit auch als Romanautor.

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Thomas Gatzemeier ganz und gar als Maler bei dieser 2010 entstandenen Aufnahme. Seit seinem ersten Roman "Der Sekretär", der in Döbeln spielt, hat der Künstler sich immer mehr aufs Schreiben verlegt.

Quelle: Klaus Lorenz

Döbeln. Während in Thomas Gatzemeiers erstem Roman Döbeln Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist, wird diese Aufgabe im neuen Buch Leipzig zuteil. Was nicht heißt, dass seine Heimatregion darin überhaupt keine Rolle spielt. "Der Roman endet in Döbeln, an der Autobahnabfahrt", so der Autor gestern am Telefon. Die Hauptfigur des Buches, Edgar Wünschel, will hier seine Jugendliebe aus den 1970er Jahren besuchen... Auch Leisnig kommt im Buch vor. Dort trifft sich Wünschel mit einem Freund von früher, der jetzt Künstler ist. Dass Gatzemeier die Handlungsorte bisher immer an seine Lebensstationen im Osten verlegt hat, hat seinen Grund. "Zu Karlsruhe fällt mir immer noch nichts ein, vielleicht in 20 Jahren. Entfernung ist für einen Schriftsteller wichtig."

Eingefallen ist Gatzemeier diesmal eine Story über einen Banker und übers Finanzwesen. Edgar Wünschel, eigentlich Mathematiker, fängt an der Frankfurter Börse als Aktienhändler an, um nicht arbeitslos zu werden. Er macht Karriere. Nach der Wende bekommt er ein lukratives Jobangebot in Leipzig. Er übernimmt den Eigenhandel einer Bank. Als Wünschel die wertlos gewordenen Hypothekenkredite der Dubliner Zweigstelle seiner Bank bewerten soll, wird ihm das Lug- und Trug-System bewusst, in dem er sich bewegt.

"Ich hatte schon oft mit Bankiers zu tun, als Käufer meiner Bilder. Ich habe Vorstandschefs kennengelernt und Handelsräume gesehen", beschreibt Gatzemeier einen gewissen Hintergrund. Aber: "Der Roman ist eine ausgedachte Geschichte, die jedoch immer auch etwas mit der Realität zu tun hat. Vielleicht ist sie das Substrat der Wahrheit." Möglicherweise sei das Buch ein Sinnbild für "die immer wieder kehrenden Finanzkrisen, die aus der Gier des Menschen entstehen".

Exklusiv wird Gatzemeier in den nächsten Tagen seinen neuen Roman bei einer Lesereise auf einem Kreuzfahrtschiff vorstellen, das von der Karibik bis nach Hamburg fährt. Ob er danach, wie schon beim "Sekretär", auch in Döbeln vorlesen wird, steht noch nicht fest. "Wenn ich gefragt werde, komme ich bestimmt." Überhaupt sei er zurzeit mehr Schriftsteller als Maler. "Ich habe schon immer geschrieben, mied aber Veröffentlichungen aus Angst, zu sehr zu dilettieren. Ein Freund hat mich dann genötigt, das erste Buch herauszugeben." Nun kann Gatzemeier nicht mehr davon lassen. Der dritte Roman ist bereits in Arbeit. Olaf Büchel

Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen!, Roman, 256 Seiten, Eigenverlag Soll und Haben, Karlsruhe, ISBN 978-39813423-3-8, ab 24. Februar im Buchhandel.

❏ Thomas Gatzemeier wurde 1954 in Döbeln geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Schrift- und Plakatmaler und arbeitete als Steinmetzgehilfe, bevor er von 1975 bis 1980 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studierte. Seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann.

❏ Von 1980 bis 1986 war der Künstler freischaffend in Döbeln tätig. Bereits 1984 erhielt er Ausstellungsverbot in der DDR. Zwei Jahre später wurde er ausgebürgert und kam mit seiner Familie nach Karlsruhe.

❏ Seit etwa sechs Jahren betreibt Thomas Gatzemeier neben seinem Atelier in Karlsruhe auch wieder ein Atelier in Leipzig.

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