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Thüringerin absolviert Referendariat in Roßwein

Thüringerin absolviert Referendariat in Roßwein

Roßwein. Lehrermangel, Unterrichtsausfall, Streik und heiße Debatten um Klassenbildung sowie Schulschließung - im Altkreis Döbeln sorgen die Probleme der sächsischen Bildungspolitik für einen turbulenten Start ins neue Schuljahr. Aber alles geht noch schlimmer - nämlich in Thüringen.

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Referendarin Carolin Kürbs hat oft ein Lächeln im Gesicht, das ihr die Schüler der Roßweiner Weinbergschule gern zurückgeben.

Quelle: Wolfgang Sens

Pausenklingeln an der Grundschule Am Weinberg. Besser gesagt ein Klingeln ins Wochenende. Es ist Freitag, die Klasse 2a hat ihre letzte Stunde geschafft, alle sind aufgeräumt wegen der bevorstehenden freien Tage. Trotzdem verabschieden sich die Kinder höflich von Carolin Kürbs, die lächelnd vor der Klasse steht. Einige Schülerinnen können sich gar nicht von ihr trennen und umschlingen die Beine der schlanken jungen Frau so, als würden sie sie nicht wieder los lassen wollen. Kürbs streicht den Mädchen übers Haar, strahlt Wärme aus, ist nicht nur Lehrerin.

"Ich gehe über den Unterricht hinaus", gibt die 24-Jährige zu. "Wenn ein Kind schlecht drauf ist, dann spüre ich das und frage nach." Schließlich ist die angehende Lehrerin viele Stunden des Tages mit ihren Schützlingen zusammen. "Ich bin allerdings kein Mutti-Ersatz und nicht die Freundin auf Augenhöhe. Ich möchte respektiert werden, bringe also auch den Kindern Respekt entgegen."

Eine Klassenstärke von 24 Kindern ist für sie kein Problem. "Wenn eine vertrauensvolle Ebene gefunden ist, dann funktioniert das. Es gibt Phasen der Konzentration, dann lachen wir auch mal zusammen." So wie Kürbs das erzählt, wirkt sie locker, entspannt, sympathisch, aber auch voller Energie, die sie mit kraftvoller Gestik unterstreicht. Freundlich nickend und dabei die rotblonden Locken wiegend bestätigt sie: "Ja, ich versuche locker zu sein. Meine Schüler sind Kinder und das sollen sie auch im Unterricht sein." Kürbs möchte nicht, dass die Mädchen und Jungen 45 Minuten lang kerzengerade und mucksmäuschenstill da sitzen. "Warum diese Lebensfreude abwürgen statt sie zu übernehmen?"

Carolin Kürbs wächst in Gera auf, geht dort bis zum Abi zur Schule. Sie hat einen älteren Bruder, keiner in ihrer Familie ist "pädagogisch vorbelastet". Der Wunsch, Lehrerin zu werden, wächst von innen heraus. Sie absolviert Praktika in Kindergärten und Grundschulen und entscheidet sich für letztere. "In der Grundschule machen die Kinder die größten Fortschritte in ihrer persönlichen Entwicklung und beim Aneignen von Wissen. Es ist toll, das zu sehen, dazu beizutragen." Die Geraerin studiert an der Uni Erfurt Pädagogik der Kindheit mit den Fächern Deutsch, Mathe, Sachunterricht und dem Wahlfach Englisch. "In der heutigen Gesellschaft ist es unverzichtbar, diese Sprache zu können. Je früher damit begonnen wird, umso besser", begründet Kürbs, die nun an der Weinbergschule Drittklässlern diese Sprache beibringen wird.

Mit dem ersten Staatsexamen in der Tasche bewirbt sich Carolin Kürbs in Thüringen und Sachsen um ein Referendariat, das für den Einstieg in den Lehrerberuf notwendig ist. "In Thüringen gibt es erheblichen Lehrermangel und trotzdem ganz strenge Einstellungsbedingungen. Sachsen ist da eher auf dem Vormarsch", sagt die 24-Jährige überraschend aus der Sicht des Nachbar-Freistaates. Sie zögert deshalb keinen Moment, als 2011 von Sachsen eine Zusage kommt.

Sie wird der Grundschule Roßwein zugewiesen. Döbeln kennt sie bereits - "von den Würstchen und durch das Hochwasser". Von Roßwein hat Kürbs zu dieser Zeit noch nichts gehört. Sie zieht in die Stadt, mietet sich eine Wohnung, bringt gleich das Rad mit, um die Gegend zu erkunden. "Wenn mir ein Schüler sagt, dass er in Grunau wohnt, dann will ich natürlich wissen, wie es in dem Ort aussieht." Die Großstädterin ist überrascht. Noch nie ist sie so freundlich und offen aufgenommen worden, ob von der Nachbarschaft oder den Kollegen, mit denen es eine "super Zusammenarbeit" gibt. "Roßwein ist ein beschauliches Städtchen ohne Trubel. Aber man trifft immer jemanden, den man kennt."

Das erste Referendar-Jahr vergeht wie im Flug. Kürbs baut einen engen Kontakt zur Klasse 1a auf, deren Klassenlehrerin Barbara Richter gleichzeitig ihre Mentorin ist. Die Schulleitung erteilt am Schuljahres-ende die Selbstständigkeitserklärung, das heißt, im zweiten Jahr darf sie auch alleine vor der Klasse stehen. Die vergangenen Sommerferien nutzt die Referendarin, um sich aufs zweite Staatsexamen vorzubereiten. Nur wenige Tage bleiben für Wanderungen in der Sächsischen Schweiz.

Dass sie den richtigen Beruf gewählt hat, da ist sie sich sicher. "Ich gehe jeden Tag gern auf Arbeit. Das ist dafür das wichtigste Zeichen." Carolin Kürbs will selbst Kinder haben "Definitiv! Ich möchte nicht als 50-Jährige vor der Klasse stehen und keine Ahnung davon haben, wie es ist, Mutter zu sein", sagt die aufgeweckte Frau. Der Zeitpunkt dafür steht allerdings noch nicht fest. Erst einmal die Ausbildung beenden und vielleicht noch ein paar Jahre als Grundschullehrerin arbeiten. Wo genau, darauf hat sie keinen Einfluss. Doch mit ziemlicher Sicherheit wird es in Sachsen sein. Olaf Büchel

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