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Döbeln Tödliches Feuer in Döbeln-Nord:  Angeklagte ist nicht gefährlich
Region Döbeln Tödliches Feuer in Döbeln-Nord:  Angeklagte ist nicht gefährlich
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16:18 26.02.2018
Das Landgericht Chemnitz verhandelt gegen eine 70-Jährige aus Döbeln, der Brandstiftung mit Todesfolge zur Last liegt. Quelle: dpa
Döbeln/Chemnitz

Sie ziehen gerne die ganze Aufmerksamkeit auf sich. So charakterisierte Dr. Jörg Kühne am Montag das Krankheitsbild der histrionischen Persönlichkeitsstörung. Der Psychiater des Landeskrankenhauses Arnsdorf hat die Angeklagte für das Gericht begutachtet. Und ihrer Persönlichkeit eben jene histrionischen Züge bescheinigt.

Zettelschreiben zugegeben

„Sie hat bei unseren Gesprächen die Tatvorwürfe stets bestritten und gesagt, dass sie der Intrige dreier Leute ausgesetzt war“, sagte der Nervenarzt. Sie habe ihm gegenüber eingeräumt, drei Drohzettel geschrieben zu haben. Diese waren im Umfeld der Brände im Mehrfamilienhaus an der Albert-Schweitzer-Straße aufgetaucht. Die Botschaften enthalten Drohungen gegen die Wohnungsgenossenschaft Pro Leipzig, der Eigentümerin des Hauses. „Sie war wütend über die aus ihrer Sicht falsche Informationspolitik der Wohnungsgenossenschaft“, sagte Dr. Kühne. Er sieht die Angeklagte nicht als gefährlich an.

Tödliche Kokelei

Damit fehlt eine Unterbringung im Maßregelvollzug die Grundlage, falls die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Chemnitz die 70-Jährige als Brandlegerin ansieht. Im Falle eines Schuldspruches wegen Brandstiftung mit Todesfolge müsste sie dann wohl mit einer Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang rechnen. Die Staatsanwaltschaft legt der 70-Jährigen zur Last, 2016 und 2017 mehrfach in den Kellerräumen eines Hauses an der Albert-Schweitzer Straße Brände entfacht zu haben. An den Folgen einer dieser Brände ist eine 86-Jährige gestorben.

Mit dem Opfer gut verstanden

Mit dieser Frau habe sich die Angeklagte gut verstanden, erzählte sie dem Psychiater Dr. Kühne. „Bei ihrem Tod hat sie sich emphatisch gezeigt. Sie war betroffen, dass die Frau an den Folgen des Brandes gestorben war“, sagte der Nervenarzt. Aus der Krankengeschichte und ihren Angaben hat er die Diagnose gestellt, dass die 70-Jährige über die Maßen Alkohol getrunken hat. Dabei habe es sich um einen Missbrauch, nicht jedoch eine Abhängigkeit gehandelt. Im Prozess hatte die Angeklagte gesagt, keinen Alkohol zu trinken.

Urteil zum Frauentag

Auf Antrag der Verteidigung hörte das Gericht außerdem eine Mitarbeiterin des rechtsmedizinischen Institutes von Prof. Jan Dreßler der Uni Leipzig. Die Ärztin hatte die Angeklagte untersucht, als diese angegeben hatte, Unbekannte hätten sie geschlagen. Einer habe festgehalten, der andere mit der Faust zugehauen und sie am Kopf getroffen. „Die Verletzungen sind unspezifisch. Die Frau kann sich auch gestoßen haben“, sagte die Ärztin. Ob sie sich dieses Hämatom auch selbst zugefügt haben könnte, fragte Richterin Simone Herberger, die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, die sachverständige Zeugin. „Das ist extrem selten, sich selbst ins Gesicht zu schlagen“, antwortete die Medizinerin. Sie hält für wahrscheinlicher, dass sich die 70-Jährige gestoßen hat. Die Anklage hält die Angaben der Frau für ein Märchen, zwei Unbekannte hätten sie angegriffen, sieht darin das Vortäuschen einer Straftat.

Am 8. März entscheidet sich, ob die erhobenen Beweise reichen. Dann will die Schwurgerichtskammer ein Urteil verkünden. Hopp oder topp – es bleibt spannend.

Von Dirk Wurzel

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