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Döbeln Toter Fisch für "Knastanwalt"
Region Döbeln Toter Fisch für "Knastanwalt"
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23:23 14.11.2012
Der Angeklagte Mahmoud E. wird in den Gerichtssaal geführt.

Telefonieren in den Irak - damit ging gestern der achte Verhandlungstag des Aladin-Prozesses vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Chemnitz zu Ende. Ein Dolmetscher versuchte im Auftrag der Kammer unter Vorsitz von Richterin Simona Herberger den flüchtigen Marwan M. anzurufen. Der gilt der Staatsanwaltschaft als Mittäter und setzte sich in den Irak ab (die DAZ berichtete). Die gestrigen Kontaktversuche blieben erfolglos.

Zuvor hörte das Gericht mehrere Zeugen. Deren Aussagen belegen nicht zweifelsfrei, dass der angeklagte Mahmoud Ayman E. am Mord des Bistrobetreiber und Autohändler Jamal A. Mortada maßgeblich beteiligt war. Dennoch könnten diese Zeugen den Angeklagten belasten. Wolfgang G. ist einer davon. Der Mann sitzt eine sechsjährige Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung ab und hat die Hälfte dieser Strafe verbüßt. Im Gefängnis, so erfuhr die DAZ im Umfeld des Prozesses, gilt er als eine Art informeller Rechtsberater, der Mithäftlingen bei ihren juristischen Problemen berät. Auch der Angeklagte E. habe sich an den "Knastanwalt" gewandt. Bei einem Hofgang in der JVA Zwickau bot sich dazu die Gelegenheit. Dort sitzt Mahmoud E. in Untersuchungshaft. Wolfgang G. half Mahmoud jedoch nicht, sondern informierte die Behörden. "Er sagte zu mir: 'Ich sitze zuhause und schreibe SMS als ich hörte, wie die Polizei zum Imbis in Döbeln fuhr", sagte Wolfgang G. Damit sei für den Mann klar gewesen: Wenn Mahmoud E. weiß, wo die Polizei hinfährt, habe er mit dem Mord zu tun. Außerdem, so Zeuge G., habe ihm der Mordangeklagte während der gemeinsamen Hofgänge in der JVA Zwickau gestanden, die Pistole in einem Gewässer entsorgt zu haben. Die Frage des Staatsanwaltes Stephan Butzkies, ob er den Chemnitzer Mordprozess in Medien verfolge, verneinte der Zeuge.

Erst auf Nachfragen des Verteidigers, Rechtsanwalt Enrico Brand, gab er zu, einen Bericht im Fernsehen gesehen zu haben. Enrico Brand zog mit seiner Befragung auch G.´s Motive in Zweifel. Zunächst gab Wolfgang G. vor, sein Gewissen zu erleichtern. Dann räumte er ein, sich von einer Aussage eine vorzeitige Entlassung oder Hafterleichterungen erhofft zu haben. Auch in anderen Fällen habe er Polizei und Staatsanwaltschaft bereits "geholfen", nach eigenen Angaben bei den NSU-Morden und diversen Drogendelikten im Gefängnis. Gebracht hat ihm dieses Verhalten bisher nur ein Paket, das ihm Unbekannte in den Knast schickten. Inhalt: Ein toter Fisch und ein Zettel, auf dem stand, er solle sich überlegen, was er sage. Solche Bedrohungen habe es auch gegen Ausländer gegeben, die in Döbeln leben: Die Vettern des Angeklagten würden sie erschießen. Einer der Bedrohten ist offenbar Medi F., Inhaber eines Autohandels in Döbeln. Vor der Ermittlungsrichterin Irmgard T. habe Medi F. gesagt, der Angeklagte Mahmoud E. habe etwas mit dem Mord zu tun. Vor Gericht bestätigte Medi F. dies nicht. Für die Anschuldigungen gibt es aber noch einen weiteren Zeugen. Pascal S. sagte, jener Medi F. habe ihn an seinem Wissen teilhaben lassen. Aber auch zugleich gewarnt, damit zur Polizei zu gehen. "Medi sagte zu mir, es soll unter uns bleiben. Es könne mir sonst etwas passieren", so Pascal S. Der Prozess geht am 16. November weiter, ein Urteil fällt womöglich erst im Januar 2013.

Dirk Wurzel

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