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Totschlag in Leisnig: Zeugen zeichnen Bild eines zornigen jungen Mannes

Justiz Totschlag in Leisnig: Zeugen zeichnen Bild eines zornigen jungen Mannes

Im Totschlag-Prozess gegen Christoph H. am Landgericht Leipzig haben jetzt Zeugen ausgesagt, die mit dem jungen Mann zu tun hatten, ihn und seine Eigenheiten recht gut kannten. Der Angeklagte selbst präzisierte seine Einlassung und erzählte, wie er an das spätere Tatwerkzeug gekommen war und weshalb er das Messer mit sich herum trug.

Am dritten Verhandlungstag im Totschlag-Prozess gegen Christoph am Landgericht Chemnitz haben Leute ausgesagt, die den Angeklagten recht gut kannten.

Quelle: dpa

Leisnig/Chemnitz. Christoph H. geriet schnell in Rage und neigt zum Jähzorn. Dieses Bild zeichneten Zeugen, die am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer des Chemnitzer Landgerichtes aussagten. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Simone Herberger verhandelte am dritten Prozesstag die Anklage gegen den 25-Jährigen wegen Totschlags. Er soll in den Abendstunden des 16. Septembers 2016 einen 53-Jährigen Leisniger erstochen haben.

Die Kammer hörte am Dienstag Zeugen, die mit dem Angeklagten zu tun hatten. Es ging dabei weniger um die Tat an sich, als darum, was für ein Mensch H. ist. Um am Ende beurteilen zu können, wie schwer seine Schuld wiegt, ob und wie er zu bestrafen ist.. „Er stand zornbebend neben mir, als ich mit anderen Jugendlichen Holz auflud und ihn lautstark aufgefordert habe, mitzuhelfen. Zuvor lag er nämlich noch im Bett“, schilderte Elsbeth Pohl-Roux, Vorsitzende des christlichen Vereins Be-Greifen, die Christoph H. aufgenommen hatte, als dieser 2010 aus der Untersuchungshaft kam. Sie berichtete davon, wie sie H. habe nach Bayern zu einem Ausbildungsträger vermitteln können. Aus dieser flog der Angeklagte jedoch raus. Auf dem Fachwerkhof beziehungsweise im Bahnhof Klosterbuch nahm Elsbeth Pohl-Roux den jungen Mann nach seiner Rückkehr nach Leisnig nicht wieder auf. Aber sie besorgte ihm eine kleine Wohnung, erzählte sie dem Gericht. Und auch, dass sie ihm Hofverbot erteilt habe. Damit beantwortete die Zeugin die Frage der Vorsitzenden, ob sie H. für gefährlich halte. „Irgendetwas in der Seele dieses Jungen ist zerstört“, sagte Elsbeth Pohl-Roux. Die 61-Jährige erinnerte sich zudem, dass H. gewalttätig gegen Sachen war und dass er sich mit Mitbewohnern im Bahnhof geprügelt habe. „Ich bekam den Anruf, ich solle die Polizei rufen. Aber das habe ich nicht getan, sondern den damaligen Gemeindediakon Michael Richter hingeschickt, mit dem wir Hand in Hand zusammengearbeitet haben.“ Dieses Vorgehen sollte Christoph wohl weiteren Ärger mit der Polizei und Justiz ersparen. An einigen Stellen von Elsbeth Pohl-Rouxs Zeugenaussage weint Christoph H.

Urteil soll am 7. April fallen

„Er konnte sehr aufbrausend und jähzornig sein“, sagte H.’s Betreuer Holker H. aus Geringswalde. Auf Nachfrage von Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Dr. Oliver Minkley, präzisierte der Betreuer: „Das war von der Gesprächssituation abhängig und meist dann der Fall, wenn nicht das kam, was er wollte.“

Christoph H. erklärte am Dienstag, wie er zu dem Messer, der späteren Tatwaffe, gekommen sei. Er habe es in Strasbourg gekauft, als er mit der Kirchgemeinde in einem französischen Wallfahrtsort war. Er gab zudem den Grund an, weshalb er die Stichwaffe mit sich herumtrug. Er habe sich bedroht gefühlt, fürchtete außerdem die Konfrontation mit einem Mann, der auf seinen Pflegehund scharf gewesen sei. Jenes Tier soll H. getreten haben und das gilt der Anklage als Auslöser der Bluttat. Der Getötete hat – das haben mehrere Zeugen bereits ausgesagt – H. an jenem Tag auf dem Leisniger Markt zur Rede gestellt und dabei körperlich bedrängt.

Wenn H. von der Tat spricht, sagt er „Erinnerungslücke“. Bereits eine Woche vor dem 16. September habe diese eingesetzt und dauere bis heute an. Manfred K. hatte am Wochenende nach dem blutigen Freitag ermittlungsrichterlichen Bereitschaftsdienst im Amtsgericht Chemnitz. Er musste nach Döbeln ins Polizeirevier. Denn vorführen konnte die Polizei Christoph H. damals nicht. „Ich habe dem Beschuldigten in der Gewahrsamszelle den Tatvorwurf eröffnet. Er sagte sinngemäß: Ich wollte das nicht, ich habe in Notwehr gehandelt.“ Das passt nicht zur aktuellen Einlassung des Angeklagten.

Am 7. April will die Schwurgerichtskammer ein umfangreiches Programm abwickeln. Zwei bisher nicht erschienene Zeugen sollen noch aussagen, die Sachverständigen ihre Gutachten vortragen, Staatsanwalt, Nebenklagevertreter und Verteidiger die Plädoyers halten. Anschließend will die Kammer das Urteil beraten und verkünden.

Von Dirk Wurzel

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