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Döbeln Tragnitzer Glockentrio schwingt wieder im Dreiklang
Region Döbeln Tragnitzer Glockentrio schwingt wieder im Dreiklang
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00:27 05.04.2018
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“: Künstlerin Maria Ondrej und Pfarrerin Katja Schulze begutachten den Spruch auf der fertigen Glocke. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Leisnig

Alle Augen ruhten beim Festgottesdienst in der Tragnitzer Sankt-Pankratius-Kirche am Ostersonntag für einen kurzen Moment auf einer kleinen Fernbedienung. Mit ihr versetzte Kirchenvorsteher Horst Neumann die dritte Glocke der Kirche per Funk zum ersten Mal in Gang.

Glocke am Ostersonntag geweiht

Zuvor hatte Pfarrerin Katja Schulze sie mit den Worten geweiht: „Sie soll die Gemeinde zu Wort und Sakrament und zum täglichen Gebet rufen. Und daran erinnern, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht.“ Im anschließenden Gebet bat sie, dass die Glocke die Menschen zum Frieden mahne: „Hilf, dass sie die Trauernden tröstet, die Mutlosen aufrichtet und die Verstorbenen auf ihrem Weg begleitet.“

Ursprüngliche Glocken für Weltkrieg eingeschmolzen

Damit verwies sie zugleich die auf die Geschichte der ursprünglichen Glocken, die im Zuge des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen worden waren, um die Bronze als Material für Kriegsgerät zu gewinnen. Im Oktober 2014 konnten nach langer Finanzierungsfrage zunächst die größeren Glocken mit der Stimmung Es und G in den sanierten Kirchturm gehoben werden. Seit Sonntag ergänzt sie nun die Kleinste um ein B zum Dreiklang.

Bronze erklingt zum ersten Mal

Sie war noch kurz vor Ende des Lutherjahres 2017 wie die beiden anderen zuvor im nordrhein-westfälischen Gescher in der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit und Gebrüder Edelbrock im Tiegelgussverfahren gegossen wurden (die DAZ berichtete). Die bei circa 1100 Grad Celsius entstandene Bronzelegierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn erklang nun zum ersten Mal bei einem Gottesdienst. Zunächst allein, dann zusammen mit den anderen Glocken.

Start auf Knopfdruck

„Jetzt kann auf den Knopf gedrückt werden. Mal sehen, ob wir es hören“, kündigte Schulze den Moment an. Sie öffnete die Türen, damit das Geläut im Inneren besser zu hören war. Für die, die ihr im Anschluss nicht nach oben in den Glockenstuhl folgen konnten, hatte sie ein Modell der Glocke und Fotos dabei, die die Zier zeigten.

Abbildungen von alter Glocke fehlten als Vorlage

„Wir wussten zwar, dass auf der alten Bronzeglocke auch eine Taube abgebildet war, aber wie diese aussah, nicht. Es gab weder eine Zeichnung noch ein Foto“, erklärte sie. Daher sei die Leipziger Künstlerin Maria Ondrej beauftragt worden, alle drei Glocken zu gestalten. Ondrej, selbst anwesend, erntete Applaus für ihren Entwurf. Sie selbst hatte in Gescher die Wachsreliefs aufgetragen, deren Abbilder jetzt die Gussglocke zieren.

Künstlerin schafft drei neue Motive in Anlehnung an die Kirche

Dazu orientierte sie sich an den Abbildungen an den Innenwänden und Fenstern der zur Gründerzeit restaurierten Kirche. Während die ersten beiden das Auge Gottes und Jesus am Kreuz zeigen, ziert dritte Glocke eine Taube mit Ölzweig, die für den Heiligen Geist stehe. „Wunderschön“, befand Schulze, „und was auf der alten Glocke ganz bestimmt nicht drauf war, sind die Olivenzweige! Ganz herzlichen Dank, ich bin sehr froh, dass das hier in Tragnitz vollzogen werden konnte“, sagte sie euphorisch.

Klang erfüllt Glockenstuhl aus Holz

Auch die Künstlerin zeigte sich im Glockenstuhl nicht unbeeindruckt: „Das ist noch einmal etwas anderes, sie jetzt so zu sehen“, sagte Ondrej, während alle drei Glocken das Holz im Turm in Schwingung versetzten.

Von Manuel Niemann

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