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Döbeln TransPak kommt nach Mockritz
Region Döbeln TransPak kommt nach Mockritz
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12:32 03.04.2018
Transpak kauft das letzte Grundstück im Gewerbegebiet Mockritz. Quelle: Sven Bartsch
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Großweitzschen

Das Döbelner Verpackungsunternehmen Transpak erweitert seine Produktion und kauft dafür ein 3,24 Hektar großes Grundstück im Gewerbegebiet Mockritz. Der Gemeinderat Großweitzschen schuf dafür durch mehrere Beschlüsse in seiner Sitzung am Dienstagabend die Voraussetzungen: Das aus drei Teilen bestehende Grundstück wird zusammen an Transpak verkauft. Die Gemeinde erhält 421 000 Euro. Zusätzlich übernimmt der Käufer die Kosten für die Entwässerungsauflagen der Gewerbefläche in Höhe von rund 200 000 Euro. Ob Transpak komplett nach Mockritz umzieht oder dort einen zusätzlichen Standort bezieht, wollte Geschäftsleiter Olaf Walter noch nicht kommentieren. „Es ist erstmal positiv, dass die Gemeinde dem Verkauf zugestimmt hat. Wenn alles in trockenen Tüchern ist, werden wir genauere Details bekanntgeben“, sagte er der DAZ.

Kleiner Haken für die Kommune: Damit die gesamte Fläche für Transpak frei wird, muss Mobilfunkanbieter Vodafone sein bereits fertig geplantes Unterfangen, einen Funkmasten auf das Grundstück zu stellen, aufgeben und nahe der Firma Polenz ein Ersatzgrundstück beziehen. Die Mehrkosten für die Neuplanung des Turms von rund 10 000 Euro trägt die Kommune. Auch das bestätigte der Rat, allerdings jeweils mit einer ungewöhnlich hohen Zahl von acht beziehungsweise sechs Enthaltungen. In der Diskussion um die Mehrkosten für die Versetzung des Vodafone-Masten einerseits und den - aus Sicht einer Vielzahl von Räten - zu günstigen Verkauf der letzten großen Gewerbefläche der Gemeinde andererseits, brach ein Graben auf, der sich rissartig schon seit rund einem Jahr angekündigt hatte.

Was war passiert? Erst im vergangenen Jahr hatte der Gemeinderat zugestimmt, dass Vodafone einen Funkmasten auf eben jenes Grundstück bauen darf, das Transpak nun erwerben kann. Die Planung und die Baugenehmigung dafür lagen nach langem Vorlauf bereits vor. Wegen der Anfrage von Transpak wandte sich die Gemeinde nun an Vodafone und bat darum, auf ein anderes Grundstück auszuweichen. Dass die Räte überhaupt den Bau des Turms auf dieser Fläche genehmigt hatten, lasteten einige der schlechten Informationslage im Vorfeld sowie der kaum vorhandenen Tätigkeit des Bauausschusses an. „Wir haben den Turm also mitten in ein Filetstück gesetzt und haben jetzt das Dilemma?“, fragte Rätin Susann Munz und forderte: „Ich bitte darum, dass alle Räte die Informationen über freie Grundstücke und Wasserschutzzonen bekommen.“

Sebastian Wloch kritisierte, dass Vodafone zwar auf Wunsch der Gemeinde umplanen müsse, aber am neuen Standort durch die Nähe zur Gewerbegebietsdurchfahrt bei Erschließung und Bau des Turms wesentlich geringere Kosten zu erwarten hätte. Er und weitere Räte forderten Nachverhandlungen zur Senkung der Mehrkosten für die Kommune. Hauptamtsleiterin Cornelia Weichold, die die Verhandlungen mit dem stellvertretenden Bürgermeister Jörg Burkert geführt hatte, hielt entgegen: „Der neue Standort liegt niedriger, daher ist eine komplette Neuplanung des Mastens notwendig mit komplett neuem Bauantrag.“ Die Kosten seien gerechtfertigt. Jörg Burkert betonte, dass der Verkauf der Fläche an Transpak, der die Gemeinde auf dem Weg, den rund eine Million Euro hohen Schuldenberg abzubauen, gehörig voranbringt, nur durch das Wohlwollen Vodafones möglich werde. „Wir haben jetzt das Dilemma und müssen in den sauren Apfel beißen.“ Ein Antrag Manfred Nestlers, das Thema in den Technischen Ausschuss zu verlegen, wurde abgelehnt. Burkert verwies auf die Dringlichkeit: „Transpak brennt es auf den Nägeln. Wenn wir das verzögern, gehen sie woanders hin, das kann ich euch versichern.“ Zwar stimmten die Räte bei acht Ja-, zwei Neinstimmen und sechs Enthaltungen zu, doch entbrannte die Diskussion um den Verkauf der Fläche an Transpak erst recht.

Denn dass es überhaupt so eilig werden konnte mit der Entscheidung, war der unglücklichen Situation zu verdanken, dass Bürgermeister Ulrich Fleischer die Verhandlungen mit Transpak offenbar weitgehend allein geführt hatte. Fleischer fällt nun aufgrund einer langwierigen Erkrankung auf unbestimmte Zeit aus. Erst als sich das mit der Planung betraute Architekturbüro Zache an die Gemeinde wandte, konnte diese handeln. „Ich habe die Unterlagen so vom Schreibtisch des Bürgermeisters genommen“, erklärte Cornelia Weichold. Da war der Preis - 13 Euro pro Quadratmeter - allerdings von Fleischer bereits ausgehandelt worden. 15 Euro waren ursprünglich angesetzt. Wegen der zu erwartenden hohen Kosten für die Entwässerung, die Transpak bereit war, selbst zu übernehmen, senkte man den Preis auf 13 Euro - und damit den Kaufpreis um rund 64 000 Euro, erklärte Weichold.

Zu wenig, wie viele Gemeinderäte fanden. „Die Preisverhandlungen gehören in den Verwaltungsausschuss, das darf der Bürgermeister nicht allein entscheiden“, merkte Susann Munz an. „Was muss noch passieren, dass hier mal der Bauausschuss tagt?“, fragte ein hörbar erzürnter Sven Schilder. „Ich finde 13 Euro zu wenig“, brachte es Dieter Horlacher auf den Punkt.

„Wenn wir lange um den heißen Brei herumreden, geht die Firma woanders hin“, insistierte Weichold. „Das dürfte ihnen rund um Döbeln schwer fallen“, meinte Wloch und fügte an: „Wie kommt dieser Preis zustande? Selbst mit 20 Euro wären wir unter dem Durchschnitt. Das ist unsere letzte Chance, den Schuldenberg richtig abzubauen. Wir machen hier als Gemeinde einen Fehler.“

Andreas Haupt hielt entgegen: „Wenn wir die 200 000 Euro Kosten für die Entwässerung dazurechnen, steigt der Preis auf 19,20 Euro pro Quadratmeter. Und wenn die Baywa damals gewusst hätte, welche Auflagen für Entwässerung auf sie zukommen, hätten sie das Grundstück im Gewerbegebiet nicht gekauft. Wir finden keine andere Firma, die so ein großes Grundstück kauft bei diesen Abwasserkosten. Und wir sind mit einem Mal alle kleinen Ecken los, die wir einzeln sowieso nicht verkaufen können.“

Jörg Burkert, der die Geschäfte der Kommune kommissarisch führt, gelobte Besserung, was die Einberufung der Ausschüsse angeht, bestand aber auf einem Beschluss. Der zeigte mit einer Gegenstimme und acht Enthaltungen die Zerrissenheit des Rates.

Die TransPak GmbH Döbeln ist eine eigenständige Firma innerhalb der TransPak-Gruppe mit insgesamt 14 Standorten in Döbeln. Das Döbelner Unternehmen hat an der Eisenbahnstraße seinen Sitz und beliefert von Döbeln aus mit insgesamt 45 Mitarbeitern Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Verpackungsmaterial und Kartonagen aller Art. Ein weiterer Lagerstandort von TransPak Döbeln befindet sich bei Henwi in Döbeln-Masten an der Harthaer Straße.

Von Sebastian Fink

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