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Trauer in Döbeln: Christa Lange verlässt die Bühne

Trauer in Döbeln: Christa Lange verlässt die Bühne

Eine Dame verlässt die Bühne. Der Platz mit der Nummer 5 in der linken Parkettloge der Döbelner Spielstätte wird zur Wiedereröffnung in einer Woche leer bleiben.

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Der Vorhang ist nicht gefallen - das Schaffen von Christa Lange für das kulturelle Leben in Döbeln wirkt über ihren Tod hinaus.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Christa Lange geht durch ihre kleine Wohnung im Döbelner Norden. Frischer Kaffee und Kuchen stehen auf dem Wohnzimmertisch. Eliza mag keine Fremden. Das Tier ist müde. Schnuppert nur kurz. Christa Lange schaut ihr mitleidig entgegen und seufzt. Ihre Blicke halten sich gegenseitig fest. Frauchen und Hund möchten sich nicht entscheiden: Beieinander bleiben oder loslassen? "Christel" ist keine Frau, die Müdigkeit zeigt. Der Elan, die Energie, die Zielstrebigkeit - es ist ihr bis zuletzt geblieben. "Das ist mein Leben", sagt die Buchhändlerin während sie auf ihr Heiligtum zeigt. Aus dem Bücherregal zieht sie das Buch von Peter Bause, dessen Lesung am Mittelsächsischen Theater in Döbeln eine der letzten kulturellen Veranstaltungen ist, die sie erlebt. "Man stirbt doch nicht im dritten Akt" lautet der Titel.

Seit dieser Begegnung in ihrer Wohnung, an der sie den Blick vom Balkon auf ihre Heimatstadt ganz besonders liebt - "deswegen gehe ich hier auch nicht freiwillig raus" - ist eine gute Woche vergangen. Die 76-Jährige wirkt zufrieden. Etwas in sich gekehrt vielleicht. Und doch aufgewühlt. Ohne dabei die Lebensfreude zu verbergen, die jeder spürt, der sie kennt. Ihre spürbare Aufregung ist an diesem Tag allein mit einem Datum verknüpft, das sie eng mit einem weiteren Lebensinhalt verbindet: Die Wiedereröffnung. Als Vorsitzende des Fördervereins "Freunde des Döbelner Theaters" hat Christel der neuen Spielzeit in ihrem Theater entgegengefiebert. Plant Premierenfrühstück, Jugendtheater-Projekte, Ausstellungen in der neuen Saison.

Grenzenloses Engagement, die Liebe zum Theater, ein kompromissloser Einsatz für die Kultur - sie ist zu einer Grande Dame geworden. Sie hätte sich selbst nie als solche bezeichnet. Und sie ist in ihrer Art auch eine andere. Keine Bühnengestalt, die Welterfahrung verkörpert. Christa Lange ist nicht von elitärem Anmut. Christa Lange ist bürgerlich. Mit funktionierendem Mundwerk. Christa Lange ist Tierliebhaberin. Mit Drang zum Helfersyndrom. Mit besonderer Aufmerksamkeit für die Menschen am sozialen Rand. Christa Lange kann anecken, penetrant um ihre Sache kämpfen. Und es ist ihr egal, ob sie dabei nervig wirkt. Eine Frau, die sich selbst nie im Mittelpunkt sieht und es doch genießen kann, wenn sie im Rampenlicht steht. Die Sache, für die sie sich engagierte ist es, worauf es ihr ankommt. Christa Lange ist Christa Lange. Heute noch mehr als gestern.

Am 8. Mai 1936 wird sie in Hochweitzschen geboren, der Vater, gelernter Friseur und Perückenmacher, arbeitet als Pfleger, die Mutter ist Hausfrau. "Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit", erinnert sie sich an die Zeit, in der sie, zunächst in Hochweitzschen, später in Tanndorf, aufgewachsen ist. Sie lernt in Grimma bei "Buch und Kunst", geht später nach Leipzig auf die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt. Nachdem sie kurze Zeit in Grimma arbeitet, wird sie 1955 nach Oschatz versetzt, übernimmt dort die kommissarische Leitung der Buchhandlung. 1957 landet sie in Döbeln. Und bleibt. Bis 1996 leitet sie die spätere Erich-Kästner-Buchhandlung. "Und dann wollte mich offensichtlich der Teufel holen." Christel wird krank. Über den Krebs redet sie nicht. Er stört nur. Passt nicht in ihre Alltagsplanung. Christa Lange streift ihn von sich, wie man sich ein ekliges Insekt vom Arm wischt. Nach außen wirkt es so. In Christa Lange sät der Krebs Traurigkeit. Gestern gewinnt er den nie stattgefundenen Kampf. Im Döbelner Klinikum ist Christel eingeschlafen. Ohne lange Qualen.

Die Nachricht wirft eine Woche vor der feierlichen Wiedereröffnung des Mittelsächsischen Theaters Döbeln einen besonders langen und dunklen Schatten. Es ist ein Herzenswunsch der 76-Jährigen, dieses "für mich ganz besondere Datum" mitzuerleben. Vor zehn Tagen gilt ihre ganze Aufmerksamkeit noch diesem 14. September. Die Trauer sitzt tief - bei der Geschäftsführung, der Intendanz und den Schauspielern. Bei den "Freunden des Döbelner Theaters", deren Vorsitz Christel im Januar 2002 von Dr. Astrid Erdmann übernimmt. Alle haben gestern mit großer Bestürzung reagiert. "Frau Lange gehörte seit Jahrzehnten zu den treusten und engagiertesten Besuchern und Freunden des Döbelner Theaters und hat seine Arbeit in vielfältiger Weise unterstützt", sagt Theater-Geschäftsführerin Dr. Christine Klecker

Der Tod von Christa Lange hinterlässt tiefe Eindrücke. Von ihren Verdiensten. Von ihrer Lebensfreude. Von ihrer Art, Mensch zu sein. Gestern hat sie die Bühne für immer verlassen. Ohne Dramaturgie. Ohne Tragik. Ohne Happy End. Ganz leise. Begleitet von Menschen, die ihr wichtig waren. Mit den Gedanken im Theater und Eliza im Herzen.

Es steht ein Denkmal für Christa Lange: Sitz Nummer 5 in der Parkettloge links.

Thomas Lieb

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