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Trickbetrüger in Roßwein unterwegs

Trickbetrüger in Roßwein unterwegs

Roßwein. Seit gestern sind zum wiederholten Male Trickbetrüger in Roßwein unterwegs. Heizungsbauer Steffen Thiele war vor zwölf Jahren schon einmal Opfer der fahrenden Händler, die Handwerksfirmen ein angeblich revolutionäres Verfahren zum Schärfen von Sägeblättern, Bohrern und Meißeln für kleines Geld anbieten.

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Ein scheinbar gutes Geschäft bieten derzeit fahrende Händler in Roßwein an: Sie wollen alte Sägeblätter, Bohrer, Meißel und Scheren so härten und schleifen können, dass diese nie wieder stumpf werden. Eine Utopie, die viel Geld kostet.

Quelle: Sebastian Fink

. Seit gestern sind zum wiederholten Male Trickbetrüger in Roßwein unterwegs. Heizungsbauer Steffen Thiele war vor zwölf Jahren schon einmal Opfer der fahrenden Händler, die Handwerksfirmen ein angeblich revolutionäres Verfahren zum Schärfen von Sägeblättern, Bohrern und Meißeln für kleines Geld anbieten. Gestern kamen die ausländischen Vertreter wieder in seiner Firma in der Bahnhofstraße vorbei. In der DAZ erklärt er, wie die Betrüger vorgehen, um andere Handwerker zu warnen. Die Polizei rät grundsätzlich zu genauer Überprüfung von Geschäftspartnern und gutem Überlegen vor einer Unterschrift, da sie in diesen zivilrechtlichen Fällen nicht einschreiten könne.

 

"Sie waren gerade eben in meiner Firma", erzählt Steffen Thiele, als er im DAZ-Büro in Roßwein sitzt. "Sie verkaufen eine Technik zum Schärfen von Messern, Scheren, Bohrern und anderen Dingen. Das gleiche Vorgehen wie vor zwölf Jahren", sagt er. "Sie", das sind fahrende Händler, die derzeit offenbar wieder im gesamten Altkreis Döbeln unterwegs sind. "Die waren vor zwei Jahren zuletzt da, sind aber seit der Wende immer wieder aufgetaucht", sagt Thiele. "Die bauen eine Wagenburg aus Caravans in Döbeln auf und schwärmen von dort aus."

In einem schwarzen Mercedes Kombi seien sie derzeit unterwegs. Auffällig seien vor allem die französischen Nummernschilder. "Die klingen aber eher osteuropäisch, vielleicht rumänische Zigeuner", vermutet Thiele.

Ihre Vorgehensweise habe sich in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht verändert. "Sie kommen drei Mal. Zuerst erscheint nur einer, im feinen Anzug, der einem erklärt, dass es ein tolles neues Verfahren zum Härten und Schärfen von Stahl gebe", erzählt der Heizungsbauer. Der Vertreter nehme kostenlos ein Probestück mit, um es über Nacht zu bearbeiten. Damit sollen Kunden geködert werden. "Ich habe damals ein Diamantsägeblatt für einen Trennschleifer mitgegeben. Die Diamanten waren längst abgeschliffen, der Herr versicherte mir aber trotzdem, dass es wieder scharf würde, was rein technisch gar nicht möglich ist", erklärt Thiele.

Am nächsten Tag kämen dann zwei Vertreter mit dem bearbeiteten Stück zurück. "Das Teil sieht dann auch toll geölt und geputzt aus, hat aber keinen größeren Wert als vorher. Ich habe denen einen Meißel mitgegeben, der völlig stumpf war. Der müsste normalerweise ausgeschmiedet werden. Die haben ihn aber nur angeschliffen. Da ist er nach drei Mal draufschlagen wieder stumpf", sagt Thiele.

Beim zweiten Besuch würden dann mehrere Teile von den Händlern mitgenommen und ein Vertrag über deren Bearbeitung geschlossen. "Zuletzt wurden in etwa 1,50 Euro pro Zentimeter des Werkstückes berechnet. Bei einem 30 Zentimeter langen Bohrer sind das schon 50 Euro. Da bekommt man fast zwei neue dafür", ärgert sich Thiele. Das Problem sei, dass der Preis an der Haustür nicht deutlich gemacht werde. Einige andere betroffene Handwerker im Altkreis seien über das Ausmaß der Preise im Unklaren gelassen worden, so Thiele. "Am dritten Tag tauchen dann drei Leute auf, meist ist ein Kind dabei. Einer macht dann auf Mitleidstour und der andere spielt den Aggressiven, der von seinem Mitstreiter nur mit Mühe zurückgehalten werden kann. Das ist ein richtiges Rollenspiel", erklärt Thiele. Rechnungen zwischen 500 und 2000 Euro seien die Regel. Bezahlt habe er damals nicht. "Ich habe die Polizei gerufen. Als die die Personalien aufnehmen wollte, sind die Händler abgezogen. Die Ware wollten sie auch nicht behalten." Die Firma habe er damals überprüft. Es stellte sich heraus, dass es sich nur um eine Briefkastenfirma in Frankreich handelte, die unter der genannten Telefonnummer nicht zu erreichen war.

Michael Hille, Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen, warnt generell vor übereilten Vertragsabschlüssen. "Man muss sich die Firma, die die Verträge anbietet genau ansehen, am besten im Internet überprüfen. Dann sollte man sich auch überlegen, ob man im Falle eines Widerrufs oder bei Garantieproblemen einen Ansprechpartner im Umkreis hat. Es gibt ja auch seriöse Vertreter, darum kann man nicht generell von Haustürgeschäften abraten", sagt er. Die Überprüfung liege im Interesse des Verbrauchers, denn: Bei gültigen, unterzeichneten Verträgen könne die Polizei lediglich die Personalien aufnehmen, um zivilrechtliche Ansprüche zu sichern. "Hier geht es meist nur um ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das fällt nicht unter Strafrecht. Verträge sollten vor dem Unterschreiben gut gelesen werden. Es ärgert mich, dass die Leute auch 20 Jahre nach der Einheit und trotz aller Präventionsarbeit noch immer solche Dinge unterschreiben", sagt Hille.

Sebastian Fink

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