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Döbeln Leisnig: Ein Meilenstein kommt angerollt
Region Döbeln Leisnig: Ein Meilenstein kommt angerollt
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18:01 01.03.2018
Der VfB Leisnig hat Dank einer Unternehmens-Kooperation einen neuen Bus bekommen. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Trubel am Vereinsheim vom VfB Leisnig: Die acht- bis neunjährigen E-Jugend-Fußballer haben sich in Schale geworfen, natürlich standesgemäß in ihre Spielkleidung. So heißen sie ein neues Vereinsmitglied willkommen, das gerade auf den Hof gerollt kommt: Ein nagelneuer Mercedes Vito. „Es mag nur ein Auto sein, doch es ist ein Meilenstein für unsere Vereinsentwicklung“, freut sich Jörg Lippert, Präsident des VfB Leisnig.

Runden-Laufen für den Bus

Warum sich Lippert so freut: Vor allem für den Sport der Kinder und Jugendlichen hilft das Fahrzeug beim Transport zu den Spielen. „Noch ein Pkw von einem Elternteil dazu, und wir kommen mit einer ganzen Mannschaft plus Auswechsler zu einem Turnier. Damit ist uns wirklich extrem geholfen.“ Es handelt sich um ein Leasing-Fahrzeug. Damit die Raten dafür aufgebracht werden können, ist Lippert ganz schön Runden gelaufen.

Bank, Autohaus und Archivdienstleister im Boot

Als Finanzierer konnte er neben der Kreissparkasse Döbeln den Leisniger Archivdienstleister DMI und die Döbelner Mercedes-Benz-Niederlassung Gruma Automobile gewinnen. „Das war von Anfang an mein Sport bei diesem Projekt: Verlass’ dich nicht nur auf einen einzigen Unterstützer, sondern bring’ mehrere Unterstützer zusammen, dann machen auch andere mit.“

Präsident lädt zum Kaffee ein

Dem Präsidenten ist das Ereignis eine Einladung zum Kaffee ins Vereinsheim wert, zudem ein Satz VfB-Fan-Schals, denn mit leeren Händen will er den Unterstützern nicht entgegen treten. DMI-Geschäftsführer Christoph Schmelter trägt nun ein Exemplar, Thomas Gogolla und Juliane Scheder von der Kreissparkasse Döbeln ebenso wie die Männer von der Gruma, Marko Antony und Denny Ilbig.

Ernster Hintergrund für Erfolgsstory

Am Kaffeetisch kommt bei aller Freude das Gespräch auf den ernsten Hintergrund der Erfolgsstory: Im Kinder- und Jugendsport Sport ginge schon lange nichts mehr beziehungsweise sehr viel weniger, wenn nicht Unternehmen die finanzielle Basis sichern helfen.

Auf dem Land Kinder abholen

Da haben sich die Richtigen am Tisch gefunden: Sparkassenvorstand Gogolla und der aus Ostrau stammende Marko Antony kennen das Thema zur Genüge, ob nun als Vater oder als Trainer von Kinder- beziehungsweise Jugendmannschaften. Lippert, der den Verein zusammenhält, stimmt zu. Auf dem Land muss man die Kinder und Jugendlichen von zu Hause zum Training und zum Turnier abholen.

Gute Bedingungen für Übungsleiter wichtig

Sonst kommen sie nicht. Hakt es dort, bleiben die Spieler irgendwann der Mannschaft fern. Auch für die Übungsleiter müssen Bedingungen geschaffen werden, die ihnen ihre Arbeit möglichst erleichtern, ganz zu schweigen von den Eltern, die ihre Kinder während des Trainings und an den Wochenenden zu den Spielen in guten Händen wissen wollen.

Eltern leisten schon Unterstützung

„Dann kommt dazu: So ungefähr bis zum 13. Lebensjahr haben die Kinder von alleine Interesse, dann kommen Computer, Musik, Mädels... und in der Pubertät werden sie dann ohnehin schwierig.“, weiß Antony. Er hat Erfahrung als Jugendtrainer. Wie das alles mit einem gesponsorten Bus zusammen hängt? Lippert: „An solchen scheinbar simplen Aufgaben wie dem Transport darf es eben nicht scheitern. Es verursacht Aufwand, den manche Eltern als Unterstützung leisten können, andere nicht. Wenn sich die Kinder und Jugendlichen im Verein wohl gefühlt haben, kommen sie nach einer Ausbildung vielleicht zurück, steigen wieder in den Spielbetrieb mit ein.“

Verein allein kann Bus nicht finanzieren

Mittlerweile sei es ein allgegenwärtiges Phänomen: In vielen Orten der Umgebung kann nur noch eine Männermanschaft gebildet werden. Oder Spielgemeinschaften mit Nachbarstädten sind an der Tagesordnung. Aus den Vereinsfinanzen wäre so etwas wie ein Bus nicht finanzierbar, sagt Lippert. Der alte Vereinsbus ist Baujahr 2005, hat 150 000 Kilometer auf der Uhr und soll im Fahrdienst für den Kinder- und Jugendbetrieb möglichst weniger eingesetzt werden. „Mal sehen, was wir damit jetzt machen“, so Lippert. Das neue Auto hält er schon aus Sicherheitsaspekten für nötig.

Höhere Vereinsbeiträge utopisch

Dann ist das Gespräch schnell beim Geld, und damit bei den Vereinsbeiträgen. Obwohl der VfB im Umkreis schon zu den Vereinen im oberen Drittel gehört, kann daraus gerade mal der normale Sportbetrieb finanziert werden. Die Beiträge anzuheben, um in Fahrzeug irgendwann finanzieren zu können, das sei utopisch. „Es würde bedeuten, das dann manche Eltern ihre Kinder aus dem Verein nehmen müssten.“

Sport für und mit Kindern spielt gesellschaftliche Rolle

Schmelter hebt die gesellschaftliche Rolle des Sports hervor: „Kinder und Jugendliche lernen hier auch Zusammenhalt, Kameradschaft, den Umgang miteinander. Das darf man beim ersten Blick auf die sportliche Seite nicht aus den Augen verlieren.“ Dass dabei die ebenfalls von Sponsoring abhängige Kulturlandschaft leidet, ist dem DMI-Geschäftsführer bewusst: „Das Engagement für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Sport ist gegenüber potenziellen Sponsoren ein Pfund, mit dem gewuchert wird, wenn wer finanzielle Unterstützung braucht.“

Sponsoring eine Frage der Unternehmensethik

Ob dann die Kultur irgendwann hinten runter fällt? Das bestimme immer auch ein Stück die Unternehmensethik, so Schmelter. Das in Münster ansässige DMI unterstütze zum Beispiel seit Jahren das Musikprojekt „Fighting Spirits“. „Dort wird für und mit Kindern und Jugendlichen musiziert, die mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind. Das Projekt liegt uns deshalb sehr am Herzen.“ Sponsoring-Anfragen würden generell nicht weniger, im Gegenteil. „Sich für einen zu entscheiden, bedeutet, andere enttäuschen zu müssen.“

Apparatebau Hauptunterstützer vom VfB Leisnig

Beim VfB Leisnig muss jedenfalls niemand enttäuscht sein, nachdem dort jetzt Eltern und Übungsleiter ein neues Fahrzeug zur Verfügung haben. Für den VfB trägt jetzt eine Kooperation Früchte, für welche Lippert vor drei Jahren die Saat legte. Damals stellte er sich als neuer Vereinspräsident bei den Unternehmen der Region vor, unter anderem beim DMI. Lippert weiß, neben dem traditionellen Hauptunterstützer, dem Apparatebau Leisnig, wird er als Präsident andere Kooperationen immer wieder neu knüpfen müssen.

Jüngste DMI-Sommerparty schon ein Volksfest

„Alle Unterstützer beisammen zu halten, das sehe ich als meine Aufgabe, und bin jedem dankbar, der uns in diesem Sinne treu bleibt“, sagt er. Schmelter meint: „Das DMI- und VfB-Sommerfest im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass Lippert ein Mann dafür ist, solche Kooperationen auf eine feste Basis zu stellen in der Lage ist.“ Dass die A-Jugend-Spieler beim Turnier um den Schmelter-Cup die befreundete Konkurrenz aus dem Feld schlug, hat ihn sehr beeindruckt.

Von Steffi Robak

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