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Döbeln Unterschrift gefälscht: Gericht verurteilt Vermögensberater aus Hartha zu Geldstrafe
Region Döbeln Unterschrift gefälscht: Gericht verurteilt Vermögensberater aus Hartha zu Geldstrafe
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Wegen Urkundenfälschung verurteilte das Amtsgericht Döbeln einen Vermögensberater zu einer Geldstrafe. Quelle: Archiv
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Döbeln/Region Hartha

Hat ein Vermögensberater aus der Region Hartha Urkunden gefälscht, um einen Abschluss vorzugaukeln? Dieser Frage ging Richterin Magdalena Richter in einem Indizienprozess am Amtsgericht Döbeln nach, der sich über drei Verhandlungstage erstrecke. Sie hat nun eine Antwort gefunden: Jawohl, der Mittdreißiger hat die Unterschrift seiner Kundin nachgemacht. Die Richterin sprach den Mann daher der Urkundenfälschung schuldig und verhängte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 100 Euro. Verteidigeranwältin Carolin Greger kündigte bereits an, das Urteil anzufechten, es ist noch nicht rechtskräftig.

Geld für die Tonne

In manchen Gegenden Deutschlands ist die Grüne Tonne ein Gebinde für speziellen Müll, wie Verpackungen, Alufolien und Plastezeug. Bei einem großen deutschen Finanzdienstleister ist die Grüne Tonne dagegen ein Geldanlage-Produkt. Der Man aus der Region Hartha hat für ein deutsches Vermögensberatungsunternehmen unter anderem die Grüne Geldtonne vertrieben. Und auch andere Anlage-Produkte, wie Ultimosparen und Toppzins. „Ich wollte das Toppzins-Paket nicht. Da wäre ich für sieben Jahre an einen Vertrag gebunden gewesen. Wenn man in einem Monat kein Geld einbezahlt, wären die Zinsen für das ganze Jahr futsch gewesen. So habe ich es im Internet gelesen“, sagte die 35-Jährige Zeugin aus, deren Unterschrift der Finanzberater nach Ansicht des Gerichtes gefälscht hat. Außerdem brachte sie Emails und Kurznachrichten mit, die sie sich mit dem Vermögensberater geschrieben hatte. Schon dieser Schriftverkehr liefert einige Hinweise, die den Angeklagten belasten. Eine Kurznachricht von Ende Dezember 2015 zum Beispiel, in der sich der Angeklagte bei der Geschädigten entschuldigte. Sie hatte bemerkt, dass da Geld von ihrem Konto ging – für die Toppzins-Anlage, die sie nicht haben wollte. Auf den Unterlagen dazu entdeckte die Frau ihre Unterschrift. Laut Eingangsstempel der Zentrale der Vermögensberatung gingen die Urkunden Anfang Dezember 2015 dort ein. „Wieso hat er mich dann später immer wieder darauf hingewiesen, dass er meine Unterschrift braucht?“, sagte die Frau. Wohl gemerkt: Mit einiger Lauferei gelang es der Frau, das strittige Geschäft rückgängig zu machen und bekam dann auch ihr Geld zurück.

Verteidigerin fordert Freispruch

Der beauftragte Schriftgutachter kommt zu keinem 100-prozentigem Ergebnis. Aber immerhin sei es wahrscheinlich, dass die Unterschrift gefälscht ist. Das zog Verteidigeranwältin Greger in Zweifel. „Aus dem Gutachten kann nicht geschlussfolgert werden, dass eine Urkundenfälschung vorliegt“, sagte sie. Vielmehr habe die Geschädigte die strittige Unterschrift selbst geleistet, könne sich nur nicht mehr daran erinnern, weil sie die Produkte der Vermögensberatung nicht verstanden habe. Rechtsanwältin Greger beantragte Freispruch.

Staatsanwalt Thomas Fischer sah es dagegen als bewiesen an, dass der Angeklagte das Protokoll des Beratungsgespräches und den Antrag auf die Toppzins-Anlage mit der Unterschrift seiner Kundin versehen und sich damit der Urkundenfälschung strafbar gemacht hat. „Ich möchte so einen Job gar nicht machen. Das sage ich ganz ehrlich. Man steht ja als Vermögensberater unter Druck, einen gewissen Umsatz zu bringen und fortlaufend nachzuweisen, dass man seine Leistung bringt“, sagte der Staatsanwalt über ein mögliches Motiv des Angeklagten. Richterin Richter würdigte die Beweise, wie der Staatsanwalt. „Ich habe keine Zweifel, dass der Angeklagte die Unterschriften geleistet hat“, sagte sie.

Von Dirk Wurzel

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