Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Untreue mit Brautkleid? Waldheimerin kommt glimpflich davon
Region Döbeln Untreue mit Brautkleid? Waldheimerin kommt glimpflich davon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:29 13.08.2016
Geschäftliche Turbulenzen haben eine Waldheimerin Ende der Zwanzig auf die Anklagebank im Amtsgericht Döbeln gebracht. Aber hat sie wirklich mit Kommissionsware Schindluder getrieben, um sich zu bereichern? Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Waldheim/Döbeln

Untreue im Brautkleid ist wahrscheinlich ein schlechter Start in die Ehe. Aber strafbar ist das wohl eher nicht. Untreue mit einem Brautkleid kann dagegen schon strafbar sein, wie jetzt eine Endzwanzigerin aus Waldheim erfahren musste. Vorweg genommen: Die Frau schrammte im Prozess am Amtsgericht Döbeln knapp an Schuldspruch und Strafe vorbei.

Staatsanwältin Angelika Rickert legte der Deutschen Unterschlagung und Untreue zur Last. Sie habe in ihrem An- und Verkauf Brautkleider in Kommission genommen und in einem Fall das Kleid nicht verkauft, sondern für sich behalten (Unterschlagung) und das Kleid anderer Kundschaft zwar verkauft aber das Geld nicht ausgezahlt (Untreue). „Wir hatten großen Ausverkauf, die Leute haben unseren Laden gestürmt“, sagte die Angeklagte. In diesem Trubel könne das Kleid der einen Kundin unbeabsichtigt mitverkauft worden sein. Es war ein recht teures Stück, das neu über 1000 Euro gekostet hatte. Und das beim Ausverkauf wahrscheinlich wesentlich billiger wegging. Die anderen Kommissions-Kunden wollten 350 Euro haben – was ihnen die Endzwanzigerin schließlich bezahlte. Wenn auch etwas spät.

Weiser Vorschlag mit salomonischen Zügen

Das eine Kleid wohl verbummelt, für das andere zu spät gezahlt: „Wo bleiben da Zueignungsabsicht und Vermögensverfügung, mh?“, könnten Jura-Studenten nach dem Genuss eines Strafrechts-Seminars im ersten Semester keck fragen. Denn für die Unterschlagung muss sich jemand eine Sache aneignen, die ihm zwar nicht gehört, die er aber gerade in seinem Besitz hat. Wie etwa ein Brautkleid in einem An- und Verkauf, das dieser im Kundenauftrag verkaufen soll. Und die Untreue muss der Geschädigte, salopp gesagt, am Kontostand spüren. Zueignungsabsicht und Vermögensverfügung – wahrscheinlich hätte auch ein Rechtsanwalt in diese Kerbe schlagen, um die Frau zu verteidigen.

Einen Verteidiger hatte die Waldheimerin nicht. Brauchte sie auch nicht. Denn wie sich zeigte, hatte sie in Staatsanwältin Angelika Rickert die beste Verteidigerin, die es in diesem Moment gab. Die Anklagevertreterin setzte sich mit einem wahrhaft weisen Vorschlag mit salominischen Zügen durch, das Verfahren auf eine Weise zu beenden, die allen Seiten Vorteile bietet.

Einspruch erfolgreich: Junge Frau kommt besser weg

„Wir könnten doch das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung wegen geringer Schuld gegen die Auflage einstellen, dass die Angeklagte der Geschädigten 1000 Euro zahlt“, sagte Angelika Rickert. Für die Frau hätte des den Vorteil, dass sie ihr Geld beziehungsweise das Kleid nicht im Zivilprozess einfordern müsste. Und die Angeklagte würde ohne Urteil mit Schuldspruch in dieser Angelegenheit weiter als unschuldig gelten. Richterin Christa Weik stimmte dem Vorschlag schließlich zu und auch die Waldheimerin sagte, dass sie die 1000 Euro so schnell wie möglich in Raten bezahlen will. Arbeit hat sie ja und die Turbulenzen wegen des An- und Verkaufs hätten sich auch beruhigt.

Für die Ex-Brautmodenhändlerin hat die salomonische Entscheidung noch einen weiteren Vorteil. Sie hatte wegen der angeblichen Untreue und Unterschlagung mit Brautkleidern einen Strafbefehl kassiert, weil sie eine frühere Verhandlung in dieser Sache schwänzte. 1800 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze zu 30 Euro) sah dieses Urteil in Abwesenheit der Angeklagten vor. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt und kam nun besser weg.

Von Dirk Wurzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach eineinhalb Jahren als Vikar in den Evangelischen Kirchgemeinden Döbeln und Technitz-Ziegra und einem halben Jahr pädagogisches Vikariat im Raum Roßwein wird Philipp Pohle am Sonntag beim Gemeindefest in der Döbelner St. Jacobikirche feierlich verabschiedet. Mit Frau und Kind will er für ein Jahr das Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft ausprobieren.

12.08.2016

Die Roßweiner Geschwister-Scholl-Oberschule ist fast ausgelastet. Darüber informierte Schulleiter und Stadtrat Thomas Winter in der jüngsten Ratssitzung. Dennoch sei der Start ins neue Schuljahr so problemlos wie selten verlaufen. Winter kündigte zudem die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Schuljubiläum an, die für 17. September geplant sind.

12.08.2016

Eine 15-Jährige hat in Döbeln ein am Montag gestohlenes Auto entdeckt – dank Social Media. Sie war nach Angaben der Polizei in Chemnitz vom Freitag durch Facebook auf den Diebstahl aufmerksam geworden, wo auch ein Zeugenaufruf gepostet war.

12.08.2016
Anzeige