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Untreue mit Brautkleid? Waldheimerin kommt glimpflich davon

Prozess am Amtsgericht Untreue mit Brautkleid? Waldheimerin kommt glimpflich davon

Geschäftliche Turbulenzen haben eine Waldheimerin Ende auf die Anklagebank im Amtsgericht Döbeln gebracht. Aber hat sie wirklich mit Kommissionsware Schindluder getrieben, um sich zu bereichern?

Geschäftliche Turbulenzen haben eine Waldheimerin Ende der Zwanzig auf die Anklagebank im Amtsgericht Döbeln gebracht. Aber hat sie wirklich mit Kommissionsware Schindluder getrieben, um sich zu bereichern?

Quelle: dpa

Waldheim/Döbeln. Untreue im Brautkleid ist wahrscheinlich ein schlechter Start in die Ehe. Aber strafbar ist das wohl eher nicht. Untreue mit einem Brautkleid kann dagegen schon strafbar sein, wie jetzt eine Endzwanzigerin aus Waldheim erfahren musste. Vorweg genommen: Die Frau schrammte im Prozess am Amtsgericht Döbeln knapp an Schuldspruch und Strafe vorbei.

Staatsanwältin Angelika Rickert legte der Deutschen Unterschlagung und Untreue zur Last. Sie habe in ihrem An- und Verkauf Brautkleider in Kommission genommen und in einem Fall das Kleid nicht verkauft, sondern für sich behalten (Unterschlagung) und das Kleid anderer Kundschaft zwar verkauft aber das Geld nicht ausgezahlt (Untreue). „Wir hatten großen Ausverkauf, die Leute haben unseren Laden gestürmt“, sagte die Angeklagte. In diesem Trubel könne das Kleid der einen Kundin unbeabsichtigt mitverkauft worden sein. Es war ein recht teures Stück, das neu über 1000 Euro gekostet hatte. Und das beim Ausverkauf wahrscheinlich wesentlich billiger wegging. Die anderen Kommissions-Kunden wollten 350 Euro haben – was ihnen die Endzwanzigerin schließlich bezahlte. Wenn auch etwas spät.

Weiser Vorschlag mit salomonischen Zügen

Das eine Kleid wohl verbummelt, für das andere zu spät gezahlt: „Wo bleiben da Zueignungsabsicht und Vermögensverfügung, mh?“, könnten Jura-Studenten nach dem Genuss eines Strafrechts-Seminars im ersten Semester keck fragen. Denn für die Unterschlagung muss sich jemand eine Sache aneignen, die ihm zwar nicht gehört, die er aber gerade in seinem Besitz hat. Wie etwa ein Brautkleid in einem An- und Verkauf, das dieser im Kundenauftrag verkaufen soll. Und die Untreue muss der Geschädigte, salopp gesagt, am Kontostand spüren. Zueignungsabsicht und Vermögensverfügung – wahrscheinlich hätte auch ein Rechtsanwalt in diese Kerbe schlagen, um die Frau zu verteidigen.

Einen Verteidiger hatte die Waldheimerin nicht. Brauchte sie auch nicht. Denn wie sich zeigte, hatte sie in Staatsanwältin Angelika Rickert die beste Verteidigerin, die es in diesem Moment gab. Die Anklagevertreterin setzte sich mit einem wahrhaft weisen Vorschlag mit salominischen Zügen durch, das Verfahren auf eine Weise zu beenden, die allen Seiten Vorteile bietet.

Einspruch erfolgreich: Junge Frau kommt besser weg

„Wir könnten doch das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung wegen geringer Schuld gegen die Auflage einstellen, dass die Angeklagte der Geschädigten 1000 Euro zahlt“, sagte Angelika Rickert. Für die Frau hätte des den Vorteil, dass sie ihr Geld beziehungsweise das Kleid nicht im Zivilprozess einfordern müsste. Und die Angeklagte würde ohne Urteil mit Schuldspruch in dieser Angelegenheit weiter als unschuldig gelten. Richterin Christa Weik stimmte dem Vorschlag schließlich zu und auch die Waldheimerin sagte, dass sie die 1000 Euro so schnell wie möglich in Raten bezahlen will. Arbeit hat sie ja und die Turbulenzen wegen des An- und Verkaufs hätten sich auch beruhigt.

Für die Ex-Brautmodenhändlerin hat die salomonische Entscheidung noch einen weiteren Vorteil. Sie hatte wegen der angeblichen Untreue und Unterschlagung mit Brautkleidern einen Strafbefehl kassiert, weil sie eine frühere Verhandlung in dieser Sache schwänzte. 1800 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze zu 30 Euro) sah dieses Urteil in Abwesenheit der Angeklagten vor. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt und kam nun besser weg.

Von Dirk Wurzel

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