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Verbot für Tagesmutter: Eltern wehren sich

Verbot für Tagesmutter: Eltern wehren sich

Der Döbelner Tagesmutter Brigitte Christ wurde durch das Landratsamt die Betreuungserlaubnis entzogen. Bei zwei Kontrollen war bei ihr jeweils ein Kind zu viel festgestellt worden (DAZ berichtete).

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Döbeln. Die drängendste Frage: Was ist mit einer Betreuung nach 17 Uhr? Doch die Eltern wollen auch wissen, ob das strenge Eingreifen des Jugendamtes tatsächlich alternativlos war, ob sich die Mitarbeiterinnen der Konsequenzen für die Familien tatsächlich bewusst waren und welche Möglichkeiten bestehen, dass Brigitte Christ wieder Kinder aufnehmen darf.

"Seien sie doch mal menschlich!", sagte eine betroffene Mutter am Freitag zu den Mitarbeiterinnen des Jugendamtes, die den Entzug der Betreuungserlaubnis veranlasst hatten. Dann brach die Mutter in Tränen aus. Für viele der betroffenen Eltern steht und fällt ihr Job mit der Tagesmutter, also das Familieneinkommen. "Für mich bedeutet die Situation: Arbeit weg, Hartz IV, Wohnung weg, Ortswechsel", erklärt ein alleinerziehender Vater verbittert. Immer wieder ist von den Müttern und Vätern der Vorwurf zu hören, dass in den Kindertagesstätten das vorgeschriebene Verhältnis Erzieher zu Kindern oft auch nicht eingehalten wird. "Das liegt nicht in unserer Zuständigkeit, darum muss sich das Landesjugendamt kümmern", erklärt daraufhin eine Mitarbeiterin des Kreisjugendamtes.

Im konkreten Fall Christ sieht das Landratsamt (LRA) eine Verantwortung. "Wir sind die Aufsichtsbehörde. Das Landratsamt hat hier keine Alternative gesehen und darf hier auch keinen Ermessensspielraum zulassen", sagt LRA-Pressesprecher André Kaiser. Er verweist darauf, dass die Höchstzahl der von Tagesmüttern zu betreuenden Kinder gesetzlich geregelt ist. "Der Gesetzgeber hat für Sachsen ausdrücklich ausgeschlossen, dass Kindertagespflege- personen mehr als fünf fremde Kinder gleichzeitig betreuen dürfen", so Kaiser. Ab dem sechsten Kind sei eine Betriebserlaubnis des Landesjugendamtes erforderlich.

Der schriftliche Bescheid des Erlaubnisentzuges soll Brigitte Christ spätestens heute zugehen. Sie kann dagegen Rechtsmittel einlegen. Kaiser: "Wenn uns ein Widerspruch vorliegt, wird dieser zügig bearbeitet. Aber genaue Zeiten können wir nicht nennen." Die Entscheidung über ein Bußgeld für Christ werde parallel getroffen.

Laut LRA-Sprecher konnten inzwischen alternative Betreuungsangebote gefunden werden. Aber: "Akut ist die Zeit nach 17 Uhr. Dafür gibt es noch keine Lösung." Das bestätigt Elternsprecher Thomas May: "In der Zeit nach 17 Uhr, also worauf es uns vor allem ankommt, hängen wir nach wie vor in der Luft."

Von der Stadtverwaltung Döbeln möchte den Entzug der Betreuungserlaubnis niemand kommentieren. Die Stadt sei auch nicht in die Gespräche zwischen Landratsamt und Eltern einbezogen gewesen, sondern nur telefonisch informiert worden. Trotzdem habe Döbeln kurzfristig die Betreuung von zwei Kindern während der regulären Öffnungszeiten in einer städtischen Kita klären können. "Für ein weiteres Kind prüft die Kita St. Florian die Unterbringung", sagt Thomas Mettcher, Pressesprecher der Stadt.

Im Rathaus sei man zudem der Auffassung, dass Betreuungszeiten nach 17 Uhr durch private Angebote abdeckt werden sollten. Mettcher: "Umfragen in allen Döbelner Kitas haben ergeben, dass kein Überbetreuungsbedarf besteht, der die Öffnung einer Einrichtung nach 17 Uhr rechtfertigt." Brigitte Christ hat andere Erfahrungen gesammelt: "Private Tagesmütter wie mich könnte es in der Stadt noch mindestens zwei geben." Olaf Büchel

-Kommentar

 

 

 

 

Zum Beitrag "Jugendamt reagiert rigoros - Eltern hängen in der Luft" vom 20. April 2013:

"Ich möchte besonders betonen, dass zu keiner Zeit eine akute Kindeswohlgefährdung bestand, so dass aus unserer Sicht keinesfalls die Notwendigkeit eines sofortigen Entzuges der Betreuungserlaubnis bestand. Wäre es denn völlig unmöglich gewesen, wenigstens eine Übergangszeit zu genehmigen, in der in Ruhe eine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden werden kann? Hat das Jugendamt da tatsächlich keinen Ermessensspielraum?... In wie vielen Tagesstätten kommt es stundenweise auch dazu, dass Erzieherinnen mehr Kinder beaufsichtigen, als erlaubt? Werden alle Einrichtungen auf Einhaltung des Betreuungsschlüssels so hartnäckig überprüft, wie die von Frau Christ? Unser Kind kann ab Montag zwar eine andere Einrichtung besuchen. Doch so kurzfristig können wir keinen Urlaub für eine Eingewöhnung nehmen. Wie es das Kind verkraftet, werde ich wohl erst noch herausfinden müssen, da unsere Tochter erst knapp zwei Jahre alt ist. Frau Christ entspricht dem Ideal einer Tagesmutti und die einfache Tatsache, dass sie ein Kind mehr betreut hat, darf in einem Rechtsstaat kein Grund für ein Berufsverbot sein." Peggy Berger, Döbeln

"Meine Situation ist folgende: Ich bin alleinerziehender Vater eines fünfjährigen Jungen, der nicht gerade einfach ist und intensive Betreuung braucht. Ich arbeite bei einem Umzugsunternehmen mit unregelmäßige Arbeitszeiten. Das heißt, ich bin auf eine Betreuung meines Sohnes nach den Öffnungszeiten der öffentlichen Kindertagesstätten angewiesen. Ich habe ein Dreivierteljahr gebraucht, um das alles mit dem Job und der Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen, was nun mit einem Schlag kaputt gemacht wird. Nicht nur mein beruflicher Werdegang, sondern auch die Zukunft meines Kindes ist auf Grund des Hin- und Hergeschiebes gefährdet. Das Jugendamt hat verantwortungslos nicht nur den Eltern, sondern vor allem den Kindern gegenüber gehandelt."

Sebastian Münch, Döbeln

 

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