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Döbeln Vermeintliche Betrügerin ist selbst Opfer
Region Döbeln Vermeintliche Betrügerin ist selbst Opfer
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13:15 26.04.2018
Eine Frau griff auf das Konto einer Lampenfirma in Hartha. Aber hat sie sich überhaupt strafbar gemacht? Quelle: dpa
Hartha/Döbeln

Schließlich muss sie noch Geld mitbringen, damit sie nichts verdient hat. Klingt komisch, ist aber so. Neun Monate arbeitete eine Frau bei einer Lampenfirma in Hartha ohne Bezahlung. Dann kündigt ihr der Betrieb, lässt ihr aber die Verfügungsgewalt über das Firmenkonto. Sie überweist sich in mehreren Tranchen 5800 Euro, darunter ihren Arbeitslohn. Darauf hat sie zwar Anspruch, darf sich das Geld aber nicht selbst überweisen. Sie hat sich nämlich im Insolvenzverfahren schön mit anzustellen in der Schlage der Gläubiger. Schließlich einigt man sich vorm Arbeitsgericht auf einen Vergleich. Die Frau zahlt 3000 Euro an den Insolvenzverwalter. Am Ende muss sie also Geld mitbringen, damit sie nichts verdient hat – sinnbildlich gesprochen. Dazu kommt noch der Ärger mit der Strafjustiz.

Staatsanwaltschaft klagt Computerbetrug an

Finanziell war es 2016 zappenduster beim Harthaer Lampenhersteller. Diesen Schluss lässt die Aussage des ehemaligen Geschäftsführers der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft im Strafprozess gegen die ehemalige Mitarbeiterin zu. Die Staatsanwaltschaft hat sie wegen der Überweisungen des Computerbetruges vorm Strafrichter am Amtsgericht Döbeln angeklagt. Sie hat dafür die Zugangsdaten für Bank-Dienstleistungen im Internet genutzt. Diese hatte sie auch nach Kündigung behalten.

Prinzip Hoffnung: Bezahlung erst bei Großauftrag

„Sie hat sich danach noch um unsere Buchhaltung gekümmert“, sagte der Geschäftsführer vor Gericht. Und auch, dass die Frau neun Monate ohne Lohn gearbeitet hatte, weil sich der Betrieb den nicht leisten konnte. Man habe das so vereinbart und sich auf eine Nachzahlung geeinigt, wenn der Großauftrag käme. „Das war halt unser Risiko“, sagte der 61-Jährige. Er musste auch einräumen, dass die ehemalige Assistentin der Geschäftsführung die Krankenkassenbeiträge eines Außendienstmitarbeiters vom eigenen Geld vorgeschossen hatte – weil der Mann klamm war und die Firma auch nicht zahlen konnte. Die Aufträge – man hoffte auf gute Geschäfte mit LED-Straßenlampen für Kommunen – ließen auf sich warten. Am 23. März 2017 eröffnete das Amtsgericht Chemnitz das Insolvenzverfahren.

Frau hat Anspruch auf Lohn

„Meine Mandantin ist Geschädigte, sie hat neun Monate umsonst gearbeitet. Die einzige Straftat ist der Eingehungsbetrug, durch den meine Mandantin ohne Bezahlung dort arbeitete “, griff Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich wortgewaltig dem Plädoyer vorweg. Aber auch Richter Janko Ehrlich hatte vor dem Urteil seine Skepsis zum Ausdruck gebracht, dass sich Martin Göddenhenrichs Mandantin „einen rechtswidrigen Vermögensvorteil“ verschafft und sich dadurch des Computerbetruges strafbar gemacht hat. „Es war ihr Lohn, da hatte sie Anspruch drauf“, sagte der Richter.

Richter sieht keine Straftat

Er sollte die Frau schließlich freisprechen. So hatten es Amtsanwalt Paul Gräfe, der die Anklage vertrat, und Verteidiger Göddenhenrich beantragt. „Ein Computerbetrug ist es nicht, sie durfte auch nach der Kündigung über das Konto verfügen“, begründete Richter Ehrlich das Urteil. Für eine Untreue fehlte ihm das „besondere Treueverhältnis“, mit dem die Frau über das Vermögen der Firma hätte wachen müssen. Wo es dieses Verhältnis nicht gibt, kann man es auch nicht brechen und damit Strafgesetze verletzen.

Von Dirk Wurzel

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