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Döbeln Wenn fürs Bestatten niemand zahlen will
Region Döbeln Wenn fürs Bestatten niemand zahlen will
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19:32 05.10.2018
Den letzten Gruß hinterlassen Angehörige auf einem Grabstein – doch wenn kein bestattungspflichtiger Verwandter ermittelt werden kann, muss die Kommune bestatten. Quelle: picture alliance / dpa
Leisnig

„Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Fälle, in denen sich die Stadt um die Beerdigung Verstorbener ohne Angehörige kümmert.“ Andrea Graupner, Kämmerin von Leisnig in Mittelsachsen, sagt: Das dafür im Stadthaushalt eingestellte Budget ist um 25 000 Euro überzogen.

Immer ein trauriges Einzelschicksal

Uwe Dietrich vom Ordnungsamt bestätigt etwa 30 bis 40 Vorgänge pro Jahr. Manchmal sind bestattungspflichtige
Verwandte schwer oder gar nicht zu finden – „in jedem Fall ein trauriges Einzelschicksal.“ Eine aus seiner Sicht würdevolle Bestattung, wie Leisnig sie organisiert, koste etwa 2000 Euro: Eine Urnenbeisetzung auf dem Friedhof in Leisnig oder Döbeln. Neben den für die Bestattung aufzubringenden Kosten wachse mit der Anzahl der Fälle der Aufwand bei der Suche nach bestattungspflichtigen Angehörigen. Thomas Schröder, Leiter vom Bau- und Ordnungsamt, sagt: „Vom Zeitaufwand müsste die Stadt dafür eine Vollzeitkraft beschäftigen.“

Manchmal reicht Geld aus dem Nachlass

Während Dietrichs Urlaubsabwesenheit muss nach einem Todesfall die Stadt aktiv werden. Amtsleiter Schröder bekommt die Aufgabe auf den Tisch. Ein Verstorbener kommt wegen Abstimmungsproblemen mit verschiedenen Beteiligten für Wochen nicht unter die Erde. Erst spät werden Geschwister ausfindig gemacht. Der mittlerweile erledigte Fall bringt die Frage auf: Muss oder kann die Stadt Leisnig das immer wieder übernehmen, nur weil jemand auf ihrem Territorium stirbt? Das muss die Stadt gar nicht in jedem Fall, schildert Dietrich, denn nicht alle der Verstorbenen seien mittellos. Ihr Nachlass decke manchmal die Bestattungskosten. Doch bis dahin vergeht Zeit.

Zahlen auch für den unbekannten Vater

Vieles ist zu klären: Bestattungspflichtig sind Erben beziehungsweise Blutsverwandte – selbst dann, wenn es gar nichts zu erben gibt. Und auch dann, wenn jemand zum Beispiel seinen biologischen Vater niemals kennen gelernt hat.

Verwandte wollen Bestattungspflicht einfach ablehnen

Dietrich weiß um die vielfältigen Verwicklungen rund um Todesfälle, wo sich selbst Blutsverwandte ihrer Bestattungspflicht nicht bewusst sind oder diese kategorisch abzulehnen versuchen. „Über dieses Thema sollte man lieber nicht in der Öffentlichkeit streiten.“

Nach einer Woche bestatten oder einäschern

Die Kommune ist in einer Zwickmühle: Die Suche nach bestattungspflichtigen Angehörigen kann dauern. Jedoch regelt das Bestattungsgesetz: Innerhalb einer Woche muss ein Verstorbener bestattet beziehungsweise eingeäschert sein. Lediglich nach einer Einäscherung darf ein halbes Jahr bis zur Beisetzung vergehen – etwas Aufschub für eine Kommune auf der Suche nach Angehörigen. Für Dietrich erscheint in strittigen Fällen die Einäscherung als praktikabelstes Mittel.

Kommune vom letzten Wohnsitz heranziehen

In Leisnig Verstorbene ohne bestattungspflichtige Angehörige werden entweder auf dem Leisniger Friedhof oder in Döbeln beigesetzt. Dietrich legt Wert auf die Namensgebung der Grabstätte – anders als auf einem Rasenfriedhof wie in Zschadraß. Er würde es gutheißen, wenn die Stadt für diese Fälle eine Grabanlage auf dem Leisniger Friedhof kaufen würde, wo diese Dinge so komplikationslos wie möglich gelöst werden könnten.

Können nicht generell verantwortlich sein

Wegen der Kostenübernahme sucht die Stadt dennoch nach Angehörigen. Existieren keine, würde Amtsleiter Schröder am liebsten die Kommune vom letzten Wohnsitz heranziehen: „Es kann nicht sein, dass Leisnig die generelle Verantwortlichkeit und die Kosten für die Beisetzung übernimmt, nur weil wir hier das Krankenhaus und nun auch das Hospiz haben. “

Laut Polizeigesetz öffentlicher Notstand

Das Gesetz hat er nicht auf seiner Seite. Kann ein Verstorbener nicht innerhalb der Bestattungsgesetz-Fristen beigesetzt werden, tritt der„öffentliche Notstand“ ein. Dann greift das Polizeigesetz. Es besagt: Die Kommunalverwaltung vom Sterbeort muss bestatten.

In einer Stadt wie Leisnig mit Krankenhaus inklusive Rettungsstelle sowie Hospiz gibt es demnach mehr zu tun als in Kommunen ohne diese Einrichtungen. Uwe Dietrich sagt: „Von diesen Einrichtungen hat unsere Stadt sehr viel Gutes. Ob wir uns wegen dieser zu bestattenden Verstorbenen nun benachteiligt fühlen müssen – das sollte man sich zumindest überlegen.“

Von Steffi Robak

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