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Versuchte Erpressung in Döbeln: Freispruch für die Frau – Geldstrafe für den Mann

Amtsgericht Döbeln Versuchte Erpressung in Döbeln: Freispruch für die Frau – Geldstrafe für den Mann

Hat ein Ehepaar einen Döbelner versucht zu erpressen? Seit Ende Juli beschäftigte das Amtsgericht diese Frage. 500 Euro sollte der Mann zahlen, damit die Eheleute auf eine Anzeige wegen Vergewaltigung verzichten, sagt die Anklage. Mit einem Schuld- und einem Freispruch endete am Freitag der Prozess.

Um Erpressung geht es in einem Prozess am Amtsgericht Döbeln. Hat ein Ehepaar versucht, von einen 54-jährigen Döbelner mit dem Wissen um eine Vergewaltigung 500 Euro zu erpressen, die der Mann vor zehn Jahren begangen haben soll?

Quelle: dpa

Döbeln. Im Prozess um die versuchte Erpressung eines Döbelners ist am Amtsgericht Döbeln am Freitag das Urteil gefallen. Strafrichterin Christa Weik sprach einen gebürtigen Leisniger der versuchten Erpressung schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen á 25 Euro. Seine mitangeklagte Ehefrau sprach die Richterin frei. Dem 38-Jährigen und seiner 27-jährigen Partnerin lag zur Last, Anfang Januar dieses Jahres einen 54-Jährigen mit einer Anzeige wegen Vergewaltigung gedroht zu haben, wenn er nicht 500 Euro an das Paar bezahlt .

Männliche Stimmer verlangt 500 Euro

„Sie waren der einzige Mann im Raum“, sagte die Richterin, als sie das Urteil begründete. Der Geschädigte und seine Frau hatten übereinstimmend ausgesagt, dass es mehrere Anrufe gab. Einige davon hörte die Frau mit. „Eine Frauenstimme sagte: die Vergangenheit holt Dich ein. Mein Mann fragte nach und bekam zur Antwort: Das weißt Du ganz genau. Bei einem erneuten Gespräch sagte eine männliche Stimme von hinten, wir sollen 500 Euro zahlen und die Sache ist erledigt“, berichtete die Zeugin. Das Paar zahlte nicht, sondern schaltete die Polizei ein. Weitere Telefonate zeichnete der 54-Jährige auf. In diesen Gesprächen war dann allerdings keine Rede mehr von 500 Euro. Im Gegenteil. Der Mann tat recht verwundert, als ihn der 54-Jährige darauf ansprach. Das belegen die Abschriften der Aufnahmen, die Richterin Weik am ersten Prozesstag in die öffentliche Hauptverhandlung einführte.

Rücktritt vom Versuch?

„Eigentlich könnte daraus man einen freiwilligen Rücktritt vom Versuch schlussfolgern. Aber weil Sie den Tatvorwurf bestritten haben, wird das schwierig“, sagte Richterin Weik. Wenn es dem 38-Jährigen gelingt, das Berufungsgericht davon zu überzeugen, könnte er in der zweiten Instanz ebenfalls einen Freispruch hören. Denn nicht bestraft wird, „wer freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt oder deren Vollendung verhindert“, ist im Strafgesetzbuch zu lesen. Allerdings müsste er einräumen, dass er tatsächlich erstmal 500 Euro vom Geschädigten haben wollte, dann aber davon Abstand nahm. Richtig gut könnte ihm diese Problematik eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt erklären.

„Ich finde es ungerecht. Nur weil er vorbestraft ist“, kommentierte die 27-Jährige in ihrem letzten Wort den Antrag des Staatsanwalts, der die 40-Tagessätze-Geldstrafe für den Mann beantragt hatte. Vorbestraft ist der 38-Jährige unter anderem wegen Diebstahls. Allerdings hat er einen Beruf gelernt und ist berufstätig, wie auch seine Frau. Das Paar lebt nicht mehr in der Region Döbeln.

Ermittlungsverfahren eingestellt

Der Frau ging es nicht um Geld. „Sie wollte eine Klärung“, begründete die Richterin ihren Freispruch. Vor zehn Jahren soll der Döbelner die damals 17-Jährige in einem Dorf bei Döbeln vergewaltigt haben. Das entsprechende Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft mangels Tatverdachts eingestellt. Auch deshalb, weil die Frau nicht zur Zeugenvernehmung bei der Polizei ging, wie jetzt im Prozess zu hören war.

Von Dirk Wurzel

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