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Döbeln Verteidiger zerschießt Anklage gegen 29-Jährigen
Region Döbeln Verteidiger zerschießt Anklage gegen 29-Jährigen
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17:00 14.01.2016
Das Amtsgericht Döbeln. Quelle: Wolfgang Sens
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Leisnig/Döbeln

Markige Worte von Verteidigern hören Richter oft. So auch am Donnerstag im Amtsgericht Döbeln. „Selbst bei pessimistischer und kritischer Herangehensweise ist diese Anklage sehr abenteuerlich“, sagte Rechtsanwalt Andre Schuster in einem Prozess bei Strafrichterin Marion Zöllner. Er verteidigte einen 29-Jährigen Leisniger, der im August 2014 in einer Leisniger Firma mehrere Kompressoren, einen Druckkessel und einen Wärmetauscher gestohlen haben soll, alles großes Zeug also, das man sich nicht mal so nebenbei in die Hosentasche stecken kann. Der junge Mann war Mitarbeiter des Betriebes und habe die 11 000 Euro teure Beute aus einem Lager entwendet, dessen Schlüssel er nicht abgegeben hatte, als er aus dem Unternehmen ausgeschieden war. Bei einem Schuldspruch hätten ihm bis zu zwei Jahren Haft gedroht.

Scharfe Pfeile gegen Staatsanwaltschaft

Rechtsanwalt Schuster rammte gleich zu Beginn mehrere fette Pflöcke ein, um die sich die weitere Beweisaufnahme ranken sollte. Und vorweggenommen: Der Anwalt sollte dies mit Erfolg getan haben. Sein Mandant habe für den Schlüssel nicht unterschrieben, zu diesem hätten noch weitere Mitarbeiter Zugang gehabt. Auch zu dem Lager hatten noch andere den Schlüssel, was den Täterkreis erweiterte. Der am Tatort gefundene Schuhabdruck stammt von Schuhen, die Millionen Menschen tragen.

Die Aussagen der geladenen Zeugen – es handelte sich um Mitarbeiter des bestohlenen Betriebes – stützten im Wesentlichen das, was Andre Schuster bereits zu Beginn ins Feld geführt hatte: Der mögliche Täterkreis ist größer, als gedacht, der Umgang mit dem Schlüssel für den Angeklagten war etwas schludrig und eigentlich hätte einer alleine das schwere Diebesgut gar nicht abtransportieren können. Außerdem war die Firma schon öfter von Diebstählen betroffen, die man dem Angeklagten nicht zuordnen konnte. In seinem Schlussvortrag schoss der Verteidiger verbal scharfe Pfeile gegen die Staatsanwaltschaft ab. „Wenn jemand in der freien Wirtschaft so arbeiten würde, würde er mindestens eine Abmahnung kriegen, wenn nicht gar seinen Arbeitsplatz verlieren“, sagte er mit Blick auf die Staatsanwältin, die die Anklage geschrieben hatte. Vor Gericht präsentierte diese einer ihrer Kollegen als Sitzungsvertreter. „Eigentlich hätte man die Akte schließen müssen. Bei der Aussage des Schuhabdruck-Gutachtens, eine Übereinstimmung sei nicht auszuschließen, geht der Beweiswert gen null. So hatte mein Mandant Belastungen durch das Verfahren und die Allgemeinheit ist dadurch belastet, dass die Kosten bei einem Freispruch die Staatskasse trägt“, so Rechtsanwalt Schuster, der im Einklang mit Staatsanwalt Schönfeld Freispruch beantragte.

Auch Richterin kritisiert Ermittlungen

Richterin Zöllner sprach den 29-Jährigen frei – nicht ohne auf die Unzulänglichkeiten der Ermittlungen einzugehen. „Die Polizei hatte sich relativ früh auf Sie eingeschossen“, sagte sie zu dem jungen Mann. Auch kritisierte sie den langen Zeitraum, der zwischen Diebstahl und Durchsuchung beim vermeintlichen Täter lag, immerhin ein dreiviertel Jahr. „Hier ist einiges nicht so gelaufen, wie man sich vorstellt. Möglicherweise hätte die Polizei ermitteln sollen, dass mehrere Personen einen Schlüssel für das Lager hatten“, sagte Richterin Zöllner. Die Kosten für der Verfahren und die des Freigesprochenen trägt die Staatskasse, aus der dann natürlich auch sein Rechtsanwalt bezahlt wird.

Von Dirk Wurzel

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