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Döbeln Vom Asylheim ins Krankenhaus
Region Döbeln Vom Asylheim ins Krankenhaus
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18:42 05.10.2017
Noor Wasil Noori (rechts), hier mit Schwester Heidi Andrä, absolviert am Helios-Klinikum ein Praktikum. Mit den Patienten wie Dietmar Zache kommt er gut zurecht. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Für den 18-jährigen Noor Wasil Noori ist dieses Praktikum am Helios-Klinikum mit einem konkreten Berufswunsch verbunden. Er möchte sich zum Gesundheits- und Krankenpfleger ausbilden lassen. Der junge Mann weiß, dass sein Weg weit sein wird. Momentan absolviert er ein berufsvorbereitendes Jahr an der Berufsschule Döbeln. An dessen Ende hat er zunächst einen in Deutschland anerkannten Hauptschulabschluss in der Tasche. Aber er will und braucht wesentlich mehr.

Ziel: Weitere Schulabschlüsse

Für sein Ausbildungsziel muss er jedoch die mittlere Reife vorweisen, also den Abschluss der zehnten Klasse. Das Helios-Klinikum ist für ihn eine Station auf dem Weg dort hin. „Wir setzen die jungen Leute in der Pflege der Patienten wie eine Hilfskraft ein“, erläutert Pflegedienstleiterin Ute Reichel. Es sind einfache, wenn auch körperlich durchaus nicht immer leichte Arbeiten, zum Beispiel, wenn Bettzeug gewechselt werden muss.

Noori – der junge Helfer lässt sich beim Familiennamen nennen – geht aufmerksam und vorsichtig mit den Patienten um, schaut sich bei den Pflegekräften die korrekten Handgriffe ab. Reichel: „Ihn haben wir schon Blutdruck messen lassen. Er hat sich darüber gefreut und ist sehr gewissenhaft.“

Keine Grenzen, wenn man etwas mit dem Herzen tut

Etwaige Berührungsängste mit den Patienten habe er nicht, sagt er, auch seine Religion setze ihm für diese Arbeit keine Grenzen: „Wenn man etwas mit dem Herzen tut, und das auch will, dann gibt es diese Grenzen nicht“, sagt er. Der junge Mann, der als unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber nach Deutschland kam, unterstand zunächst dem Jugendschutzgesetz, lebte bis zur Vollendung seines 18. Lebensjahres in einer Jugendwohngruppe.

Schwieriger Übergang ins Asylheim

Nun wohnt er im Asylbewerberheim. Der Wechsel war schwer für ihn, lässt er durchblicken. Während in den Wohngruppen darauf geachtet wird, dass die Jugendlichen beispielsweise der Schulpflicht nachkommen, sind sie in den Heimen auf sich gestellt. Mit den zwei Bewohnern in seinem Zimmer verstehe er sich, sagt Noori. Mit einigen Bewohnern aus den anderen Etagen des Heimes sei es teils schwierig. Dass zum Beispiel Gleichaltrige nicht wie vorgeschrieben die Schule besuchen, findet Noori bedenklich. Auch bleiben sie teils nachts lange auf, es ist laut im Heim. Er selbst möchte aber am nächsten Tag fit sein, für Schule sowie Arbeit.

Schon in der Praxis des Onkels gearbeitet

Nicht zum ersten Mal arbeitet er in einem Krankenhaus, absolvierte bereits ein Pflegepraktikum in Chemnitz. Er kennt dies aus seiner Heimat Afghanistan: Ein Onkel von ihm war Arzt, arbeitete in der Region um Jalalabad den halben Tag in einer Klinik, die andere Hälfte des Tages behandelte er privat Patienten. Noori half bereits als Jugendlicher, hat den sprichwörtlichen Staub gewischt. Er hielt die Praxis seines Onkels sauber, führte die Patientenkartei.

Familie entschied: Er muss gehen

Mediziner zu werden war schon immer sein Berufswunsch. Seine gymnasiale Ausbildung daheim musste er jedoch in der neunten Klasse abbrechen – wegen des Krieges. Damit hat er nun überhaupt keinen hier anerkannten Schulabschluss. Die Familie entschied, dass er als Ältester von drei Geschwistern das Land verlassen muss: In der Auseinandersetzung zwischen Kämpfern vom Islamischen Staat und den Taliban zwingen Letztere die jungen Männer in den Krieg, ganz gleich, wie alt sie sind. Noori: „Wir hatten Angst, dass sie mich holen.“

Gefährliche Konstellation daheim

Zudem sei sein Vater angestellt gewesen bei der afghanischen Regierung und als Lehrer für die amerikanische Armee tätig – für die Familie eine gefährliche Konstellation. Seit einem Jahr habe Noori keinen Kontakt: „Den Anschluss mit unserer Telefonnummer gibt es nicht mehr.“ Sein Aufenthalt in Deutschland ist auf drei Jahre begrenzt, und sie laufen bereits. In der Zeit möchte er beruflich beziehungsweise schulisch so weit wie möglich kommen. Großes Ziel wäre ein Medizinstudium, doch der 18-Jährige sagt: „Wenn ich so weit nicht komme, ist es nicht schlimm. Ich gehe auch als Pfleger arbeiten. Aber vom Staat Geld nehmen zu müssen – das möchte ich nicht.“

Von Steffi Robak

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