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Vom Nähkästchen zum achteckigen Dachstuhl

Handwerk Vom Nähkästchen zum achteckigen Dachstuhl

Die Zimmerei Kämpfer aus Roßwein feiert 30-jähriges Bestehen. Dabei stimmt der Name nicht mehr. Mit dem Jubiliäum erfolgte Anfang des Jahres die Umbenennung des Handwerksbetriebes in Uwe Leeser. Dieser übernahm die Firma schon vor 17 Jahren. Der richtige Zeitpunkt für den Namenswechsel ist jetzt gekommen.

Der Zimmerermeister Uwe Leeser (51) und sein Stiefvater Günter Kämpfer (74).

Quelle: privat

Rosswein. Die Zimmerei Kämpfer aus Roßwein feiert 30-jähriges Bestehen. Dabei stimmt der Name mittlerweile nicht mehr. Mit dem Jubiliäum erfolgte Anfang des Jahres auch die Umbenennung des Handwerksbetriebes in Uwe Leeser. Dieser übernahm von seinem Stiefvater Günter Kämpfer die Firma schon vor 17 Jahren. Der richtige Zeitpunkt für den Namenswechsel ist jetzt gekommen.

Die beiden Männer, 74 und 51 Jahre alt, sitzen zusammen im Büro an der Äußeren Wehrstraße. Der Firmeninhaber hat eine anstrengende Woche hinter sich. Bei dieser Witterung gibt es keinen Winter auf den Hausbaustellen. Die Eigenheime, die wie Pilze aus dem Boden schießen, warten auf ihre Dachstühle. Auf dem Schreibtisch stapeln sich die Rechnungen, die noch verschickt werden müssen. Der Senior darf sich da zurücklehnen und in Erinnerungen schwelgen. Er schuftete früher.

Günter Kämpfer brauchte mehrere Anläufe, bis er 1985, vier Tage vor Weihnachten, den Gewerbeschein in den Händen hielt. Der gelernte Zimmermann und studierte Bauingenieur machte sich „aus der Not heraus“ selbstständig. „Als Ingenieur und Bauleiter sei er damals in der DDR aus ideologischen Gründen nicht mehr tragbar gewesen“, erzählt Kämpfer. Doch auch der Start mit der neuen, eigenen Firma war Anfang 1986 alles andere als einfach. In einer Doppelgarage entstand die Werkstatt. „Wir bekamen die Auflage vom Kreisbauamt, nur im Treppenbau tätig zu sein. Das ging aber anfangs gar nicht, weil die Zimmerei dafür nicht ausreichend trockenes Holz zur Verfügung hatte.“ So hielt sich Kämpfer mit Ladenbau über Wasser. Die mitarbeitende Ehefrau baute Spezialpaletten oder aus Kleinholzteilen Nähkästchen für den Export in die Sowjetunion.

Dann lief der Treppenbau an – und wie: 30 bis 40 Treppen im Jahr fertigte die Zimmerei Kämpfer für Privatkunden und baute sie in deren Häuser ein. „Die Auftragsbücher waren auf drei Jahre im Voraus gefüllt. Und die Leute haben schon im Voraus bezahlt“, verweist Günter Kämpfer auf die Unterschiede zu heute.

Uwe Leeser, der aus dem Stahlbau kommt und Facharbeiter für Schweißtechnik gelernt hat, steigt mit der Wende in die Firma des Stiefvaters ein. „So bin ich 1990 vom Leipziger zum Roßweiner geworden“, sagt der 51-Jährige. Fünf Jahre lang arbeitet Leeser als Zimmerergeselle. Zwischenzeitlich wird am Firmensitz angebaut, eine größere Werkstatt, Büro und Wohnungen entstehen. Dann kann er von 1994 bis 97 die Meisterschule besuchen und schließt diese mit dem Meisterbrief ab. Treppenbau ist da schon lange nicht mehr. „Die Westfirmen haben uns qualitativ, finanziell und im Marketing schnell überrollt“, schildert Günter Kämpfer. Um den Betrieb halten zu können, schwenken die beiden Zimmermänner um auf Dachstühle und Fachwerkbau.

Große und besondere Aufträge zieht Kämpfer an Land. Dazu gehören das kirchliche Gemeindezentrum in Coswig, wo die Zimmerei an Mitteldeutschlands einzigem unregelmäßigen, achteckigen Kirchenbau mitwirkt. Eines der letzten größeren Objekte ist der Neubau des Berufsschulzentrums in Döbeln. Ende 1998 scheidet Günter Kämpfer aus, Uwe Leeser kauft und übernimmt den Betrieb. Mit der Wachs Bauunternehmung aus Roßwein findet er bald einen Hauptauftraggeber und sein Hauptgeschäft. „Im ersten Jahr waren es Dachstühle für drei Eigenheime, im Jahr darauf schon 18, im vergangenen Jahr haben wir 55 Dachstühle errichtet“, verdeutlicht Leeser den Zuwachs. Er beschäftigt drei bis vier Gesellen. Und vermutlich geht es weiter nach oben. Aber: „Es ist sehr schwer, gut ausgebildete Leute zu finden.“

Vor einigen Jahren dann der Umzug der Firma ein paar hundert Meter in Richtung Stadt, in den ehemaligen Versandbereich des Armaturenwerkes Roßwein. „Dort ist einfach mehr Platz.“ Nun das Jubiläum und die Umbenennung. Leeser: „Der Name hat bislang nicht gedrängt. Jetzt ist die Zeit gut dafür.“

Von Olaf Büchel

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