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Döbeln Vom Schulkind zum Zirkusartist
Region Döbeln Vom Schulkind zum Zirkusartist
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00:18 12.06.2017
Kinder üben mit den Hunden, bis die Darbietung gut klappt. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig, Leisnig

Stimmengwirr auf dem Festplatz an der Muldenwiese: Kinder aus der Leisniger Grundschule wurden dieser Tage zu Zirkuskünstlern. Am Freitag war ihr großer Tag: Zwei Vorstellungen haben die Jungen und Mädchen nach fast einwöchiger Probe gegeben.

Die kleinen Artisten vom Traumzauberzirkus Rolandos wurden sie zu Fakiren oder Tierdomteuern, denen Hunde oder Tauben auf Kommando gehorchen. Zur Vorstellung balancieren sie auf dem Drahtseil, üben sich als Kunstreiter oder Zauberer. Eine der Gruppen bringt einen Mitschüler zum Schweben. Bereits am Mittwoch probten sie, nachdem sie am Dienstag eine Zirkusvorstellung erlebten. Nach der Durchlaufprobe am Donnerstag gab es 17 Uhr den ersten Auftritt. Unterm Zeltdach auf der Muldenwiese zeigen die Leisniger Kinder, was sie seit Wochenbeginn gelernt haben.

Tiere kennen um sie zu verstehen

Zirkusdirektor Roland Krämer, selbst im Zirkus aufgewachsen, verbrachte der Endfünfziger Jahrzehnte seiner Kindheit in dem reisenden Familienbetrieb, wuchs mit den Tieren auf. Als Kind und Jugendlicher faszinierten ihn die Affen. „Als andere zur Disco gingen, saß ich bei den Tieren und studierte ihr Verhalten, wie sich zum Beispiel das Alpha-Tier durchsetzt. Bei Tieren gibt es Regeln. Man muss sie kennen, um sie zu verstehen.“

Krämer ist beim aktuellen Leisniger Zirkusprojekt der Grundschule der Zauberer, der den Kindern den Trick mit dem schwebenden Mitschüler beibringt. Den Beruf des Artisten studierte er an der Staatlichen Fachschule für Artistik in Berlin. Das war 1976. Seit damals habe sich viel geändert: „Zirkus wird heute nicht mehr als Kultur betrachtet sondern als Dienstleistung. Das schmälert leider die Anerkennung.“ Wer die Dienstleistung billig anbiete, und sei es in geringer Qualität, der mache häufig das Rennen.

Fähigkeiten der Kinder fördern und ausbauen

Kurz nach den Wendejahren begann Krämer mit seinem eigenen Unternehmen als klassischer Zirkus zu reisen. 1986 war er noch der Letzte, der in der DDR mit einem Zirkusbetrieb ein Gewerbe anmeldete. Als 2013 die Entscheidung fiel, den Schwerpunkt vom Varieté-Zirkus auf die Projektarbeit mit Kindern zu legen, habe das vielfältige Gründe gehabt. Den Zirkuseingang blockierende Tierschützer führt Kramer an, aber auch zunehmend unfaire Geschäftspraktiken von Zirkusunternehmen untereinander. „Ganz aufhören wollten wir trotzdem nicht“, sagt der Zirkus-Direktor.

Als heute in Herzberg ansässiger Projektzirkus erschloss sich die Familie vor vier Jahren ein alternatives Arbeitsfeld mit Grundschülern, das sich an die modernen Schulpädagogik mit unterschiedlichsten Lernbereichen anlehnt. Bei den Kindern fördere dies unter anderem kognitive und motorische Fähigkeiten, zudem die Zusammenarbeit, Rücksichtnahme und die Freude daran, gemeinsam etwas zu schaffen. Mit Leisniger Grundschülern arbeiten die Krämers nicht zum ersten Mal. Sie schätzen auch den von saftigem Grün gesäumten Platz an der Mulde, den die Stadt zur Verfügung stellen kann.

Für Krämer ist es wichtig, zu betonen: „99 Prozent dessen, was in den Darbietungen zu sehen ist, geht auf das Können der Kinder zurück.“ Die Zirkus-Leute, insgesamt acht an der Zahl, zeigen nur, wie es funktioniert. Was für ihn am spannendsten ist? „Wenn Kinder einen Draht entwickeln zu einem Tier, das sie an der Leine führen. Den Moment finde ich am schönsten: Wenn ein Kind bemerkt, wie es sich einem Tier verständlich machen muss, damit es ein Kommando bereitwillig ausführt.“

Disziplin beim Zirkus unerlässlich

Beobachtet man die Kinder zusammen mit den Zirkusleuten auf dem Festplatz, dann zeigt sich: Viel mehr als mit der Gelehrigkeit der Tiere hat Zirkus zu tun mit der Disziplin der Menschen. Diese wird beim Üben unerbittlich eingefordert. Kramer ist streng. Die Kinder, von der ersten bis zur vierten Klasse, müssen aufpassen. Manche Darbietungen erfordern neben körperlichem Geschick vor allem Konzentration und Einfühlungsvermögen in menschliche und tierische Mitwirkende.

„Kindern etwas beizubringen, geht trotzdem oftmals schneller als bei Erwachsenen“, lacht der Zirkusmann. Seine Strenge beim Üben hat ihren Grund: Er möchte, dass die Darbietungen gut funktionieren. Das hat zu tun mit Artistenehre. Dann sind die Zuschauer fasziniert und es gibt Applaus. Dieser Moment in der Manege ist für den Künstler das Großartigste - ganz gleich ob für einen Grundschüler oder den gestandenen Zirkus-Artisten. Am Freitag ernteten die rund 170 Leisniger Kinder ihren Artistenlohn.

Von Steffi Robak

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