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Von Auterwitz nach Aue: 15-Jähriger will Fußballprofi werden

Ein Traum in Veilchenlila Von Auterwitz nach Aue: 15-Jähriger will Fußballprofi werden

Der 15-jährige Hans-Richard Jentzsch hat in Döbeln das Fußballspielen gelernt und macht seit dieser Saison beim Zweitligaclub FC Erzgebirge Aue den nächsten Schritt auf dem Weg zu seinem großen Traum: Fußballprofi werden. Dafür hat er den heimischen Hof in Auterwitz verlassen und lebt, lernt und trainiert nun im Internat der „Veilchen“.

Hans-Richard Jentzsch nimmt seine Herausforderung bei Erzgebirge Aue an.

Quelle: Privat

Döbeln/Aue. Hans-Richard Jentzsch hat eine beeindruckende Saison beim Döbelner SC hinter sich. 47 Tore hat er 2015/16 in der Landesklasse Mitte bei den C-Junioren geschossen. Im Jahr davor waren es auch schon 27 und es wären noch mehr gewesen, wenn der heute 15-Jährige nicht sieben Spiele wegen seiner Konfirmandenvorbereitung verpasst hätte. „Gegen Vereine, gegen die wir sehr hoch, zum Teil 25:0, gewonnen haben, war ich dann nicht dabei, um Zeit für die Konfirmation zu haben“, erzählt Hans-Richard, während er gemütlich mit Mutter Jacqueline Ziegeler-Jentzsch und Stiefvater Carlo Ziegeler an einem Holztisch im elterlichen Hof in Auterwitz sitzt.

Hier ist der Teenager nur noch an den Wochenenden zu Besuch. Sein fußballerisches Talent hat größere Vereine auf ihn aufmerksam gemacht. Seit Mitte Juli wohnt er im Internat des FC Erzgebirge Aue, trainiert in Sichtweite zum Erzgebirgsstadion, wo jedes zweite Wochenende die erste Mannschaft um Punkte in der 2. Bundesliga spielt. Dort will Hans-Richard mindestens auch hin. „Seit ich ein kleiner Junge bin, will ich Profi werden und bei einem großen Verein spielen“, sagt er.

Aller Anfang ist klein

Mit fünf Jahren fängt er beim ESV Lok Döbeln an. Die beiden älteren Brüder spielen bereits im Verein, wie einige andere Verwandte auch. „Jentzschs spielen viele hier in der Region“, sagt Mutter Jacqueline Ziegeler-Jentzsch. So ist es normal, dass auch Hans-Richard das Training aufnimmt. Hermann Mehner – Jugendtrainer bei Lok Döbeln, wird sein erster großer Förderer. „Er sagte damals schon zu mir, du wirst mal ein ganz Großer“, erinnert sich Hans-Richard lächelnd. Bis zur D-Jugend bleibt er dem einstigen Eisenbahnerverein treu, dann tut Hermann Mehner etwas, was nur ein Jugendtrainer tut, der seinem Schützling das Beste will. „Er hat zu mir gesagt, du brauchst eine bessere Ausbildung. Der Döbelner SC hat damals den besseren Fußball gespielt. Darum bin ich gewechselt“, erklärt der 15-Jährige, der als Verteidiger anfing, ehe er in der E-Jugend in den Sturm wechselte. „Ich war beidfüßig, schnell und der Größte in meinem Alter. Dann war ich das nicht mehr, hatte aber einen starken rechten Schussfuß“, erinnert er sich.

Zum DSC kommt er als torgefährlicher Kleinfeldspieler, der sich in der D-Jugend erst in die erste Mannschaft spielen muss. Drei Mal pro Woche trainiert er und fährt an Wochenenden zu den Spielen, verbessert seinen schwächeren linken Fuß, macht auch Tore mit dem Kopf. Für Verletzungen ist Hans-Richard kaum anfällig, hat bisher in seinem Leben nur ein Spiel wegen einer leichten Oberschenkelverletzung verpasst.

Den Wechsel in die C-Jugend und damit aufs Großfeld verkraftet er gut, schießt Tore am Fließband. Schon während der Saison 2014/15 werden die ersten Vereine aufmerksam. Eilenburg und Grimma fragen als Erste an, doch hier verspricht sich der junge Stürmer nicht den großen Sprung. Bei Borea Dresden absolviert er ein Probetraining, wird auch zur sächsischen Landesauswahl eingeladen. Über den Nachwuchschef des DSC, Ulrich Löser, der auch gute Kontakte zu Landestrainern und Nachwuchsleistungszentren pflegt, gelangt Hans-Richard auf den Radar der großen sächsischen Vereine.

Dynamo Dresden klopfte an

Dynamo Dresden meldet sich, lässt den Döbelner in den diesjährigen Osterferien einige Probetrainingseinheiten absolvieren. Hier bekommt Hans-Richard zum ersten Mal zu spüren, dass Fußball schon in der Jugend eine Ellbogengesellschaft produziert. „Ich habe gemerkt, dass es Spieler gibt, die denken, dass sie es können und es nicht einsehen wollen. Die schüren Konflikte in der Mannschaft, das hat mir nicht so gefallen“, berichtet er, lässt sich aber nicht beeindrucken. „Wenn man die Möglichkeit hat, Bundesliga zu spielen, ist einem das egal“, sagt er. An das höhere Niveau mit dem täglichen Training und den höheren technischen Anforderungen passt er sich schnell an. Im letzten Trainingsspiel gelingen ihm fünf Tore. Dennoch weist Dynamo ihn mit dem Hinweis ab, dass die besten Spieler seines Jahrgangs noch gar nicht dabei gewesen seien.

Davon lässt sich der Nachwuchsspieler jedoch nicht schrecken. Ulrich Löser macht seinem Schützling Mut, hat schon Anfragen für Probetrainings beim Chemnitzer FC und in Aue auf dem Tisch. Von den Qualitäten des jungen Stürmers ist Löser überzeugt. „Die Anlagen hat er auf jeden Fall. Er ist ein unwahrscheinlich willensstarker Spieler. Er liebt nicht nur die Feinarbeit, sondern macht seine Tore auch à la Ulf Kirsten im Strafraum“, schwärmt der Nachwuchstrainer.

„Viele Tricks kannte ich noch gar nicht“

Anfang Juni fährt er für zwei Tage ins Auer Internat, bereitet später in einem Testspiel beide Auer Tore beim 2:0-Sieg vor und wird vom Nachwuchsleiter der Veilchen, Karsten Müller, zum Wechsel eingeladen. „Er sagte es sieht gut aus und dass ihm Biss und Kampfgeist gefällt. Aber ich habe auch noch Defizite in der Technik. Viele Tricks kannte ich noch gar nicht. In Döbeln hatten wir nie richtig Zeit, so was zu üben“, sagt Hans-Richard auch selbstkritisch.

Dennoch ist der Wechsel für ihn keine Frage. Und die Familie steht hinter ihm. „Es wäre sein unaufhaltsamer Ruin gewesen, wenn wir versucht hätten, Hans-Richard an dieser Entscheidung zu hindern“, sagt seine Mutter. Sie kümmert sich stattdessen darum, dass ihr Sohn nicht nur zu einem guten Verein, sondern auch auf eine gute Schule wechselt. „Wir mussten schauen, dass Schule und Internat passen, damit er als Persönlichkeit nicht auf der Strecke bleibt“, sagt Jacqueline Ziegeler-Jentzsch.

Einzig mit dem Döbelner SC gibt es Probleme. Weil man sich mit dem FC Erzgebirge nicht auf die Wechselmodalitäten einigen kann, wird Hans-Richard bis 1. November für Pflichtspiele gesperrt. „Mir wurde versprochen, wenn ich 100 Prozent gebe, dass ich nicht gesperrt werde“, sagt der Spieler enttäuscht. Ulrich Löser bringt etwas Licht ins Dunkel. „Das ist eine verfahrene Kiste. Wir haben einen Vertrag aufgesetzt, weil wir mit dem, was Aue uns schickte, nicht einverstanden waren. Es sollte drinstehen, dass er zuerst nach Döbeln zurückkommt, falls er es nicht schafft. Und wenn er in den Profibereich wechselt, sollte man uns eine kleine Summe abgeben“, erklärt er. „Wir haben den Vertrag rechtzeitig hingeschickt. Leider ist bis heute keine Rückmeldung gekommen.“ Er wolle nochmal Kontakt nach Aue aufnehmen. Kommt der Vertrag zurück, kann Hans-Richard sofort spielen, sagt Löser.

Noch ist das letzte Wort zwischen den Vereinen also nicht gesprochen. Hans-Richard trainiert derweil unbeirrt weiter. Sein Alltag unter der Woche: Schule, dann etwas Ausruhen und mentale Vorbereitung aufs Training, nach der Einheit noch ein persönliches Zusatztraining für Technik oder im Kraftraum bis 19.30 Uhr. Danach bleibt Zeit bis etwa 22 Uhr für Hausaufgaben. Sich die Zeit dafür zu nehmen, fällt dem aufstrebenden Fußballer noch schwer. „Das ist eine sehr große Umstellung. Mir sagt niemand mehr, du musst jetzt lernen. Ich muss mich selbst dazu zwingen“, sagt Hans-Richard. Nicht leicht für einen 15-Jährigen mit dem Traumberuf Profifußballer, der einiges an Technik und Taktik aufzuholen hat. „Das sind jetzt im Training die vier wichtigsten Jahre in meinem Leben. Das Abitur kann ich immer nachholen“, sagt er. Allerdings werden Zeugnisse im Verein auch regelmäßig geprüft und Defizite klar benannt. Ohne Büffeln also auch keine Karriere.

Nur donnerstags ist trainingsfrei

Trotz des harten Alltags, in dem nur donnerstags trainingsfrei ist, hat Hans-Richard kaum Heimweh bis jetzt. „Ich wollte nie auf einem Hof leben. Ich möchte kein ruhiges Leben führen, sondern eines, das mich herausfordert und wo ich abends weiß, ich habe alles gegeben und keine Kraft mehr, noch etwas anderes zu machen.“

Seine Vorbilder benennt er klar: „Robert Lewandowski, weil er eine Tormaschine ist. Und Ronaldinho. Das ist eine Fußball-Legende. Der hat eine riesige Technik, genau, wo ich Defizite habe. Seinen Trick – den Elastico – habe ich von ihm abgeschaut und erst jetzt gelernt“, schwärmt Hans-Richard. Einen Lieblingsverein hat er nicht direkt. „FC Bayern, Aue und RB Leipzig sind mir sympathisch“, sagt er. Bei den Roten Bullen könnte er sich durchaus eine Zukunft vorstellen. Doch zunächst zählt nur das Training in Aue. „Ich will dieses Jahr voll durchstarten und mich in die Stammelf der U17 spielen. Dann wird man sehen, was passiert“, sagt der Stürmer selbstbewusst.

Von Sebastian Fink

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