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Von der Rolle in Naußlitz: Frauen mangeln Wäsche was das Zeug hält

Dorfleben Von der Rolle in Naußlitz: Frauen mangeln Wäsche was das Zeug hält

Viele Dörfer hatten früher eine Wäsche-Rolle, die die Bewohner rege nutzten. Im ländlich geprägten Roßwein gibt es heute nur noch eine einzige Mangel – die in Naußlitz. Wer glaubt, auch diese sei ein Auslaufmodell, hat sich allerdings getäuscht. Viele Frauen nutzen das Gerät gern, Tendenz wieder steigend.

Renate Führich (l.) und Annelies Naumann nutzen die Rolle in Naußlitz regelmäßig

Quelle: Olaf Büchel

Nausslitz. Viele Dörfer hatten früher eine Wäsche-Rolle, die die Bewohner rege nutzten. Im ländlich geprägten Roßwein gibt es heute nur noch eine einzige Mangel – die in Naußlitz. Wer glaubt, auch diese sei ein Auslaufmodell, hat sich getäuscht. So manche Frau verwendet das Gerät gern, Tendenz wieder steigend.

Renate Führich und Annelies Naumann sind nach wie vor begeistert von „ihrer“ Rolle. Die beiden Haßlauerinnen kommen etwa einmal im Monat gemeinsam nach Naußlitz, um auf der dort im Bungalow der Freizeitanlage unterbrachten Rolle Wäsche zu „behandeln“. Das heißt, sie mit Hilfe der Maschine schön glatt zu pressen. Vor allem für Bett- und Tischwäsche wird die Naußlitzer Kastenkaltmangel gern genutzt. Sie verfestigt die Fasern und die Wäschestücke erhalten neuen Glanz. „Wir haben auch eine Tischmangel Zuhause, aber da wird die Wäsche nicht so schön. Deshalb fahren wir regelmäßig hierher nach Naußlitz zur großen Rolle“, sagt Renate Führich. Etwa eine Stunde lang nutzt sie dann gemeinsam mit Annelies Naumann das Gerät. Führich: „Das ist auch gleich mal eine gute Gelegenheit, ein bisschen miteinander zu quasseln.“

In Gang setzen kann der Nutzer die Naußlitzer Kaltmangel nur durch den Einwurf von Wertmarken. Eine kostet einen Euro und hält die Maschine eine halbe Stunde lang in Betrieb. Die Marken gibt es an der Rathausanmeldung in Roßwein und immer dienstags, 16 bis 17 Uhr, in der Haßlauer Gemeindebibliothek im Dorfgemeinschaftshaus. Im Jahr 2015 waren es noch 142 Wertmarken, die fürs Mangeln gekauft wurden, also für eine Betriebszeit von reichlich 70 Stunden. Im vergangenen Jahr stieg der Verkauf auf 188 Marken, was 94 Stunden entspricht. „Das heißt nicht, dass alle Marken schon eingeworfen wurden, manche kaufen gleich mehrere auf einmal. Doch die Mangel wird gut genutzt. Deshalb soll sie bleiben, wofür sich die Einwohner der Ortsteile ja auch eingesetzt hatten“, erklärt Roßweins Hauptamtsleiterin Michaela Neubert.

Das unterstreicht Renate Führich: „Wir haben uns damals für den Erhalt der Rolle stark gemacht. Und der Bürgermeister staunte nicht schlecht, als er zu uns kam und gesehen hat, wie viele dahinter stehen.“ Das war im Herbst 2010, als es darum ging, für die Rolle, die damals noch in einem Nebengebäude des alten Haßlauer Dorfgemeinschaftshauses (ehemalige Schule) stand, einen neuen Standort zu finden oder sie ganz abzuschaffen. Die Diskussion war notwendig geworden, weil das alte Schulgebäude versteigert worden war und der neue Eigentümer es für sich beanspruchte. Zwischenzeitliche Überlegungen, die Rolle im neu errichteten Feuerwehrgerätehaus von Haßlau unterzubringen, mussten wieder verworfen werden, weil in den Räumlichkeiten inzwischen die Dorfbibliothek eingezogen war, die die Haßlauer ebenfalls nicht missen wollten. Mit einem alten Bungalow, dem einstigen Jugendtreff an der Naußlitzer Freizeitanlage, fand die Stadt Roßwein schließlich ein neues Domizil. Dort ging die Kaltmangel Anfang 2011 wieder in Betrieb.

Die Maschine ist übrigens kein Urgestein. Sie ist Baujahr 1983 stammt aus dem damaligen HDR Dienstleistungskombinat Gera. 2001 musste die Kaltmangel schon einmal umziehen, allerdings innerhalb von Haßlau – raus aus dem ehemaligen Gemeindeamt, rein in den Anbau der Ex-Schule.

Von Olaf Büchel

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