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Döbeln Vor allem der Gesang verleiht dieser „Maria Stuart“ Gewicht
Region Döbeln Vor allem der Gesang verleiht dieser „Maria Stuart“ Gewicht
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18:16 04.11.2018
Maria Stuart (Margareta Klobučar, Mitte) wird von Elisabeths Wachen festgesetzt – Graf Talbot (Sergio Raonic Lukovic, links) und Graf Leicester (Jaeil Kim, rechts) können das nicht verhindern. Quelle: Jörg Metzner
Döbeln

Es ist noch nicht allzu lange her, da hatte sich das Mittelsächsische Theater darauf spezialisiert, vergessene Opern wiederzuentdecken. Das von Ingolf Huhn erfundene Rezept sorgte viele Jahre lang für überregionale Anerkennung. Und ein wenig scheint es, als wolle sich das inzwischen lieber im Standardrepertoire bewegende Haus noch einmal an jene Zeit erinnern: Wie sonst ist es zu verstehen, dass zu Beginn der aktuellen Spielzeit zwar eine Oper des unvergleichlichen Belcanto-Spezialisten Gaetano Donizetti auf den Spielplan gehoben wird – aber eben keine der drei bis vier Evergreens des Italieners, sondern dessen „Maria Stuart“, die Adaption von Schillers Königinnendrama „Maria Stuart“?

In der Versenkung verschwunden

Nun kann man im Falle der 1834 komponierten Oper kaum von „Wiederentdeckung“ reden, schließlich wird „Maria Stuart“ doch hin und wieder gespielt. Aber die Theaterwelt hatte eben von Anfang an kein Glück mit jenem Werk, das noch vor der Uraufführung verboten und später dann unter derart ungünstigen Verhältnissen präsentiert wurde, dass es fortan mehr als 120 Jahre lang in der Versenkung verschwand.

Praktische Gründe

Dass das Mittelsächsische Theater dennoch diese Oper wählte, hat praktische Gründe: Für „Maria Stuart“ benötigt man nur sechs Sänger, zudem sind die beiden Hauptfiguren aktuell gut besetzbar. Margareta Klobucar verleiht der Maria Stuart eine schon überirdisch wirkende Aura, vom souveränen Hochmut im ersten Finale zur klaglos Hingerichteten am Ende ist es nur ein kleiner Schritt. Barbora Fritscher setzt die dazu nötigen Kontrapunkte, spielt die Unbeherrschtheit der englischen Königin, die hier Elisabetta heißt, überdeutlich aus und wartet mit einem beeindruckenden Arsenal an darstellerischen Möglichkeiten auf.

Sängerwünsche

Überhaupt scheint es so, als komme das Theater hier gleich mehreren Sängerwünschen entgegen. Denn es ist vor allem der Gesang, der dieser Produktion Gewicht verleiht: Elias Han gibt den Bösewicht Cecil weniger als Erzschurken, sondern als nüchternen Politiker, Rea Alaburic singt Marias Vertraute Anna mit zartem Jungmädchen-Timbre, Jaeil Kim forciert als Leicester bisweilen zwar, vermag aber auch die Verzweiflung des unglücklich Liebenden genau zu treffen. Und Sergio Raonic Lukovic gestaltet Talbots Beichtszene derart fesselnd, dass man mit ihm, der sich da auf offener Bühne geißelt, regelrecht mitleidet.

Ein Historienspiel

Angesichts dessen muss der musiktheatralische Ansatz der Regie wohl etwas zurücktreten – und bei einer Oper, die vor mehr als 180 Jahren komponiert wurde, um Primadonnen optimal im Rampenlicht zu präsentieren, scheint dies auch der richtige Ansatz. Jürgen Pöckel aber macht auch daraus ein Konzept: Seine „Maria Stuart“ ist ein Historienspiel, das irgendwo zwischen Gemälde mit eingefrorener Bewegung und exzentrischem Ausstattungsfilm changiert. So darf Ausstatter Roy Spahn vor allem in den Kostümen die Renaissance bis ins Detail präsentieren, und darum muss Barbora Fritscher sogar jene speziellen Handbewegungen imitieren, mit denen einst Cate Blanchett als Elizabeth auf der Leinwand brillierte.

Eigentlich für Freiberger Kirche gedacht

Nicht zu überhören und nicht zu übersehen ist aber auch im Döbelner Theater, dass diese Produktion eigentlich für die Freiberger Nikolaikirche gedacht ist. Juheon Han am Pult der Mittelsächsischen Philharmonie hat im Graben hin und wieder Probleme, Sänger und Orchester in eine gleiche Zeitebene zu bringen – in der Kirche mit Sichtkontakt ist dies natürlich kein Problem. Und irgendwann haben sich auch die ständigen Auf- und Abgänge mitten durch den Zuschauerraum, mit denen Pöckel Chor und Solisten beschäftigt, nur noch abgenutzt.

Von Hagen Kunze

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