Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Wäsche weg – Polizei kommt nicht
Region Döbeln Wäsche weg – Polizei kommt nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:25 28.07.2018
Markensachen ziehen Diebe an – nicht nur im Kaufhaus, sondern auch, wenn diese auf der Leine hängt. In einem Döbelner Ortsteil nahmen unbekannte Diebe gleich den ganzen Wäscheständer mit. Quelle: Archiv
Anzeige
Döbeln

Das Sicherheitsgefühl hat gelitten durch diesen Diebstahl. Auf der Terrasse eines Einfamilienhauses in einem Dorf im Westen Döbelns haben offenbar unbekannte Täter einen voll behangenen Wäscheständer gestohlen. „Da hingen überwiegend die Sachen unseres achtjährigen Sohnes drauf, viel Markenware. Wir schätzen den Schaden auf 400 Euro“, sagt der junge Familienvater, dessen Namen der DAZ bekannt ist, der aber genauswenig in der Zeitung stehen soll, wie der genaue Tatort. Andere Diebe sollen nicht aus der Zeitung erfahren, wo sie auf Beutezug gehen können. „Die Täter waren entweder total verzweifelt oder völlig skrupellos“, sagt der junge Mann. Kindersachen als Diebesbeute – das lässt sich auch zu Geld machen. Auf entsprechenden Flohmärkten zum Beispiel oder bei Ebay-Kleinanzeigen im Internet.

Trotzdem nicht einigeln

Das Grundstück der Familie ist relativ offen. Aber das ist nicht ungewöhnlich im Dorf. „Wir wollen uns nicht einigeln und werden uns nicht einigeln. Wir sind hier auf dem Dorf wie eine große Familie“, sagt der Hausbesitzer. Allerdings denkt er jetzt über Sicherheitstechnik nach, wie etwa Kameras und Bewegungsmelder.

Streife kommt nicht

Die nächste Enttäuschung erlebten die Geschädigten bei der Polizei. Am Freitagmorgen haben sie den fehlenden Wäscheständer bemerkt und gleich die Polizei angerufen. Die könne aber aufgrund von Personalmangel keinen Streifenwagen schicken, lautete die Antwort. Die Familie sollte die Straftat im Internet anzeigen. „Aber ehe man sich da durchgekämpft hat...“, sagt der Familienvater. Am Ende sind sie nach Döbeln aufs Revier gefahren und haben den Wäscheklau dort angezeigt. Als Kritik an der Polizei in Döbeln will der Familienvater das aber nicht aufgefasst wissen. Er weiß um den Personalmangel und das dies ein politisches Problem ist.

Kommentar: Falsche Politik führt zu Unsicherheit

Wäscheklau ist kein Mord. Da muss nicht unbedingt sofort die Polizei kommen, wenn die Beamten Wichtigeres zu tun haben. Zur Not leuchtet das ein. Schöner wäre es aber, wenn die Polizei in Döbeln und Sachsen personell so gut aufgestellt wäre, dass sie auch zu einem Tatort fahren kann, wo Diebe „nur“ Kindersachen samt Wäscheständer gestohlen haben. Auch um den Betroffenen ein Stück Sicherheitsgefühl zurück zu geben. „Jetzt sind wir da, schauen uns um und kümmern uns darum.“ Vielleicht noch einen Tipp geben, wie man solchen Straftaten vorbeugt.

Es mögen für manchen nur Anziehsachen gewesen sein samt eines zusammenklappbaren Stahlrohrgerüstes mit Wäscheleine, dass den Leuten abhanden kam. Aber zu wissen, da schleicht nachts jemand auf dem Grundstück rum, nur wenige Meter vom Schlafzimmer entfernt, erschüttert das Sicherheitsgefühl doch enorm. Zwar sind Beamten keine Psychologen, aber ihre Präsenz kann beruhigend nach so einem Vorfall wirken. Ich jedenfalls war vor neun Jahren heilfroh, als die Polizei kam, nachdem ein Randalierer im damaligen Leisniger Außenbüro der DAZ gehaust hatte, wie ein Vandale.

Der Wäschediebstahl im Döbelner Ortsteil zeigt, dass die frühere Personalpolitik des sächsischen Innenministeriums nicht aufgeht. Weniger Menschen bedeutet eben nicht weniger Kriminalität und damit weniger Bedarf an Polizisten. Bürgernähe ist mit einem ausgedünnten Personal auch nicht machbar. Dirk Wurzel

„Das Döbelner Revier hat in der vergangenen Woche sehr viel zu tun gehabt“, wirbt Steve Berger von der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz um Verständnis. In solchen Fällen müssten die Betroffenen halt auf die Online-Anzeige zurückgreifen oder aufs Revier fahren. Normalerweise aber gilt: „Wenn ein Streifenwagen frei ist, kommt bei Straftaten jemand vor Ort.“

Von Dirk Wurzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zerreißprobe: Zwei Katzen drohen zu verhungern. Die Ausländerbehörde weigert sich, sie ihren Eigentümern zurück zu geben. Die irakische Familie wird in ihrer Wohnung stattdessen kontrolliert. Nun schaltet sich der Tierarzt ein.

28.07.2018
Döbeln Ausstellung in Waldheim - Vom Innersten auf die Leinwand

Heiko Günther hat sich in einer schweren Phase seines Lebens der Malerei zugewandt. Die Kunst hilft ihm, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Am Samstag eröffnet er in Waldheim seine erste Ausstellung mit diesen Werken.

27.07.2018

Feuerwehrdepot, Stadtbücherei oder Tischtennisverein – in den Ferien sind Leisnigs Hortkinder oft außerhalb der Einrichtung unterwegs. Dabei werden sie gefordert, ob beim Sportfest mit Senioren oder beim Wissensquiz auf dem Wertstoffhof.

27.07.2018
Anzeige