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Döbeln Waldheim-Buch künftig ohne Sänger – François Maher Presley ändert 2. Auflage
Region Döbeln Waldheim-Buch künftig ohne Sänger – François Maher Presley ändert 2. Auflage
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12:17 21.12.2016
„Einfach wegsperren“ würden manche den Sänger von Waldheim am liebsten. Das ist rechtlich aber nicht so einfach. François Maher Presley ändert die 2. Auflage seines Waldheim-Buches und nimmt den Sänger raus. Quelle: François Maher Presley/Montage: Sven Bartsch
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Waldheim

Das Urteil für den Sänger von Waldheim hat große Wellen geschlagen. Auf der Facebook-Seite der Döbelner Allgemeinen Zeitung im Internet haben etliche Nutzer kommentiert, 75 haben den Beitrag geteilt. Das Amtsgericht Döbeln hatte den 40-Jährigen am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung zu elf Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. „Man muss jetzt schauen, ob die Maßnahme fruchtet und ich würde mich freuen, wenn er zu einem Normalzustand zurückfinden würde“, sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Er berichtet davon, wie der Sänger Rathausmitarbeiter direkt angesprochen hat, in einer Weise, die Anlass zur Sorge gibt. „So kann es nicht weitergehen“, sagt der Bürgermeister.

Wegsperren ist gar nicht so einfach

Wie es mit dem Sänger weitergehen soll, dafür haben die Facebooknutzer einfache Rezepte: „Ab in de Klapper mit dem“, findet Nutzer Retoocs Tobias. „Einfach wegsperren und gut“, schreibt Facebook-Nutzer Mike Zühlke.

Aber das ist nicht so einfach. Zwar gelten die sogenannten Maßregeln der Besserung und Sicherung, zu denen neben der Sicherungsverwahrung und die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt gehören, als schärfstes Schwert des Strafrechts. Dort Untergebrachte bleiben meist sehr lange in den entsprechenden Einrichtungen. Deshalb sollen Gerichte diese Maßregeln nur verhängen, wenn dies absolut notwendig ist. Bei schizophrenen Serienmördern zum Beispiel. „Die prognostizierte Gefährlichkeit muss sich auf Taten beziehen, die eine schwere Störung des Rechtsfriedens zur Folge haben“, sagt der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in einem Revisionsbeschluss (Aktenzeichen: BGH 4 StR 168/13). „Straftaten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe unter fünf Jahren bedroht sind, sind daher nicht mehr ohne Weiteres dem Bereich der Straftaten von erheblicher Bedeutung zuzurechnen“, heißt es weiter.

Gestört oder nicht – das ist hier die Frage

Zu den Straftaten, die mit über fünf Jahren Haft bedroht sind, zählt auch die gefährliche Körperverletzung, für die der Sänger verurteilt wurde. Grundsätzlich könnte man ihn also in den Maßregelvollzug stecken. Allerdings muss das eine Große Strafkammer am Landgericht auf der Grundlage eines psychiatrischen Gutachtens anordnen. Und noch ist überhaupt nicht klar, ob der Sänger psychisch so schwer gestört ist, dass er schuldunfähig oder vermindert schuldfähig ist, beziehungsweise andere Gründe vorliegen, die eine Unterbringung nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch rechtfertigen. Dass die Staatsanwaltschaft erstmal nicht davon ausgeht, dass solch eine Maßregel in Betracht kommt, zeigt die Tatsache, dass sie den Sänger beim Strafrichter am Amtsgericht angeklagt hatte. Diese dürfen Haftstrafen bis zu zwei Jahren verhängen, nicht aber über „Maßregeln der Besserung und Sicherung“ entscheiden, sagt das Gerichtsverfassungsgesetz.

Sänger verschwindet aus Waldheim-Buch

Auch nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist eine Unterbringung möglich, allerdings nur mit Zustimmung des Betreuungsgerichtes. Zum Beispiel, wenn jemand aufgrund einer psychischen Krankheit suizidgefährdet ist oder die Gefahr besteht, sich selbst gesundheitlich schwer schädigen. Das passt auf den Sänger auch nicht so recht.

Der beschäftigt jetzt auch François Maher Presley. Der Autor ändert nun bei der 2. Auflage seines Buches „Waldheim in Mittelsachsen“ die Passage über den Sänger und nimmt das Bild raus. Das Buch ist zu einer Zeit entstanden, als das Verhalten des Sängers noch als exzentrische Folklore durchging. „Er wird in der zweiten Auflage als Person nicht mehr erkennbar sein“, sagt François Maher Presley.

Von Dirk Wurzel

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