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Waldheimer Kinderpornograf schwänzt Termine beim Bewährungshelfer

Haftstrafe für Sextäter Waldheimer Kinderpornograf schwänzt Termine beim Bewährungshelfer

Siebeinhalb Jahre gesessen und nicht dazu gelernt? Diese Frage stellt sich bei Marcus F. Er saß wegen Sexualverbrechen im Gefängnis, nach der Entlassung erwischte ihn die Polizei mit Kinderpornos. Jetzt verurteilte ihn das Gericht, weil er gegen die Weisungen der Führungsaufsicht verstoßen hatte. Diese Maßregel soll die Gesellschaft vor Menschen wie ihm schützen.

Marcus F. hat gegen Weisungen der Führungsaufsicht verstoßen. Die hatte die Strafvollstreckungskammer gegen den vorbestraften Sexualverbrecher angeordnet, um die Allgemeinheit vor ihm zu schützen.

Quelle: dpa

Waldheim/Döbeln. Unter Führungsaufsicht stehen gefährliche Kriminelle. Menschen, bei denen die Gefahr besteht, nach der Entlassung aus dem Gefängnis erneut Straftaten zu begehen. Die Führungsaufsicht soll das verhindern, indem Sozialarbeiter genau auf diese gefährlichen Straftäter schauen. So einer ist Marcus F.. Ihn stellte die Strafvollstreckungskammer 2012 unter Führungsaufsicht. Marcus F. hatte in Waldheim wegen Vergewaltigung und dem schweren sexuellen Missbrauchs seiner Kinder über sieben Jahre im Gefängnis gesessen, blieb dann in der Stadt an der Zschopau hängen. Als ihn das Landgericht Zwickau 2006 wegen der Vergewaltigung einer Prostituierten und dem Missbrauch seiner Kinder zu siebeneinhalb Jahren verurteilte, hat es sich vorbehalten, Marcus F. in der Sicherungsverwahrung unterzubringen. Angeordnet hat das Gericht die Maßregel aber nicht.

Brutale Kinderpornos

Mit der Führungsaufsicht nahm es der 36-Jährige nicht so genau, wie sein Prozess am Dienstag im Amtsgericht Döbeln zeigte. Denn es ist eine Straftat, gegen die Auflagen und Weisungen zu verstoßen. Der gebürtige Erlabrunner hat nach Ansicht von Richterin Christa Weik genau das mehrfach getan, als er im Juli und August 2015 seine monatlichen Termine schwänzte. Sie verurteilte ihn daher zu vier Monaten Haft – ohne Bewährung. Zurzeit sitzt der Erzgebirger eine fünfmonatige Haftstrafe wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen die Auflagen und Weisungen der Führungsaufsicht in der JVA Zeithain ab. Am 25. Juni soll er rauskommen. Wird das Weik-Urteil vorher rechtskräftig, wird daraus nichts.

F.´s Haft könnte danach noch weitere sieben Monate andauern, denn er beging 2014 eine erneute Sexualstraftat. Richterin Karin Fahlberg verurteilte ihn am 6. August 2015 im Amtsgericht Döbeln zu sieben Monaten Knast, weil Marcus F. brutale Kinderpornos hortete. Die zeigten Sex mit sehr kleinen Kinder. Das Urteil hielt in der Berufung vorm Landgericht. Jetzt scheint es das Oberlandesgericht beschäftigen, denn rechtskräftig ist die Entscheidung offensichtlich noch nicht. Mit den ekligem Material war F. aufgefallen, als die Polizei 2014 seine Waldheimer Wohnung durchsuchte. Die Beamten wollten Hinweise finden, dass der Sextäter im Internet nach Kindern suchte, „die er liebhaben“ könne. Er hatte dies in einem Forum eine Frau gefragt, die ihn anzeigte. Indizien dafür fand die Polizei damals nicht, wohl aber einen Computer mit verbotenen Sexfilmen. Die jüngsten der unfreiwilligen Darsteller waren vier Jahre alt.

Fahrtkosten als Vorwand

„Jetzt haben Sie viel Zeit über das Entgegenkommen nachzudenken. Entgegenkommen heißt nämlich nicht: Der andere kommt entgegen und ich bleibe auf meinem Platz stehen“, sagte Richterin Weik, als sie ihr Urteil begründete. Sie bezog sich damit auf das letzte Wort des Angeklagten: „Ich finde Haft übertrieben. Es gab auf beiden Seiten Fehler. Man hätte besser kommunizieren und aufeinander zugehen müssen.“

Markus F. hatte seine Termine beim Bewährungshelfer in Chemnitz geschwänzt, weil er die Fahrtkosten nicht habe bezahlen können. Dabei hätte er diese aus der Staatskasse erstattet bekommen. „Aber erst einen Monat später, dabei brauchte ich das Geld als Hartz-IV-Empfänger“, gab er an. Es ging übrigens um 13 Euro. Er habe seinen Bewährungshelfer mehrfach darauf hingewiesen, dass es ihm finanziell nicht möglich sei, von Waldheim nach Chemnitz zu fahren. Auch um Hausbesuche habe er gebeten. „Das ist doch aus sozialpädagogischer Sicht gar nicht einzusehen, dass ich zu ihm fahre, wenn er die Weisung hat, zu mir zu kommen“, sagte F.´s Bewährungshelfer Michael G. als Zeuge aus. Für ihn war der Zank um die Fahrtkosten ein Vorwand, um nicht erscheinen zu müssen. Richterin Weik sah es genauso. „Für den Angeklagten waren das lästige Pflichttermine. Die Sozialarbeiter können aber erkennen, ob die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Straftat besteht. Wenn sich jemand der Führungsaufsicht entzieht, ist der Zweck dieser Maßregel gefährdet“, sagte die Richterin.

Führungsaufsicht ist die mildeste „Maßregel der Besserung und Sicherung“, die das Strafgesetzbuch vorsieht, um die Allgemeinheit vor gefährlichen und kranken Straftätern nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis zu schützten. Sie dauert höchstens fünf Jahre. Außerdem ist der haftentlassene Straftäter frei. Anders sieht das bei Sicherungsverwahrung und dem Maßregelvollzug aus, die das Gesetz für gefährliche Kriminelle (Sicherungsverwahrung) oder psychisch kranke Täter (Maßregelvollzug) vorsieht. Der Aufenthalt in diesen Einrichtungen kann sehr lange dauern und ist auf unbestimmte Zeit angeordnet – solange, bis vom Täter keine Gefahr mehr ausgeht.

Von Dirk Wurzel

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