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Waldheimer Spezialeinheit feiert 20-Jähriges – Beamte suchen auch Drogen und Handys

Sicherheit im Strafvollzug Waldheimer Spezialeinheit feiert 20-Jähriges – Beamte suchen auch Drogen und Handys

Mit zwei Mitarbeitern fing 1995 alles an. Nunmehr besteht die Waldheim ansässige Spezialeinheit „Sicherungsgruppe Justizvollzug in Sachsen“ seit 20 Jahren und hat 18 Mitglieder. Zu den Aufgaben der Einheit gehört aber weit mehr, als die Zellen der sächsischen Gefängnisse zu „filzen“.

Zur Spezialeinheit gehören auch sieben Hunde. Sechs schnüffeln nach Drogen, einer nach Funktelefonen. Die Schäferhündin Indy hat in der Waldheimer Gefängniszelle gerade Drogen gefunden.

Quelle: Sven Bartsch

Waldheim. Drei runde Geburtstage feiert die Justizvollzugsanstalt in diesem Jahr. Eines davon ist das 20-jährige Bestehen der Sicherungsgruppe Justizvollzug in Sachsen, die ihren Sitz in Waldheim hat. Diese Spezialeinheit besteht derzeit aus drei hauptamtlichen Mitgliedern und 15 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes, die der Leiter der Gruppe für die Einsätze nach Bedarf anfordert. Markus Nier zum Beispiel ist Hundeführer in der JVA Chemnitz. Er lässt seinen belgischen Schäferhund Boonz aber in allen sächsischen Haftanstalten nach Drogen schnüffeln. Zur Sicherungsgruppe gehören insgesamt sieben vierbeinige Beamte. Sechs spüren Rauschgift auf, einer findet versteckte Mobiltelefone.

„So ein Handy-Spürhund ist ganz was Besonderes. Ich habe neulich mit meinem Amtskollegen aus Bayern gesprochen, der war begeistert“, sagte Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU), als er sich am Donnerstag die Arbeit der Sicherungsgruppe im Waldheimer Gefängnis anschaute. Was so ein Funktelefon-Spürhund genau riecht, kann Hundeführer Markus Nier nicht sagen. „Das kann Ihnen keiner sagen. Wir konditionieren die Hunde auf die elektronischen Elemente“, sagt Markus Nier. es kann auch sein, dass so ein Telefon-Hund in der Werkstatt bei einem Akku-Schrauber Halt macht.

Justizminister Gemkow: Beamte beugen Betriebsblindheit vor

Das Aufspüren von Mobiltelefonen und Rauschgift ist nicht die einzige Aufgabe der Sicherungsgruppe. Sie begleiten auch gefährliche Gefangene, zum Beispiel zu Gerichtsterminen. „Auf 189 Transporten dieser Art ist bisher noch nichts passiert“, sagt Dirk Mingo, der die Spezialeinheit leitet. Das Prädikat „gefährlich“ bekommt ein JVA-Insasse unter anderem aufgrund der Straftat, wegen der ihn das Gericht verurteilt hat, und auch wegen seines Verhaltens im Vollzug. Außerdem beraten die Beamten der Sicherungsgruppe die anderen Gefängnisse in Sachen Sicherheit. „Damit beugen sie Fehlentwicklungen und der Gefahr der Betriebsblindheit vor. Ich bin den Beamten sehr dankbar für ihre Arbeit“, sagte Justizminister Gemkow.

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Fischdosen, Bücher, Brotschnitten – die Gefangenen sind mehr oder weniger kreativ, wenn es darum geht Mobiltelefone und Drogen ins Gefängnis zu schmuggeln. In der JVA Waldheim sind die Fundstücke zu besichtigen.

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Auf Station 2a der JVA Waldheim zeigten die Spezialkräfte dann, was sie tun, wenn sie einmal im Jahr hier die Zellen durchsuchen. Was natürlich nicht heißt, dass das reguläre Anstaltspersonal untätig ist. Die Vollzugsbediensteten kontrollieren aller zwei Wochen die Hafträume. „Wenn wir kommen, stellen wir die Zellen richtig auf den Kopf“, sagt Dirk Mingo. Einen Hund haben die JVA-Beamten in Waldheim auch nicht zur Verfügung. Station 2a hat 16 Hafträume, fast alle sind belegt. Eine der Zellen ist besonders präpariert. Ein Beamter spielt den dort wohnenden Strafgefangenen. Den holen die Angehörigen der Sicherungsgruppe raus. Und geht Indy rein, das heißt die Deutsche Schäferhündin schnellt in die Zelle. Geschirr klappert und die Hündin legt sich hin. So zeigt sie an, dass sie fündig geworden ist. Passives Anzeigen nennen die Hundeführer das. Indy wird bald sechs Jahre alt und ist damit im besten Spürhund-Alter sagt ihr Hundeführer Daniel Witschas von der JVA Dresden.

Waldheimer Häftlinge bauen Zellentüren

Meistens finden die Hunde die derzeit gängigen Drogen Haschisch und Crystal. In allen zehn sächsischen Haftanstalten erspürten die vierbeinigen Beamten der Sicherungsgruppe in diesem Jahr 53 Gramm Haschisch und 55 Gramm Crystal. Andere Rauschgiftsorten Spielen fast keine Rolle. An Funktelefonen stellten die Beamten 2014 in den Gefängnissen des Freistaates 400 Stück sicher, in diesem Jahr sind bereits 376 zusammen gekommen.

Die JVA Waldheim arbeitet auch auf anderer Ebene an der Sicherheit in Gefängnissen. „In unserem Metallbereich stellen die Gefangenen Haftraumtüren her. Wir haben erst kürzlich 195 Türen an die JVA Werl geliefert“, sagt Harry Kempf, der das Waldheimer Gefängnis seit zehn Jahren leitet – was der zweite runde Gegurtstag ist. Der dritte ist das 20-jährige Bestehen der sozialtherapeutischen Abteilung, die 1995 als erste dieser Art in Sachsen ihren Betrieb aufnahm.

Auch Karl May hat hier gesessen

Nächstes Jahr feiert die JVA Waldheim einen großen runden Geburtstag, nämlich ihren 300. 1716 begann die Geschichte des Strafvollzuges im Waldheimer Schloss, als das Zucht- Armen- und Waisenhaus. Unrühmliche Bekanntheit erlangte das Zuchthaus Waldheim 1950 als Austragungsort der Waldheimer Prozesse. 3324 Angeklagte wurden wegen vermeintlicher kriegs- und nationalsozialistischer Verbrechen verurteilt, es fielen auch 32 Todesurteile. 24 davon vollstreckten Volkspolizisten. Die SED überwachte die Prozesse intensiv, hatte Richter und Staatsanwälte nach ihrer Regimetreue ausgewählt.

Heute dient das älteste noch aktive Gefängnis Deutschlands dem Langstrafenvollzug für männliche Ersttäter. Die JVA Waldheim ist eine moderne Haftanstalt des sogenannten Behandlungsvollzuges. Der soll straffällig gewordene Menschen bestmöglich darauf vorbereiten, nach der Haftentlassung keine weiteren Straftaten zu begehen. Wen die Gerichte zu über zwei Jahren Haft verurteilen, verbüßt seine Strafe in Waldheim. Ziel ist es, Ersttäter von hafterfahrenen Gewohnheitskriminellen zu trennen, um die Resozialisierung zu erleichtern. Kleine Ladendiebe sitzen in den Zellen in den Hafthäusern also eher nicht. Denn um gleich beim ersten Delikt zwei Jahre Haft zu bekommen, muss man schon eine schwere Straftat begehen (Tötungsverbrechen, bestimmte Sexualstraftaten, besonders schwere Brandstiftung, schwerer Raub, bewaffneter Drogenhandel, besonders schwere Betrugsdelikte etc.).

In der JVA Waldheim verbüßen derzeit 390 Straftäter ihre Haftstrafe, Platz ist für insgesamt 408 Gefangene. Die JVA bietet 18 Haftplätze im offenen Vollzug. 183 Beamte arbeiten in der JVA Waldheim. Die Insassen können diverse Bildungsangebote wahrnehmen. Besonders stolz ist Anstaltsleiter Harry Kempf auf die Beschäftigungsquote von 76 Prozent, was 26 Prozentpunkte über dem sächsischen Gefängnis-Durchschnitt liegt. Die Gefangenen stellen im Metallbetrieb unter anderem Zellentüren her. Berühmtester Gefangener war übrigens Winnetou-Erfinder Karl May. Der Abenteuer-Schriftsteller saß von 1870 bis 1874 im damaligen Zuchthaus Waldheim, unter anderem wegen Betruges.

Von Dirk Wurzel

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