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Wanderung ins Sperrgebiet: Förster zeigt Holzeinschlag bei Leisnig

Forstwirtschaft Wanderung ins Sperrgebiet: Förster zeigt Holzeinschlag bei Leisnig

Welcher Baum bleibt stehen und welcher fällt? Forstwirtschaft im Naturschutzgebiet ist eine diffizile Angelegenheit. Das erläuterte der Klosterbucher Revierförster Ronald Köllner am Wochenende bei der Nabu-Winterung in Leisnig. Die Wandergruppe traf im Wald auf ein fleißiges Pferd und eine Maschine, die Bäume fällt, entastet und in Stücke sägt.

Thomas Schirmer (r.) macht mit Hengst Oskar Pause und erzählt den zahlreichen Nabu-Wanderern was vom Pferd, das schwere Holzstämme zieht.

Quelle: Dirk Wurzel

Leisnig. Immer mehr Zulauf verzeichnet die Winderwanderung der Nabu-Gruppe Lößhügelland. Das zeigte sich wieder am Sonnabend, als über 50 Leute durch den Wald am Leisniger Eichberg wanderten. Und dabei auch in Gebiete vordrangen, die derzeit eigentlich gesperrt sind. Weil gerade Bäume fallen. „Es wird heute richtig interessant“, versprach der Wanderführer, der Klosterbucher Revierförster Ronald Köllner. Denn der Forstmann zeigte die Arbeit der Waldarbeiter im Holzeinschlag. Mit Muskel- und Maschinenkraft laufen diese Arbeiten gerade ab. Rückepferd und Vollerntemaschine – die Wanderer erlebten Zeitsprünge in der Geschichte der Forstwirtschaft. „Die Wanderung soll zeigen, dass sich Bewirtschaftung und ökologische Werthaltigkeit nicht ausschließen müssen“, sagte Ronald Köllner und nannte viele Zahlen. Berichtete von Zehn-Jahres-Plan der Forstverwaltung. Dieser sagt aus, welche Menge an Festmetern Holz die Förster dem Wald entnehmen und welche Holzmenge nachwächst. Am Ende bleibt immer mehr stehen, als gefällt wird.

Förster Ronald Köllner erklärt den Holzeinschlag

Förster Ronald Köllner erklärt den Holzeinschlag.

Quelle: Dirk Wurzel

Im Wald am Eichberg fallen gerade 3600 Festmeter Holz, 1000 davon liegen bereits. Wiederum 1000 fällt der vom Staatsbetrieb Sachsenforst engagierte Betrieb mit dem Harvester – der Vollerntemaschine. Diese packt den Baum, sägt ihn um, entfernt die Äste, zerschneidet den Stamm in Stücke und legt diese ab. Den Großteil der Bäume, nämlich 2100 Festmeter, fällen die Waldarbeiter mit der Kettensäge. Eichen, Eschen, Bergahorn und Lärchen – der Wald am Eichberg ist recht artenreich. Die zu fällenden Bäume hat Förster Köllner zuvor ausgezeichnet und Symbole mit entsprechender Farbe auf die Stämme gemalt. Schräge rote Stricke bedeuten „fällen“, eine waagerechte grüne Linie zeigen die Gasse an, in der die Waldarbeiter das Holz schlagen müssen. Mindestens 40 Meter Abstand müssen zwischen diesen Gassen liegen. Und dann tragen einige Stämme grüne Kreise. „Das bedeutet: Stehenlassen, das sind Höhlenbäume und ökologisch wertvoll“, erläutert Förster Köllner. Denn in den Holräumen im Baum nisten zum Beispiel Vögel. Der Förster geht nach ökologischen und wirtschaftlichen Kriterien, wenn er mit dem Farbspray über das Schicksal eines Baumes entscheidet. Es ist zum Beispiel sinnvoll, einen Baum zu fällen, damit die anderen besser wachsen können. Durchforstung heißt diese Methode des Holzeinschlags.

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Die Winterwanderung des Nabu durch den Wald am Leisniger Eichberg glich einer Zeitreise durch die Geschichte der Forstwirtschaft. Hier ein paar Impressionen.

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Mitten im Wald trafen die Wanderer auf den heimlichen Star der Tour. Der rheinisch-deutsche Kaltbluthengst Oskar schleppt Stämme an die Sammelstellen, von der Transport mit schweren Maschinen weitergeht. Damit diese nicht zuviel Waldboden verdichten, als unbedingt notwendig, hilft Oskar mit seinem Halter Thomas Schirmer, dem Chef des gleichnamigen Forstbetriebes, der am Eichberg für den Sachsenforst arbeitet. Auch an unwegsamen Stellen ist die Holzrückung mit Pferd immer noch Mittel der Wahl. Außerdem ist so ein Pferdchen wendiger, als jede Maschine.

Kommentar: Forstwirtschaft ist notwendig

Wer nicht will, dass die Forstwirtschaft Bäume fällen lässt, soll sich doch bitte sein Leben mal ohne Holz vorstellen. Möbel aus Plaste und Häuser komplett aus Stahl und Beton. Also letztlich aus Rohstoffen, die endlich sind. Holz ist da anders. Es wächst wieder nach, langsam zwar, aber das ist alles eine Frage der Planung. Und die Erkenntnis, dass es ein vorzüglicher Bau- und Konstruktionsstoff ist, stammt ja auch nicht erst von vorgestern. Seit mehreren tausend Jahren nutzt der Mensch Holz, zeitweise betrieb er Raubbau und vernichtete ganze Wälder, beging den nächsten Frevel, den Verlust mit Monokulturen auszugleichen. Aber man kann auch aus Fehlern lernen und wie das geht, zeigt sich im Revier von Revierförster Ronald Köllner rund um Klosterbuch. Selbst im Naturschutzgebiet ist Forstwirtschaft möglich. Eine Forstwirtschaft, die auf Nachhaltigkeit setzt, weniger entnimmt als nachwächst. Und die darum auch viel Arbeit macht, wenn es zunächst darum geht, die Bäume nach fachlichen Kriterien auszusuchen, die fallen sollen. Das zeigte die diesjährige Winterwanderung des Nabu am Eichberg bei Leisnig auf eindrucksvolle Weise. Es sind nicht irgendwelche emotionalisierenden Fernsehtalkshows mit angeblichen Experten, die einem das Thema näher bringen, sondern solche Veranstaltungen vor Ort im Wald.

Von Dirk Wurzel

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