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Döbeln Wankelmütige Halme intelligent düngen
Region Döbeln Wankelmütige Halme intelligent düngen
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18:43 03.06.2014
Lagern wird es genannt, wenn Getreide umknickt, wie hier auf einem Feld bei Großweitzschen. Nach dem jüngsten Starkregen ein häufiger Anblick. Quelle: Sven Bartsch

Vor einer Woche gab es solche Regengüsse, auch in Verbindung mit Windböen, im Raum Döbeln - die hinterlassenen Spuren auf den Getreidefeldern sind nicht zu übersehen. Doch Landwirte haben mittels moderner Technik heute die Möglichkeit, dieser unliebsamen Erscheinung entgegenzuwirken.

"Vor allem Gerste und Triticale sind betroffen, möglicherweise auch Roggen", weiß Iris Claassen, Chefin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Aufgrund ihrer aktuellen Entwicklungsphase seien diese Getreidearten besonders von der Lagerbildung betroffen. So nennen die Landwirte den unerwünschten Zustand, bei dem Halme nester- oder streifenweise oder wie jetzt sogar über größere Flächen hinweg umknicken (Lagern). Den genauen Umfang der Schäden im Verbandsgebiet kann Claassen noch nicht beziffern. Das ist erst nach der Ernte möglich und unter anderem auch davon abhängig, ob sich das Getreide vielleicht wieder aufrichtet oder nicht.

"Die Ähren der Getreidepflanze halten bei Regen das Wasser fest, sie werden dadurch deutlich schwerer. Wenn dann noch weiterer heftiger Niederschlag oder Wind hinzukommt, dann kommt es auf die Stabilität der Halme an", erklärt Ekkehard Thiele, Chef der Agrargenossenschaft Reinsdorf. Von den jüngsten Unwettern ist das Landwirtschaftsunternehmen nicht ganz so stark betroffen gewesen. "Hier und da haben sich auf unseren Feldern Lager gebildet. Doch normalerweise richten sich die Halme wieder auf, so dass es selbst in diesen Bereichen nicht zu einem Totalausfall kommen dürfte", sagt Thiele.

Bleiben die Halme doch liegen, dann bringt das gleich mehrere Nachteile mit sich. Der Reifeprozess auf den betreffenden Getreideflächen kann beeinträchtigt sein, die Ernte geht schwerer vonstatten und dauert länger, das Korn könnte noch zu feucht sein, was eine aufwendigere Nachbehandlung erfordert. "Die Lagerbildung kann zu Ertragsverlusten und letztlich zu Gewinneinbußen führen", bestätigt Ekkehard Thiele.

Dass der Starkregen bei den Reinsdorfern nicht ganz so sehr ins Kontor geschlagen hat, könnte auch daran liegen, dass die Genossenschaft beim Bewirtschaften ihrer Felder moderne Sensortechnik verwendet. Der Einsatz von Halmverkürzern, sogenannten Wachstumsreglern und eine ausgewogene Stickstoffdüngung verringern die Lagerneigung. Denn beispielsweise eine zu hohe Stickstoffversorgung bewirkt bei Getreide das Ausbilden zu weicher Halme. Sensoren, die auf den Landmaschinen befestigt werden, sorgen dafür, dass die Stoffe bedarfsgerecht ausgebracht werden.

"Die Landwirte sind den Wetterunbilden nicht schutzlos ausgeliefert. Sie haben die Möglichkeit, dem Umknicken der Getreidehalme in einem gewissen Maß vorzubeugen", erklärt Antje Krieger, Sprecherin des Jahnaer Unternehmens Agricon. Das vertreibt Sensoren für eine intelligente, bedarfsgerechte Stickstoffdüngung. 83 Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen, darunter auch einige in der Döbelner Region, nutzen laut Krieger mittlerweile diese moderne Technik. Deutschlandweit seien 640 Stickstoff-Sensoren im Einsatz, mit denen rund 700 000 Hektar bewirtschaftet werden. Die Technologie ermöglicht es, in einem Arbeitsgang den Ist-Zustand auf dem Feld zu messen, den Düngemittel-Bedarf zu errechnen und den Streuer entsprechend anzupassen.

Experten haben ermittelt, dass schon leichtere Lager den Ertrag um bis zu 15 Prozent verringern, die Erntekosten sogar verdoppeln oder verdreifachen. Krieger: "Zurzeit sehen viele Felder schlimm aus. Es gibt noch Nachholbedarf."

Olaf Büchel

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