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Döbeln Warnstreik: Unterrichtsausfall an allen Schulen in Döbelner Region
Region Döbeln Warnstreik: Unterrichtsausfall an allen Schulen in Döbelner Region
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23:15 05.09.2012
Erste Mahnwachen vor dem Bildungsministerium in Dresden sind Vorboten des großangelegten Protestes, der für morgen geplant ist. Auch Pädagogen aus der Döbelner Region werden zu den Warnstreiks in die Landeshauptstadt fahren. Quelle: dpa

Am Beruflichen Schulzentrum Döbeln werden Klassen abbestellt. Andere über einen Notfallplan betreut. "Wir wollen in einer Fachleiterkonferenz noch abklären, wie wir die Ausfälle am besten kompensieren. Mit Einschnitten ist aber zu rechnen", erklärte Döbelns BSZ-Leiter Günther Oertelt, wo die Kollegen auch unter anderem für die Absicherung von Projekten im außerschulischen Bereich beziehungsweise im Rahmen der Ganztagsangebote werben. Diese hatte die Staatsregierung flächendeckend gekürzt oder komplett gestrichen.

An der Geschwister-Scholl-Mittelschule in Roßwein fällt der Unterricht morgen aus. "13 Lehrer, reichlich die Hälfte unseres Kollegiums, fahren am Freitag nach Dresden", sagte Chemielehrerin Ute Otto. "Die Schüler bleiben zu Hause und nur die, die unbedingt kommen müssen, werden von der Schulleitung und den Lehrern, die da bleiben, betreut." Für die Roßweiner Lehrer, deren Durchschnittsalter sehr hoch liegt, stehen die Einführung von Altersteilzeit und nachrückendes junges Personal an der Schule im Vordergrund ihres Protests. "Wir wollen vernünftig in die Rente gehen, wie es früher schon einmal per Altersteilzeit geregelt war", forderte Otto. "Außerdem fehlen uns vor allem junge Lehrer, die mehr Energie haben und neue Impulse mitbringen."

Auch an den Schulen Harthas beteiligen sich die Lehrer am Streik. Vom Martin-Luther-Gymnasium fahren über 30 Lehrer nach Dresden, an der Pestalozzi-Mittelschule sind es über die Hälfte des 13-köpfigen Kollegiums. "Ich streike, um auf die Ungerechtigkeit des Systems aufmerksam zu machen", erklärt Holger Kühne, Lehrer am MLG. Nicht hinzunehmen sei unter anderem der Lehrermangel an den Schulen Sachsens, der zur Belastung für alle anderen werde. "Die Absicherung mit Lehrern ist so eng, dass bereits in der ersten Woche Zusatzstunden für uns anfallen", berichtet Kühne. Für manche Referendare ergibt sich aus der Situation eine Zwickmühle: Auf der einen Seite würden sie gerne streiken, bekommen dies aber auf der anderen Seite von ihrem Arbeitgeber untersagt, wie von einer der drei Referendare zu erfahren war, die in dieser Woche am MLG angefangen haben. Von Schulleiter Lothar Weisheit hieß es, dass den angehenden Lehrern lediglich der Rat gegeben werde, sich nicht zu beteiligen. Weil sie nicht in einer Gewerkschaft organisiert sind und keinen Arbeitsvertrag haben, so Weisheit. Und weiter: "Am Ende der ersten Woche zum Streik zu gehen, gehört sich auch nicht, denke ich."

Gleiche Situation ergibt sich an den Mittelschulen in Döbeln, Waldheim und Leisnig. Waldheims Schulleiter Frank Scheiber: "Es wird eine Betreuung geben. Wer die Möglichkeit hat, kann sein Kind auch zu Hause behalten." Dessen Kollegin, Kristin Dorias-Thomas von der Leisniger Mittelschule, hat es ebenso gehandhabt. "Wir versuchen - wie es uns empfohlen wurde - insbesondere den Unterricht in den oberen Abgangsklassen abzusichern", so Dorias-Thomas.

Für Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums in Döbeln, ist ebenso absehbar, dass es "zu Stundenausfällen kommt. Wir haben die Eltern in einem Brief informiert. Eine Betreuung ist auch bei uns abgesichert."

Die Leiterin der Großweitzschener Grundschule, Anita Reppe, übernimmt am Freitag die Betreuung der Erst- bis Viertklässler. "Wir haben die Eltern informiert und auch einen Rücklauf bekommen. Einige wenige Kinder sind am Freitag zu betreuen, die anderen dürfen zu Hause bleiben", sagt Reppe. Das restliche Kollegenteam fahre nach Dresden. "Das Thema bewegt die Gemüter. Uns geht es bei der Beteiligung am Streik um Gleichstellung und Würdigung unserer Arbeit als Lehrer", so die Schulleiterin.

Auch die Ostrauer Grundschullehrer streiken, informierte Ingrid Przewloka. Die Chefin betonte, dass eine Notbetreuung der Schüler abgesichert sei und die Eltern über einen Elternbrief über das geplante Vorhaben unterrichtet wurden. Darüber hinaus beginne ab Mittag sowieso die Hortbetreuung. Ganz ähnlich sieht es an der Grundschule in Mochau aus. Die kommissarische Schulleiterin Petra Seidel erklärte: "Bei uns findet am Freitag kein planmäßiger Unterricht statt."

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