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Döbeln Was macht es für Handel und Gastronomie so schwer in Hartha?
Region Döbeln Was macht es für Handel und Gastronomie so schwer in Hartha?
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12:09 19.02.2018
Uwe Fischer (60), Inhaber von Zweirad-Fischer ist einer der wenigen Fachhändler, die Hartha hat. Quelle: Manuel Niemann
Hartha

Dienstagmorgen, fast schon Mittag und der Marktplatz liegt beinah verwaist. Kein Markttag und für den Froschbrunnen, der Kinder anziehen könnte, ist es zu kalt. Zwar parken Autos, nutzen die kostenlose Parkzeit, aber die Geschäfte sind leer. Auch andernorts sind in Hartha kaum Passanten unterwegs, selbst an den stärker befahrenen Straßen finden sich leere Schaufenster, aufgegebene Läden und geschlossene Gaststätten. Seit Oktober gehört dazu auch der Flemmingener Hof, zum Jahresende schloss zudem die Traditionsgaststätte Gambrinus. In der Kleinstadt gibt es gibt es kaum noch Gastronomie. Ebenso hat der Fachhandel es schwer.

Hartha wächst, aber belebt sich dadurch nicht

Auch wenn er im Moment für eine Familien- oder Trauerfeier auch nur auf eine Catering-Firma verweisen kann, Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) zeigt sich im Gespräch zuversichtlich: In seiner Stadt werde sich auch wieder Gastronomen ansiedeln. Wobei Wirte investieren müssten oder sogar neu bauen: „Die Ansprüche haben sich verschoben“, sagt er. Die Häuser, die es in der Stadt gebe, würden diesen nicht mehr genügen. Mitunter sind diese nicht barrierefrei, was nicht mehr zeitgemäß sei. Dennoch sieht er die Zukunft seiner Stadt weniger düster. „Mit den Firmen, die wir hier in der Umgebung haben, müssen wir uns nicht verstecken“, so Kunze. Dies zeige Wirkung: Hartha wachse, und zwar vom äußeren Stadtgebiet nach innen. Kunze hofft, dass dieser Trend sich fortsetzt und zukünftig nicht mehr die „Leuchttürme“ wie Leipzig oder Dresden, sondern auch ländliche Regionen attraktiv zum Wohnen werden. Allerdings bleibt er auch realistisch: „Wenn Hartha an Leipzig angrenzen würde, würden hier die Mieten durch die Decke gehen. Grenzen wir aber nicht.“

Trotzdem gebe es im Außenbereich von Hartha kaum noch zu veräußernde Häuser. Kein Leerstand, auch dank der Förderung durch Mittel aus dem EU-Leaderfond, der auch private Hauskäufer unterstützt. Die Laufwege für Kinder sind kurz, es gibt ausgebaute Waldwege zum Entspannen und die Parkplatzsuche ist am Abend auch keine Geduldsprobe: „Die Lebensqualität ist für Familien – nicht unbedingt für junge Leute, die abends noch einmal weggehen wollen – doch sehr gut“, meint Kunze. Nur zieht es die nicht unbedingt zu den Händlern in die Innenstadt wie das Beispiel, das er gibt, belegt: „Junge Familien ziehen hier her. Die Frau arbeitet meinetwegen in Mittweida und der Mann in Oschatz. Sie haben beide tolle Berufe, müssen aber auch mal bis 16 oder 18 Uhr auf Arbeit sein.“

Internet und alternde Gesellschaft bereiten Innenstadthändlern Probleme

Uwe Fischer wartet in seinem Fahrradladen in der Pestalozzistraße auf Kundschaft. Vom Zuzug spürt er nichts. Der Laden bleibt in der Zeit des Gesprächs leer, auch wenn Fischer ein großes Sortiment bereit hält. „Das liegt ganz klar an der Altersstruktur“, sagt der 60-Jährige. „Gehen Sie doch tagsüber mal durch die Stadt: Da sieht man nur noch die Älteren. Viele Junge ziehen weg, was auch an den Arbeitsbedingungen liegt.“ Seit 1993 handelt er mit Fahrrädern, seit 1999 in diesem Geschäft. Wenn er in den Ruhestand geht, wird er wohl keinen Nachfolger dafür haben. „Der Fachhandel stirbt aus“, sagt er nüchtern. Zwar könne er von seinem Geschäft leben, aber reich werde er damit nicht. „Es ist ein harter Job.“ Das Internet sei eine große Konkurrenz. Ob sich dieser Trend noch einmal umkehren ließe, weiß er nicht. Mit anderen Händlern habe er sich nicht einmal auf gemeinsame Kernöffnungszeiten einigen können, weshalb er nicht mehr im Gewerbeverein sei. Bei der Stadt habe er die Ernsthaftigkeit vermisst, sich einzusetzen für den Radweg nach Rochlitz. Obwohl sie den Bau nicht ausführt, die zehn Jahre, die er darauf warte, habe es nicht gebraucht. Allerdings teilt er hier Erwartung des Bürgermeisters: „Der wird sicher gut angenommen.“

„Ich habe 100 Quadratmeter, bin 15 Jahre im Geschäft – dafür habe ich auch viel getan“, verrät Heidi Bixl. Das Modegeschäft der 53-Jährigen liegt am Markt 17: „Für alle Händler ist nicht einfach“, sagt sie, wobei es hier schon besser aussehe: Ein Friseur und Kosmetikladen haben sich nebenan angesiedelt. Trotzdem müsse sie etwas bieten, die Leute kauften heute eben online. Dagegen setze sie auf Service: das beratende Gespräch und das Einkaufserlebnis etwa, wenn sie ihren Kundinnen die Frühjahrs- und Herbsttrends bei einer Modenschau zeigt.

Von Manuel Niemann

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