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Wechsel am Schwimmbeckenrand in Geringswalde

Wechsel am Schwimmbeckenrand in Geringswalde

Günter Lottes hat jeden Sommer viel Wasser um sich, manchmal Sonne, aber nie Urlaub. Sein Aufenthaltsort in dieser Jahreszeit ist seit 36 Jahren der selbe - das Freibad in Geringswalde.

Geringswalde.

 

hartha und umgebung

Donnerstag, 26. Juli 2012

Seite 16

In diesem Jahr zum letzten Mal. In dieser Saison steht er nicht allein am Beckenrand, denn sein Nachfolger ist bereits gefunden. Derzeit wird Lutz Porsche von seinem Vorgänger eingewiesen. Zu zweit an einem Ort, den das Wetter in diesem Sommer bisher für Besucher nicht besonders attraktiv gemacht hat - genug zu tun für gleich zwei Schwimmmeister?

 

Dass sich eine Stadt gleich zwei Schwimmmeister gönnt, ist nicht so viel Luxus, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn andere Hilfskräfte etwa für die Kasse, wie Lottes sie sonst hatte, stellt die Kommune in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Abwechselnd kümmern sich Günter Lottes und Lutz Porsche darum. Während der andere die Sicherheit der Badegäste im Blick hat. Aber: "Als Schwimmmeister hat man nicht nur Beckenaufsicht", betont Lottes.

Drei Mal am Tag muss unter anderem die Wasserqualität überprüft, täglich muss durchgefegt werden, ab und an sind Filter und andere Dinge zu reparieren. Ab 6 Uhr sind die beiden Vorort. 7.30 bis 9 Uhr kommen die ersten Schwimmer. Und die, die es lernen wollen: Von Dienstag bis Freitag übt Lottes mit den Vorschulkindern das Schwimmen. Anschließend, ab 10 Uhr, wird offiziell geöffnet.

18 000 bis 20 000 Besucher empfängt das Bad durchschnittlich. In diesem Jahr ein noch fernes Ziel. "Der Sommer ist enttäuschend", sagen beide. 1500 Besucher weniger hat das Freibad als zur gleichen Zeit in der vorhergehenden Saison. Erst seit dieser Woche gehen, mit Beginn der Ferien, die Besucherzahlen nach oben. 500 Gäste sind es an diesem Dienstag.

Darunter unter anderem eine Gruppe von Schülern der Regenbogenschule in Döbeln, betreut von der Harthaer Lebenshilfe. Bevor Rutsche und Becken für sie freigegeben sind, werden die sieben Aufsichtspersonen belehrt. Nur einer der 14 Regenbogenschüler darf in das 50 Meter-Becken: Geburtstagskind René Uhrmann. Schwimmen kann der 17-Jährige bereits. "Wir mögen den DDR-Charme des Bades. Außerdem ist es hier sehr übersichtlich und es gibt genügend Sitzmöglichkeiten", erklärt Reinhard Heiner, einer der Mitarbeiter der Lebenshilfe, die jedes Jahr die Ferienbetreuung für die Regenbogenschule übernimmt. Zwischen 10.30 und 13.30 Uhr sei oftmals Saure-Gurken-Zeit. Dann geht abwechselnd einer von beiden nach Hause, "um Arbeitsstunden zu sparen". So auch an diesem Tag.

An Stundensparen war bei Günter Lottes in den vergangenen 36 Jahren nicht zu denken. Der 61-Jährige hatte so viele Überstunden, dass er außerhalb der Saison, von Oktober bis April, seinen kompletten Urlaub nehmen konnte. Lutz Porsche hat nach dieser Saison als quasi Teilzeit-Schwimmmeister keine Überstunden, die er in den kalten Monaten abbummeln könnte. "Ich werde dann für den Bauhof arbeiten", so die Absprache mit der Stadt. Aufsichtspflicht tragen, Chlorwerte überprüfen, auch das Leben von Porsche ist vom Schwimmmeistersein geprägt. Schon 1986 machte er die Ausbildung dazu. Immer mal wieder war er aushilfsweise auch in dem Freibad in Geringswalde tätig. Von seinem baldigen Vorgänger wird er nun in die Technik und Reparaturarbeiten eingewiesen. Aber eigentlich kenne er sich hier schon gut aus, sagt der 52-Jährige. "Als Schwimmmeister muss man sich auf jede Lage einstellen können", meint Porsche, den Blick während des Gespräches immer aufs Wasser gerichtet. In der Laufbahn von Günter Lottes gab es etwa drei, vier Situationen, die brenzlig waren, in denen Leute fast ertrunken wären. "Vor allem bei Fünf- bis Sechsjährigen muss man aufpassen, weil sie nicht einschätzen können, wann es gefährlich wird." Ältere Leute, die gesundheitliche Probleme haben, weisen oftmals darauf hin, achtsamer auf sie zu sein. Lutz Porsche, zuvor als Monteur tätig, freut sich auf den neuen Job. Der Geringswalder war einer von zweien, die sich um die Stelle Anfang des Jahres bewarben.

"Früher wollte keiner Schwimmmeister werden", erinnert sich Günter Lottes. Zu schlecht bezahlt, sei der Beruf zu DDR-Zeiten gewesen. Und wer will schon den Sommer an ein und der selben Stelle verbringen? Günter Lottes wollte es. Aus dem Schwimmsport kommend, kam ihm das Angebot seiner Heimatstadt Crimmitschau, die Beckenaufsicht zu übernehmen, gelegen: Für ihn war es die Chance, sein Hobby zum Beruf zu machen, sagt er. Und es wurde sein Leben. Seit 1974 ist er Schwimmmeister. 36 Jahre davon in Geringswalde. Mit Ende der Saison geht Lottes in Altersteilzeit. Auch dann will er wieder zurückkehren, an den Ort, den er so gut kennt. Aber dann nur noch als Badegast, auf den Lutz Porsche ein Auge hat, wie auf alle anderen.

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