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Döbeln Weiches Wasser für Waldheim
Region Döbeln Weiches Wasser für Waldheim
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19:03 14.03.2019
Gut für die Knochen – schlecht für Spülmaschine und Co.: Nicht nur den Waldheimer Sozialdemokraten ist das Wasser zu hart. Aber die SPD hat die kalkhaltige Rohrperle jetzt als Wahlkampfthema zur Stadtratswahl entdeckt. Quelle: Wolfgang Sens/ Archiv
Waldheim

Maria Euchler hat den direkten Vergleich. Während die in Waldheim wohnenden Familienangehörigen der Kriebsteiner Bürgermeisterin täglich Armaturen putzen, gibt es in Kriebethal und weiten Teilen der Gemeinde kein Problem mit dem Kalk in der Rohrperle. „Wir haben hier tolles Wasser“, sagt Maria Euchler. Kriebstein gehört zum Versorgungsgebiet des Zweckverband Wasser-Abwasser Hainichen (ZWA). Der wiederum ist Mitglied im Zweckverband Fernwasser Südsachsen, der überwiegend weiches Wasser aus erzgebirgischen Talsperren bezieht. „Wir haben hier meistens eine Wasserhärte von bis zu sieben Grad Deutscher Härte“, sagt Ulrich Pötzsch, technischer Geschäftsführer des ZWA.

Reich an Calcium: Über 180 Milligramm pro Liter

Sieben Grad – davon können die Leute nur träumen, die von Kriebethal rund drei Kilometer die Zschopau abwärts leben. Hier in Waldheim ist die Rohrperle bis zu über 20 Grad hart, angegeben in Deutscher Härte. Bis zu 184 Milligramm Calcium enthält hier ein Liter Wasser. Das spüren viele Waldheimer. Wasserkocher, Kaffeemaschine, Waschmaschine und Co. setzt der hohe Calcium-Gehalt zu. „Diese Wasserqualität ist nicht hinnehmbar“, sagt Silvio Winkler, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Waldheim. „Darum wird das Thema Wasser auch in unserem Programm eine Rolle Spielen.“

Drei für Waldheim

Die Waldheimer Sozialdemokraten stört auch, dass die Verantwortlichen die Bürger immer wieder hinhalten, wenn es um die weiße Pest in der Rohrperle geht. „Uns ist schon klar, dass wir als Stadt Waldheim im großen Wasserverband auch nicht gerade das größte Licht sind“, sagt SPD-Stadtrat René Michael Röder, der wieder bei der Wahl am 26. Mai antritt. Mit ihm gehen Jens Kademann aus Gebersbach und Antje Winkler aus Waldheim ins Rennen. René Michael Röder ist es wichtig, dass die SPD das Thema Wasser immer wieder anspricht. Schließlich sitzt ja auch der Waldheimer Bürgermeister für die Stadt im Wasserverband Döbeln-Oschatz.

Rohrperle aus der Jahna-Aue

Das flüssige Thema beschäftigt nicht nur die SPD. Viele Waldheimer finden, dass das Wasser seit der Zschopauflut 2002 immer härter wurde. „Das hängt damit zusammen, dass wir unser Wasser seitdem verstärkt aus der Jahna-Aue bekommen“, sagt Silvio Winkler. Laut der Angaben auf der Homepage des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz gehört Waldheim zur Versorgungszone „I“. Die Rohrperle für dieses Gebiet wird aus zwei Wasserfassungen in der Jahna-Aue bei Ostrau gefördert.

Kommentar: Schildbürgerei beim Wasser beenden!

Von Dirk Wurzel

Da legen die Waldheimer Sozialdemokraten den Finger in die richtige Wunde. Denn das kalkhaltige Wasser ist ein Ärgernis über die Stadtgrenze hinaus. Gut, dass es die SPD nun aufs kommunalpolitische Tableau hebt. Man ist es aber auch einfach leid, immer wieder dieselben Verkündigungen und Totschlagargumente von Seiten des Wasserverbandes zu hören, weshalb es kein weiches Wasser in der Region Döbeln geben wird. Die Kosten für die technische Enthärtung sind zu hoch und am Ende ist Kalk auch noch gut für die Knochen....

Wie sich die Schildbürgerei mit Wasserfassungen im Ostrauer Kalk auswirkt, zeigen nicht nur schneller verschleißende Elektrogeräten, wie Wasserkocher, Kaffeemaschine und Waschmaschine. Wer mal bei einem Umzug in Döbeln den Hauptabsperrhahn der Wohnung nur mittels Wasserpumpenzangen-Akrobatik zudrehen konnte, weiß, wovon die Rede ist. Nicht umsonst hat die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt beim Umbau der alten Lenin-Schule in Döbeln-Ost zum Wohnpark auch eine Anlage installiert, die das Wasser enthärtet. Und dabei würde es solche gar nicht brauchen, wenn die Verantwortlichen mal über die Grenzen ihres Wasserverband-Fürstentums schauen würden. Talsperrenwasser enthält kaum Kalk und es fließt bis nach Kriebethal!

Der Einsatz der Waldheimer Sozialdemokraten für weicheres Wasser ist beispielgebend. Alleine werden sie das aber nicht schaffen. Es sind Mehrheiten notwendig, um die Bürgermeister der Kommunen im Wasserverband anzuspitzen, sich für kalkarmes Trinkwasser einzusetzen.

Gebetsmühlenartig wiederholen Verbands-Verantwortliche, dass es den Verbraucher teurer kommen würde, das Wasser technisch zu enthärten. Aber das müsste gar nicht sein. Zumindest nicht in Waldheim. In Kriebethal sprudelt ja kalkarmes Talsperrenwasser aus dem Hahn. „Die Stadt könnten wir mitversorgen“, sagt ZWA-Mann Ulrich Pötzsch. Auch beim Thema Nitrat-Gehalt kann das ZWA-Wasser punkten. 17 bis 18 Milligramm dieser Stickstoffverbindung enthält ein Liter davon. Im Waldheimer Wasser sind dagegen nach jüngsten Zahlen 35 Milligramm pro Liter. Was ja bei der Lage der Quellen in der landwirtschaftlich stark genutzten Lommatzscher Pflege auch kein Wunder ist.

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