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"Weichmachen" zu teuer: Trinkwasser in der Region Döbeln wird härter

Ist das gesund? "Weichmachen" zu teuer: Trinkwasser in der Region Döbeln wird härter

„Harte Zeiten“ brechen für noch mehr Trinkwasserkunden im Raum Döbeln an. Sie spüren bereits, dass ihr Wasser einen höheren Härtegrad hat. Überall dort, wo es schon in der Vergangenheit hart war, bleibt das so. Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) weiß von den Beschwerden aus der Bevölkerung.

Viele Menschen im Raum Döbeln spüren bereits, dass ihr Wasser einen höheren Härtegrad hat.

Quelle: dpa

Döbeln. Er wollte in der jüngsten Sitzung des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz von Geschäftsführer Hans-Jürgen Gemkow wissen, ob das Einfluss auf die Trinkwasserkonzeption des Verbandes hat. Technisch sei es möglich, das Wasser mit viel Aufwand so zu behandeln, dass die Härte sinkt. „Das ist aber nicht geplant“, sagt Gemkow und liefert die Begründung gleich mit. „Wir hatten dazu Berechnungen angestellt.  Demnach würde bei einer Aufbereitung für weicheres Trinkwasser der Kubikmeterpreis um etwa 50 Cent steigen.“ Das sei zu teuer. Beim Prozess des „Weichmachens“ würden Rückstände entstehen, die extra entsorgt werden müssten. Zudem könne man aus einer Wasserfassung nur das gesamte Wasser enthärten, also auch jenes, das später fürs Duschen oder für die Toilettenspülung benutzt wird. Gemkow: „Das ist schade ums Geld. Wir bleiben bei unserer Trinkwasserqualität. Die Härte bedeutet keinen gesundheitlichen Mangel.“ Fakt ist aber, dass kalkhaltiges Wasser bei immer feinerer und sensiblerer Installations- und Haushaltstechnik zum Problem werden kann. Das trifft zu, wenn es über 60 Grad Celsius erwärmt wird. Vorkehrungen dagegen könne jeder Hausbesitzer selbst treffen.  

An härteres Wasser müssen sich also nach Aussagen des Verbandsgeschäftsführers die Kunden in Hartha und Waldheim gewöhnen. Das Wasserwerk Töpelwinkel, das weicheres Wasser lieferte, soll nach der Konzeption des Verbandes Ende 2015 stillgelegt werden. Nach Beschädigung durchs Hochwasser im Juni 2013 arbeitet es ohnehin nicht mehr. Stattdessen komme neben dem Wasser aus dem Harthaer Werk vor allem härteres Wasser aus der Jahna-Aue bei Ostrau und aus Minkwitz zum Verbraucher. „Das Wasser vom Töpelwinkel war deshalb weicher, weil es sich um ufernahes Filtrat handelte, also um Flusswasser, dass sich beispielsweise aus Regenwasser spendet.“ Dieses Wasser diffundiere nicht durch so viele Gesteinsschichten, wie das aus einem tiefen Brunnen, was es härter machen würde.

Dass auch die Roßweiner eine Veränderung der Wasserhärte spüren, kann sich der Geschäftsführer des Wasserverbandes nicht vorstellen. In der Vergangenheit wurde Trinkwasser aus dem Wasserwerk Adamstolln mit Wasser aus der Jahna-Aue gemischt. Wegen Arbeiten am Hochbehälter Klinge sei zwar das Wasserwerk Adamstolln zurzeit außer Betrieb. Doch das Wasser von dort gilt laut Gemkow nicht als weich. „Es handelt sich nicht um ufernahes Filtrat. Unsere Altvorderen hatten es geschafft, einen ehemaligen Bergwerksstollen, den Adamstolln, anzubohren. Dieses Wasser hat eine ähnliche Härte, wie das aus der  Jahna-Aue“, sagt Gemkow. Ende dieses Jahres geht das Werk Adamstolln noch mal in Betrieb, wird aber bis Ende 2016 stillgelegt. Um sich Mittel aus dem Förderprogramm zur Beseitigung von Hochwasserschäden zu sichern, wird es zurückgebaut. In der Jahna-Aue bei Ostrau steigen indes die Förderkapazitäten. Ein Teil dieses Wassers gehe auch an den Hochbehälter Simselwitz und von dort nach Roßwein. Die Versorgung der Stadt und ihres Umlandes sei also ohne Adamstolln gesichert.

Fünf Wasserwerke beziehungsweise Wasserfassungen im Verbandsgebiet waren beim Hochwasser 2013 stark beschädigt worden. Insgesamt stelle der Freistaat für die Schadensbeseitigung oder Ersatzmaßnahmen rund 1,4 Millionen Euro zur Verfügung. Nicht gefördert werde allerdings der Restbuchwert der Wasserwerke, die vor dem Ende ihrer ursprünglich geplanten Nutzungsdauer stillgelegt werden. „Die deshalb erforderlichen Sonderabschreibungen gehen als Kosten in das Ergebnis des Verbandes ein und können zu einem negativen Jahresabschluss führen“, erläuterte Hans-Jürgen Gemkow und warnte schon vorsorglich vor negativen Schlagzeilen.

Die Verluste aus den Sonderabschreibungen dürften aber nicht in der Gebührenkalkulation Eingang finden. Damit führe die vorzeitige Stilllegung der Wasserwerke zwar zu einer Minderung der Kapitalrücklage des Verbandes, habe aber keinen Einfluss auf den Trinkwasserpreis.

Axel Kaminski und Olaf Büchel

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