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Döbeln Weniger Straftaten im Raum Döbeln, aber Drogenkriminalität nimmt zu
Region Döbeln Weniger Straftaten im Raum Döbeln, aber Drogenkriminalität nimmt zu
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17:09 21.09.2016
Die Polizei kontrolliert an der Grenze einen Autofahrer. Vor allem aus Tschechien wird Crystal eingeführt. Im Raum Döbeln nimmt der Konsum dieser Droge immer mehr zu. Quelle: dpa
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Döbeln

Nach der aktuellen Kriminalitätsstatistik ist Döbeln im vergangenen Jahr sicherer geworden. Die Zahl der Straftaten insgesamt ist weiter gesunken. Die Aufklärungsquote der Döbelner Polizisten und Kriminalisten ist größtenteils. Dennoch berichtete Döbelns Revierleiter Andree Wagner am Dienstagabend im Kriminalpräventiven Rat der Stadt Döbeln nicht nur von eitel Sonnenschein. Denn die Polizei hat an einigen Fronten zu kämpfen.

Von einer der dramatischesten Polizeifronten berichtete Kriminalhauptkommissar Carsten Richter vom Drogendezernat der Polizeidirektion Chemnitz. Er kennt Döbeln seit einem Jahr wie seine Westentasche und hält die Drogenszene in der Region in Schach. Er weiß, keine noch so kleine Stadt bleibt verschont. Crystal macht mit 42 Prozent den Schwerpunkt aus. Das Einstiegsalter wird dabei immer jünger. Zwölf- und 13-jährige Konsumenten sind keine Seltenheit. 2015 gab es in Sachsen 27 Drogentote, zwei davon im Direktionsbereich Chemnitz. In diesem Jahr starb bereits ein junger Mann an einer Kombination aus Alkohol und einer so genannten Kräutermischung.

Nach einer Messerstecherei auf dem Döbelner Kauflandparkplatz, bei der es um die Vorherrschaft im Drogenmilieu gegangen sei, ist die Polizei in Döbeln intensiv am ermitteln. Im Mai erwischte der Zoll einen Mann in der Region mit 100 Gramm Crystal im Auto. Seine und die Handydaten anderer Tatverdächtiger und erwischter Konsumenten werden von der Polizei akribisch ausgelesen. So auch das Handy eines auf dem MC Donalds-Parkplatz erwischten Crystal-Dealers. In dem Fall meldeten sich auch Opfer, die der Tatverdächtige übel gefoltert hat. Allein im Juni gab es in Döbeln zwölf Wohnungsdurchsuchungen, letzte Woche noch mal fünf. 170 Ermittlungsverfahren gegen Döbelner, die Rauschgift, gekauft, gehandelt oder aus Tschechien eingeführt haben laufen derzeit. „Ich habe in Döbeln gut zu tun. Doch das Problem ist nicht lösbar. Aber immerhin haben wir einiges an Unruhe gebracht und einige Betroffene sind in Therapie gegangen. Aber die Rückfallquote ist hoch“, so Kriminalhauptkommissar Carsten Richter.

Die sonstige Kriminalität in Döbeln ist größtenteils rückläufig. Der Ausländeranteil an allen Straftaten betrug 2015 13,2 Prozent. 96 Tatverdächtige waren nichtdeutscher Herkunft. Zumeist sind diese auch keine Flüchtlinge sondern zumeist schön länger hier lebende Ausländer. Sie kommen aus Rumänien (15), Polen (9), Georgien (9), Kosovo (7), Tunesien (6) und Tschechien, so Döbelns Revierleiter Andree Wagner. Flüchtlingskriminalität sei in Döbeln kein Thema. Es gibt derzeit keine Neuunterbringungen mehr in Döbeln. Die Erstaufnahme bei Autoliv ist geschlossen, ebenso das Heim in der Bahnhofstraße. „Mit den zahlreichen dezentral untergebrachten Flüchtlingen gibt es keine Probleme. Flüchtlingskriminalität findet wenn, dann größtenteils in den Heimen als Konflikte untereinander, als Schlägereien, Dienstähle oder Raub statt. Das alles aber in einem sehr überschaubaren Rahmen“, so der Revierleiter. Die Täter sind aber oft einzelne Intensivtäter und zumeist schon länger hier. Wagner schilderte etwa den Fall eines Marokkaners , der als Intensivtäter in allen Heimen im Kreis bekannt ist. „Wir drängen auf seine Abschiebung. Aber das ist nicht so einfach. Er hat keine Papiere und Marokko muss ihn erst als seinen Staatsbürger anerkennen“, so Wagner Derzeit sitzt er in Haft. „Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge in Döbeln verhält sich rechtskonform. Auf die anderen haben wir ein Auge“, so der Revierleiter.

Ein besorgtes Auge hat Andree Wagner aber auch auf den Personalstand seines Reviers. Es gebe Tendenzen die Polizei im ländlichen Raum zugunsten der Großstädte zurückzufahren. Deshalb hatte sich der Polizeichef die beiden Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (CDU) und Henning Homann (SPD) eingeladen, um zu verdeutlichen: Weitere Stellen im Döbelner Revier dürfen nicht abgebaut werden, wenn Polizei noch funktionieren soll. Jetzt eingestellte Polizeischüler stehen frühestens 2019 zur Verfügung. Bis dahin gebe es bei der Polizei eine Durststrecke.

Von Thomas Sparrer

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