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Döbeln Wenn die Lehrerin mit dem Rohrstock droht
Region Döbeln Wenn die Lehrerin mit dem Rohrstock droht
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00:19 02.09.2017
Ohne die Schiefertafel, die Birgit Müller hält, wäre es denkbar, dass das Foto wirklich aus den 1930er Jahren stammt. Quelle: Sven Bartsch
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Schrebitz

Vieles aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg hatten die Grundschüler der dritten und vierten Klasse in Technitz bereits in Büchern oder auf Bildern gesehen. Die Erfahrung Feder, Griffel und Schiefertafel in der Hand zu halten, war dann beim Ausflug in die Kulturschule Schrebitz am Dienstag doch noch einmal etwas anderes, wie Lehrerin Claudia Manig berichtet. „Wir hatten das Thema „Früher und heute“ im Sachkundeunterricht und wir wollten, dass die Kinder manche Dinge einfach einmal live bestaunen können. In dem Klassenzimmer zu sitzen mit den alten Kragen, den Rohrstock zu sehen, mit Feder zu schreiben, das war für die Kinder der Höhepunkt“, erzählt sie.

Birgit Müller, Leiterin des Schrebitzer Heimatvereins, hatte die 47 Kinder mitsamt Lehrern und einigen Eltern, die beim Transport halfen, eingeladen. Sie selbst trat in Kleidung aus den 1930er Jahren auf und sorgte damit für große Augen bei ihren Schülern für einen Tag. Und das noch mehr, als die Kinder, die sich selbst vor der Abfahrt klassische Klamotten aus früherer Zeit angezogen hatten, diese mit blauen Marine-Kragen aus Kaiser Wilhelms Zeiten verfeinerten.

Zu Beginn des Unterrichts musste die nun gestrenge Lehrerin Birgit Müller den Kindern erstmal die alte Schulordnung näherbringen. „Die richtige Sitzhaltung und die Reinlichkeit des Körpers – da muss ich nachschauen, ob alle die Hände gewaschen haben, die Fingernägel sauber sind und die Haare ordentlich gekämmt“, erklärte Müller. Ergebnis: Fast alle hätten auch vor 80 Jahren den Ansprüchen genügt. „Und wer keine ganz sauberen Hände hatte, der musste das eben nachholen – mit Wasser aus dem Krug oder am Waschbecken – je nachdem, was es schon gab“, fügte sie hinzu.

Anschließend lernten die Kinder, mit Griffeln auf Schiefertafeln zu schreiben – und zwar in Sütterlin-Schrift. Um derweil die Disziplin zu wahren, zeigte Müller den Schülern den berüchtigten Rohrstock, der zum Einsatz kam, wenn geschwätzt wurde. Um diese Erfahrung kamen die Technitzer aber natürlich herum. Dennoch wirkte allein die Vorstellung der drakonischen Bestrafung in früheren Zeiten beeindruckend auf die Kinder. Fröhlich endete der Unterricht mit einem Lied. „Es war ein schönes Miteinander“, freute sich Birgit Müller, die gern bald wieder Schüler zum historischen Unterricht begrüßen möchte.

Von Sebastian Fink

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