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„Wenn in der Feuerwehr jeder macht, was er will, funktioniert es nicht“

Dietmar Sommerfeld im Interview „Wenn in der Feuerwehr jeder macht, was er will, funktioniert es nicht“

Am 21. Dezember 2015 ist Dietmar Sommerfeld als Gemeindewehrleiter in Großweitzschen zurückgetreten. Im DAZ-Interview spricht er offen über die Beweggründe. Durch Kameraden, die ein Einsatzfahrzeug ohne Genehmigung nutzten, sah er seine Autorität untergraben. In der Mockritzer Wehr will er dennoch bleiben.

Dietmar Sommerfeld will trotz des Rücktritts in der Mockritzer Wehr bleiben.

Quelle: BARTSCH

Großweitzschen Mockritz. Am 21. Dezember 2015 ist Dietmar Sommerfeld als Gemeindewehrleiter in Großweitzschen zurückgetreten. Im DAZ-Interview spricht er offen über die Beweggründe. Weil die Westewitzer Wasserwehr der Gemeinde ein Zugfahrzeug für den Schlauchbootanhänger schenkte und damit in Einsatz ging, ohne dass es als solches zugelassen war und ohne dass Sommerfeld davon wusste, sah er seine Autorität untergraben. In der Mockritzer Wehr will der 57-Jährige dennoch bleiben.

Herr Sommerfeld, Sie sind seit 40 Jahren Feuerwehrmann, waren 18 Jahre Gemeindewehrleiter – warum der Rücktritt?

Dietmar Sommerfeld: Es geht um die ganze Art und Weise, um Eigenmächtigkeiten. Wenn in der Feuerwehr jeder macht, was er will, funktioniert es nicht.

Was genau ist passiert?

Für den Schlauchbootanhänger im Gerätehaus Westewitz hatten wir schon lange ein Zugfahrzeug gesucht. 2015 hatte die Gemeinde noch ein neues Tanklöschfahrzeug gekauft, dieses Jahr sollte das Geld – etwa 10 000 bis 15 000 Euro – für das Zugfahrzeug bereitgestellt werden. 2013 ist in Westewitz die Idee geboren, das Geld über Spenden zu beschaffen, weil es den Kameraden dort über die Gemeinde zu lange dauerte. Am 18. Dezember vorigen Jahres wurde plötzlich das Fahrzeug präsentiert – insgeheim, nur ein paar Wenige hatten das gewusst.

Sie waren nicht informiert?

Nein, auch Teile des Gemeinderats nicht. Richtig sauer war ich, weil ich am12. Dezember noch mit dem Bürgermeister bei einer Weihnachtsfeier zusammensaß und dort nichts darüber gesagt wurde. Ich habe erst am 20. Dezember davon erfahren, als ich nach Hause kam.

Ist so ein geschenktes Fahrzeug nicht dennoch ein Grund zur Freude?

Die Sache ist die: Das neue Auto war ein ehemaliges Firmenfahrzeug eines Kameraden, das neu lackiert und auf das Sondersignale draufgebaut wurden. So wie es damals angemeldet war, war es nicht erlaubt, mit eingeschaltetem Signal durch den Ort zu fahren. Dummerweise gab es am 20. Dezember einen Einsatz am Bahnhof Westewitz, wo mit Blaulicht gefahren wurde. Wäre da etwas passiert, hätte das strafrechtliche Relevanz gehabt. Der Bürgermeister und ich hätten die Verantwortung getragen.

Wie ging es dann weiter?

Ich dachte mir am 21. Dezember, das neue Fahrzeug schaust du dir an. Dann merkte ich, dass das Schloss am Gerätehaus Westewitz ausgetauscht worden war. Dadurch war auch die Einsatzbereitschaft der gesamten Feuerwehr gefährdet. Da hatte sich so viel Wut aufgestaut, dass ich in die Gemeindeverwaltung gefahren bin und meinen Rücktritt mündlich eingereicht habe. Nachmittags kam der Bürgermeister zu mir nach Hause. Aber er hat wohl gemerkt, dass die Entscheidung endgültig ist und ist nach fünf Minuten wieder gegangen.

Hätte es sich nicht gelohnt, vor einem schnellen Rücktritt die Sache zu klären?

Da hing zu viel dran. Es war mir zu blöd, ein neues Fahrzeug präsentiert zu kriegen, ohne davon zu wissen. Wenn ich am 20. Dezember etwas eher zu Hause gewesen wäre, wäre ich Einsatzleiter gewesen. Dann hätte ich erstmal gefragt, was denn da für eine Feuerwehr anrückt und dann steigen da unsere Kameraden aus.

Warum äußern Sie sich nun öffentlich?

Ich wollte die Sache klarstellen. In meiner Rücktrittserklärung hatte ich darum gebeten, dies als öffentlichen Punkt auf die Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung zu setzen. Das wurde aber in den nicht-öffentlichen Teil verlegt. Dort habe ich erfahren, dass der Bürgermeister schon länger von dem Fahrzeug wusste.

Wie war die Reaktion auf Ihren Rücktritt?

Ich war etwas enttäuscht, dass der Gemeinderat meine Beweggründe nicht richtig verstanden zu haben scheint. Wir waren einer Meinung, dass der Einsatz ein Fehler war. Aber einige meinten, ich würde mich daran hochziehen und sollte mich lieber freuen über das Fahrzeug. Aber hier geht es ums Prinzip. Außerdem haben einige, die keine Ahnung von der Feuerwehr haben, Kommentare abgegeben nur um des Redens willen.

Fühlen Sie sich zum Rücktritt provoziert?

Wenn man alles zusammen nimmt, kann man das schon so denken.

Sie wollen in der Mockritzer Wehr bleiben – wie soll sich das künftig vertragen?




Interview: Sebastian Fink

Von Sebastian Fink

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