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Döbeln Wer holt die Milch am besten aus der Kuh?
Region Döbeln Wer holt die Milch am besten aus der Kuh?
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00:21 15.09.2017
Handmelken wird nicht mehr in allen Betrieben gelehrt. Drei Teilnehmer gingen im Wettbewerb auf Tuchfühlung mit den Eutern. Quelle: Sven Bartsch
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Leschen

Ein wenig aufregend war es gestern für einige Kühe der Genossenschaft Agrarland eG Lüttewitz in Leschen bei Mochau. Denn Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz, hatte zum Melkwettbewerb in den Betrieb geladen. Zehn Landwirte aus vier Betrieben hatten sich für den alle zwei Jahre ausgetragenen Wettstreit angemeldet. Und die Tiere, die sonst von zwei ihnen bekannten Melkern betreut werden, mussten sich nun für einen langen Vormittag mit den Besuchern anfreunden.

Ein wenig aufregend war es am Dienstag für einige Kühe der Genossenschaft Agrarland eG Lüttewitz in Leschen bei Mochau. Denn Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz, hatte zum Melkwettbewerb geladen. Zehn Landwirte aus vier Betrieben hatten sich für den Wettstreit angemeldet.

Denn es ging schon um 5 Uhr morgens los. Fünf Frauen und fünf Männer, zur Hälfte Fachkräfte, zur Hälfte Auszubildende, mussten drei Prüfungsteile absolvieren. Es sind deutlich weniger Teilnehmer als in anderen Jahren, die in den Kategorien Melkmaschine (Side by Side und Karussell), Handmelker und Lehrlinge um die Pokale kämpfen. „Es ist das erste Mal, dass die Betriebsvielfalt so gering ist. Das liegt am Arbeitskräfteproblem. Viele haben keine Möglichkeit, ihre Leute freizustellen“, sagte Iris Claassen. Neben den Gastgebern traten gestern auch die Knobelsdorfer Landwirtschafts GmbH aus Ebersbach, der Landwirtschaftsbetrieb Hirschfeld in Mockritz und die Agrargenossenschaft Naundorf/Niedergoseln an. Morgen in Leuben kommt noch die Agrar AG Ostrau dazu.

Wie beim Führerschein gab es eine Theorieprüfung: Aus einem Fundus von 280 Fragen mussten die Teilnehmer 20 beantworten. Nach der Theorie kam die Praxis, denn die Kühe, die etwa im Zwölf-Stunden-Rhythmus gemolken werden müssen, konnten nicht warten. „Die Tiere sind heute etwas aufgeregter, weil sich vom Zeitablauf her alles etwas verzögert, aber wir sind bestrebt, alles kurz zu halten“, so Claassen.

Drei Teile hat der Praxis-Wettbewerb: Zunächst mussten die Teilnehmer ihr fachpraktisches Wissen zeigen: Zu zwei ausgewählten Tieren mussten sie Fragen der Fachjury beantworten. Danach ging es in den Reproduktionsstall, wo die Kühe abkalben und die Landwirte Tipps für Verbesserungen vorschlugen. Und sie bekamen eine Probe der Mischfutterration, aus der sie die Zusammensetzung herausfinden und den Futtermittelgrupen zuordnen mussten – alles genau beäugt von der siebenköpfigen Jury, der Claassen vorsaß.

Zwei weitere Teile befassten sich mit dem Melken der Tiere. Zum einen mussten sich die Teilnehmer an der Melkmaschine beweisen. Besonderheit in Leschen: Hier wird im Side by Side-Verfahren gemolken, das heißt, die Tiere stehen parallel nebeneinander im Gegensatz zum Karussell, das in Leuben zum Einsatz kommt. Und nicht nur das korrekte Anbringen der Melkbecher wird überwacht. „Der Melker selbst wird bewertet, sein Auftreten, die Kleidung, hat er die Ausrüstung dabei wie Handschuhe, Kopfbedeckung und Unterarmschutz“, erklärte Claassen. Auch der Umgang mit der Kuh sei wichtig. „Man muss erst den Kontakt suchen, sonst erschrickt sie, stößt Adrenalin aus und dann ist es vorbei mit dem Melken.“ Die Jury stoppte die Zeit: Zwölf Minuten dauerte ein Melkdurchgang im Schnitt.

Was beim Wettbewerb nicht fehlen durfte, war das Handmelken. „Dafür wird extra eine Kuh trainiert, dass sie es sich gefallen lässt. Sie sind es ja nicht mehr gewöhnt“, erklärte Claassen. Dass nur drei Teilnehmer mitmachten, spiegelt sich auch in der modernen Landwirtschaft wider. „Handmelken gehört nicht mehr zwingend zur Ausbildung, wird nur in manchen Betrieben gelehrt“, berichtete die 52-Jährige. Dafür schafften Melkmaschinen heute 50 Kühe pro Stunde, während Handmelker früher vier bis fünf Tiere in der gleichen Zeit versorgen konnten.

Angesichts der Personalnot in der Landwirtschaft seien vollautomatische Melkroboter sogar noch mehr zu begrüßen, meinte Claassen. „Sie entlasten die Betriebe personell. Gutes, geschultes Personal wird knapper. Und die Technik interessiert vielleicht technische Überwacher für die Landwirtschaft, die sonst nie dort landen würden. Ich mag ja den Stallgeruch, andere wollen aber lieber vom Büro aus arbeiten.“

Die Leschener Stallchefin Magdalena Jahn gehört jedenfalls zur Stallkategorie. Sie hatte sich mit ihrem Betrieb freiwillig für den Wettbewerb als Austragungsort gemeldet. „Ich bin hier neu, da ist es meine Pflicht uns zu präsentieren. Und man kann etwas lernen, zum Beispiel wie die Lehrlinge woanders beurteilt werden.“ Für Iris Claassen war die Anfrage aus Leschen ein Glücksfall, denn normalerweise muss sie eine Weile herumfragen, bis sich ein Austragungsort findet. Kein Problem ist dagegen die Siegerehrung. Die wird morgen Abend im Döbelner Welwel gefeiert.

Von Sebastian Fink

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