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Döbeln Wer kennt noch Kartoffeln und Quark?
Region Döbeln Wer kennt noch Kartoffeln und Quark?
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00:21 23.09.2017
Winfried Hunold kletterte unter grünem Licht im Kartoffellager der Agrar AG Ostrau mit den Drittklässlern den vier Meter hohen Hügel ein kleines Stück weit hinauf. Quelle: Sven Bartsch
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Ostrau

Wenn Wolfram Hirsch und Winfried Hunold – verantwortlich für die Pflanzenproduktion bei der Agrar AG Ostrau – mit je einem Dutzend Drittklässler durch den Kartoffelhof in Wutzschwitz schleichen, dann ist wieder Kartoffeltag angesagt. Gestern Vormittag führten sie die Acht- und Neunjährigen in die Geheimnisse von Anbau, Ernte und Sortierung ein – und die riesige Anlage sorgte für staunende Gesichter.

Wolfram Hirsch klärte die Kinder zunächst über Grundsätzliches auf: „Es gibt keine lila Kuh und bei der braunen kommt auch keine Schokomilch raus“, erklärte er zur Erheiterung der Knirpse von Sachkundelehrerin Katrin Kowalski. Die hatte ihre Schüler in den letzten Wochen zum Thema Kartoffel fit gemacht. „Wir haben viel über den Anbau, die Ernte und die Sorten gelernt, ein Gedicht über den Kartoffelkäfer gelesen und Kartoffeldruck ausprobiert“, sagte sie.

Die Zeugnisse dessen trugen die Kinder um den Hals: Eine große Kartoffel aus Pappe geschnitten mit den bunten Drucken darauf hatten alle mitgebracht. Für Wolfram Hirschs Büro gab es einen extra gestalteten Kartoffeldruck als Wandschmuck. Nach rund zehn Jahren Kartoffeltag bei der Agrar AG hat er nun schon eine schöne Sammlung zusammen.

Während Hirsch seine Gruppe über Mais, Hafer und Weizen aufklärte, war Winfried Hunold mit der zweiten Gruppe im Kartoffellager unterwegs. Vorbei an den hunderte Meter langen Förderbändern ging es zunächst ins Lager, wo die Kartoffeln unter grünem Licht vier Meter hoch aufgetürmt liegen. „Warum haben wir hier grünes Licht an?“, fragte Hunold die Kinder, die er wegen der ratternden Bänder und vorbeifahrenden Gabelstapler ganz nah um sich versammelt hatte. „Das verzögert, dass sie grün werden“, erklärte er den fragenden Gesichtern.

Im Lager gegenüber zeigte er ihnen die automatische Sortieranlage, die die Kartoffeln in 1,20 Meter hohe Kisten verteilt und über einen Sensor automatisch erkennt, wann eine solche Kiste voll ist. Schnell fiel den Kindern auf, dass kalte Luft aus Ritzen im Boden strömt. „Die Kartoffel hat nach der Ernte eine feuchte Schale und wenn man sie lange lagern will, muss man sie schnell trocken kriegen“, erklärte Hunold. „Und im Dezember werden die Kartoffeln auf vier Grad heruntergekühlt, weil sie sonst keimen. Dann könnte man sie nicht mehr essen.“

Apropos essen: Eine wichtige Frage des Tages war natürlich, ob die Kinder überhaupt gern Kartoffeln essen. „Ich mag Kartoffeln mit Quark und mit Spinat“, erklärte die achtjährige Lilly Scholz. Joline Dölitzsch hat am liebsten Kartoffeln mit Gulasch auf dem Teller. Ihr Papa Toni Dölitzsch, der sich als Begleiter der Gruppe extra den Tag frei genommen hatte, sorgt dafür, dass zu Hause regelmäßig frische Kartoffeln auf den Tisch kommen. Den Kartoffeltag findet er klasse. „Die Kinder sollen wissen, dass die Kartoffel nicht nur im Supermarkt liegt, sondern dass sie aus der Erde kommt und wie das von der Saat bis zur Ernte funktioniert. Und die Begeisterung der Mitarbeiter hier färbt auf die Kinder ab“, lobte er.

Dass längst nicht alle Kinder regelmäßig frische Kartoffeln zu essen bekommen, hat Winfried Hunold beim Kartoffeltag schon öfter erfahren müssen. Denn nach der Führung durch die Anlage wartet jedes Mal ein Mittagessen mit Kartoffeln und Quark auf die Kinder. „Und wir hatten hier schon welche, die haben das zum ersten Mal in ihrem Leben gegessen“, berichtete er.

Dabei gibt es gerade hier in der Region frische Kartoffeln in Hülle und Fülle, auch wenn die Ernte bei der Agrar in diesem Jahr eher mäßig ausgefallen ist. „Wir haben in Deutschland dieses Jahr differenzierte Erträge. In der Zeit, wo wir es gebraucht hätten, hat es hier nicht so sehr geregnet, dafür im Westen umso mehr. Dort steht eine Rekordernte an. Das drückt die Preise in den Keller, bevor der Verkauf überhaupt angefangen hat“, sagte er. Auch derzeit täte ein wenig mehr Regen gut, um die Ernte voranzutreiben, da sonst die Böden dafür zu trocken seien. Zudem gehe der Verbrauch an frischen Kartoffeln seit Jahren kontinuierlich zurück, während der Anteil der verarbeiteten Kartoffelproduktion beispielsweise in Fertiggerichten weiter ansteige. „Die Leute haben leider keine Zeit mehr zum Kochen“, meint Hunold. Daher sei es am Kartoffeltag auch wichtig, die Kinder heranzuführen, frische Kartoffeln zu essen.

Von Sebastian Fink

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